Zur Kritik des dreigliedrigen Schulsystems
Bildungspolitischer Workshop
Das dreigliedrige Schulsystem ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Umgesetzt wird längst in vielen Bundesländern die Zusammenlegung mindestens von Haupt- und Realschule zur sogenannten Einheitsschule. Am ehrwürdigen Gymnasium wollen die Konservativen gerne festhalten. So steuert die Gesellschaft in Deutschland also auf das zweigliedrige Schulsystem zu, während in den skandinavischen Ländern mit der eingliedrigen Einheitsschule sehr positive Erfahrungen gemacht wurden. Im Pisa-Ranking stehen sie jedenfalls ganz oben. Linke fordern, das Gymnasium abzuschaffen, aber selbst in der Partei DIE LINKEN ist dieses Thema umkämpft. In Hamburg hat sich im letzten Jahr eine Initiative aus der bürgerlichen Mittelschicht mit dem Volksentscheid »Wir wollen lernen« gegen die Zusammenlegung der drei Schulzweige durchgesetzt.
Daher wollen wir in unserem bildungspolitischen Workshop folgende Fragen diskutieren:
- Welche Entwicklungen bezüglich des Schul- und Bildungssystems gibt es in anderen europäischen Ländern? Ist das deutsche Schulsystem einzigartig veraltet, und kommen die Neuerungen verspätet?
- Welche unterschiedlichen bildungspolitischen Wege gehen die einzelnen Bundesländer in Deutschland bei der Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem?
- Warum wurde und wird in Deutschland derart hartnäckig an einem ständisch anmutenden Schulsystem festgehalten? Wer sind die Akteure, und welche Motive haben sie?
- Inwiefern sind aus der bürgerlichen Mittelschicht deutliche Tendenzen zu verspüren, Bildungschancen für die unteren Schichten zu verengen und für sich selbst einen elitären Zugang zu beanspruchen? Halten sie aus diesem Grund am Gymnasium fest? Geht der Riss möglicherweise sogar mitten durch die Mittelschicht hindurch, und verweist die Krise des Kapitalismus darauf, dass daraus ein Graben wird, hinter den man sich verschanzt und in Stellung bringt? Haben wir es mit einem Kulturkampf zu tun?
- Wo und wie müsste eine emanzipatorische Schulreform ansetzen? Welche Synergieeffekte werden sich von einer Zusammenlegung von Schulzweigen erhofft? Welche Auswirkungen hat das auf die Bildung und die Vermittlung von (welchen) Schlüsselkompetenzen?
| Programm: | |
|---|---|
| 11.00-13.30 Uhr | Block I Vergleich des Schulsystems in Deutschland mit anderen europäischen Staaten Referent: Eberhard Brandt (Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen) Kommentar: Christa Reichwaldt (MdL) |
| 13.30-14.30 Uhr | Mittagspause |
| 14.30-16.00 Uhr | Block II Die Krise des Kapitalismus und die Verengung der Bildungschancen – Klassenanalytische Ideologiekritik der Interessensgruppen Referent: Prof. Dr. Michael Weingarten (Universität Stuttgart) Kommentar: n.n. |
| 16.00-16.30 Uhr | Kaffee und Kuchen |
| 16.30-18.00 Uhr | Block III Abschlussdiskussion: Wie müsste eine linke, emanzipatorische Schulreform aussehen? Podium: Susanne Gondermann (Vorsitzende der Bundesfachgruppe Gesamtschulen), Prof. Dr. Christine Brückner (Erziehungswissenschaftlerin und Vertrauensdozentin der RLS) [angefragt], Anke Clasen (Promotionsstipendiatin der RLS), Roger Behrens (Ehemaliger Stipendiat der RLS) Moderation: Karl-Heinz Heinemann (Bildungsjournalist) |
Workshopleitung und Kontakt:
Dr. Katrin Schäfgen (schaefgen@rosalux.de) und Dr. Marcus Hawel (hawel@rosalux.de)
Anmeldung:
Die Veranstaltung ist öffentlich und richtet sich an eine bildungs- und schulpolitisch interessierte Öffentlichkeit. Insbesondere soll sich ein gewerkschaftlicher, schulischer und universitärer Adressatenkreis eingeladen fühlen, am Workshop teilzunehmen.
Eine Anmeldung ist allgemein nicht erforderlich. Ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben.
Stipendiat_innen der RLS melden sich bitte bis zum 23. Oktober 2011 über das Intranet an.
Veranstalterin: Rosa Luxemburg Stiftung (Studienwerk) in Kooperation mit der Rosa Luxemburgstiftung Niedersachsen
Kontakt
Katrin Schäfgen
Berlin
Telefon: (030) 44310-128
Fax: (030) 44310-188




