15.02.2012 | 19:30 Uhr bis 22:00 Uhr
W3 - Werkstatt für internationale Kultur und Politik e. V., Hamburg
Mit Jan Korte, Politologe, MdB, Autor des gleichnamigen Buches
Kriegsverrat. Vergangenheitspolitik in Deutschland

Der Unwille, das Nazi-Unrecht konkret anzuerkennen, war bis in die Gegenwart äußerst hartnäckig. Dies lässt sich gut an der langwierigen gesellschaftlichen Debatte um die Rehabilitierung der sogenannten Kriegsverräter nachvollziehen. Erst im Jahr 2009 konnte sie auch vom Bundestag beschlossen, und damit zumindest posthum tausende Todesurteile aufgehoben werden. Dabei verweigerten sich zu Beginn nicht nur klassische Konservative, die deutsche Militärgerichtsbarkeit als das zu benennen was sie war: Nämlich blutiges NS-Unrecht! So führte die schwammige Formulierung des Kriegsverrats-Paragrafen dazu, dass neben dem Desertieren aus der Wehrmacht bereits ein systemkritischer Tagebucheintrag, der Versuch Juden vor der sicheren Ermordung zu retten oder einem sowjetischen Kriegsgefangenen ein Stück Brot zuzustecken zur Todesstrafe führen konnte. Anhand dieser Debatte wird belegt, wie bis heute in Deutschland mit der NS-Vergangenheit umgegangen wird, wie in Politik und Wissenschaft versucht wird, die Wehrmacht und ihre Justiz vom NS-Regime abzutrennen. Interessant sind neben den wissenschaftlichen Analysen die gleichzeitige Darstellung der parlamentarischen Abläufe und die Dokumentation der Reaktionen in der Öffentlichkeit.
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