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Veranstaltung

Diskussion / Vortrag
20.10.2009 | 19:30 Uhr
Rosa-Luxemburg-Stiftung, Seminarraum 1, 1. OG, Berlin
Mit Peter Bierl, Journalist und Politologe, München

Regionalgeld, Tauschringe, Schwundgeld

... und die gefährlichen Lehren des Silvio Gesell. Audiodokumentation.

Flash ist Pflicht!

Mitschnitt des Vortrages über die Freiwirtschaftslehre des Silvio Gesell von Peter Bierl (Dauer 1:20 Stunden.
Da der Referent erkältet war, sind zahlreiche Huster aus dem Vortrag geschnitten worden, weshalb es an wenigen Stellen harte Schnitte gibt. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßt der Referent zu Rechtsextremismus und Antisemitismus der Akademie für Politische Bildung, Friedrich Burschel, als Moderator des Abends die Gäste und stellt Peter Bierl kurz vor. An den Vortrag schloss sich eine lange, kontroverse Diskussion mit den rund 50 ZuhörerInnen an.

Der Mitschnitt ist urheberrechtlich geschützt und darf nur mit Einwilligung der Stiftung und des Referenten verwendet werden.

© rls, Peter Bierl 2009

Inmitten wirtschaftlicher Krisen neigen die Menschen leicht dazu, nach einfachen Erklärungen und rettenden Auswegen zu suchen und geraten dabei häufig in die Fänge obskurer Heilslehren, spiritueller Spinner und antisemitischer Verschwörungstheorien.

Kein Wunder also, dass auch die umstrittene Freiwirtschaftslehre des Kaufmanns Silvio Gesell (1862-1930) in den herrschenden Zeiten der Krise reges Interesse erfährt. Dieser behauptete, alle Übel dieser Welt, insbesondere ökonomische und soziale, seien darauf zurückzuführen, dass Geldbesitzer Zinsen „hecken“. Gesells Vorschlag lautete, den Zins abzuschaffen und statt dessen so genanntes rostendes Geld, Freigeld oder Schwundgeld auszugeben, also Geld, das in regelmäßigen Abständen an Wert verliert, so dass es sich nicht lohnt, Geld zu horten. Die Utopie Gesells war – so ist in seinem Hauptwerk mit dem Titel „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ nachzulesen – ein ungehemmter „Manchesterkapitalismus“, in dem Frauen als Gebärmaschinen und reiche Männer als Samenspender fungieren sollten. Frauen sollten sich in einer Art seriellen Monogamie mit wirtschaftlich erfolgreichen Männern paaren, deren ökonomischen Erfolg er als Ausweis hervorragenden biologischen Erbguts deutete – und mit diesen möglichst viele Kinder zeugen. Die von ihm als minderwertig angesehenen Menschen würden verschmäht, ihr Erbgut im Lauf der Zeit ausgemerzt und dadurch eine „Hochzucht der Menschheit“ erreicht werden. Gesell pflegte also eine rassenhygienische und sozialdarwinistische, frauenfeindliche und antidemokratische Horrorutopie.

Zusammenfassend hat der Berliner Politik-Professor Elmar Altvater seine Lehre folgendermaßen charakterisiert: „Die Gesellsche Lehre von der ‚natürlichen Wirtschaftsordnung’ hat sich in der Geschichte als anschlussfähig für nationalsozialistisches und antisemitisches Denken erwiesen. Freilich haben der extreme Individualismus, die Vergötzung von natürlicher Auslese, Wettbewerb und Marktwirtschaft dazu beigetragen, dass sich Gesellianer nach dem Zweiten Weltkrieg zum Neoliberalismus bekannten.“ Es ist in Zeiten der neoliberalen Krise deshalb besonders wichtig sich mit der Lehre Gesells auseinanderzusetzen und auf ihre Gefährlichkeit hinzuweisen.

Kontakt

Friedrich Burschel

Telefon: (030) 44310-183
Fax: (030) 44310-222
Email: burschel@rosalux.de

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