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Veranstaltung

Tagung / Konferenz
Mit Silvia Frederici, Alexis Benos, Chema Ruiz, Heidi Hartmann, Frigga Haug, Sabine Hark, Sarita Gupta, Gabriele Winker, Rachel LaForest, Eva Völpel, Irene Dölling, Thomas Seibert, Miriyam Aouragh, Rodrigo Nunes u.v.a.
Donnerstag, 26.06.2014 19:00 Uhr bis Samstag, 28.06.2014 20:30 Uhr

Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Karte

Wie geht eigentlich ein «richtiges» Leben im «Falschen»?

Lebensweisen, Reproduktion und Transformation. III. Transformationstagung.

diamond geezer, Flickr (CC BY-NC-ND), https://flic.kr/p/8dtZvX

Wie wollen wir leben? Wie geht es morgen weiter? Welche Arbeit muss getan werden, damit alle zum Leben und zur Arbeit kommen? Und wie kann die Gesellschaft insgesamt erhalten, erweitert, entwickelt werden? Widersprüche zwischen der Reproduktion des Kapitals und Ansprüchen an ein gutes Leben, Erholung, Muße und Teilhabe sind zugespitzt: Mehr Frauen sind erwerbstätig, Familienmodelle in Bewegung; gleichzeitig ist Arbeit intensiviert, häufig prekär, Löhne sind gesunken, Arbeitszeiten überlang und unberechenbar. Die Organisation des Alltags und der Zukunft ist häufig Hexenwerk. Wer sorgt für sich und andere? Institutionen öffentlicher Daseinsvorsorge sind ausgehungert, Personal und Leistungen abgebaut oder privatisiert. Es fehlt an bezahlbaren Wohnungen ebenso wie an Kitaplätzen und ausreichend Personal in Krankenhäusern oder im Pflegebereich und erst recht an bezahlbaren Betreuungs- und Pflegeangeboten. Gerade die Arbeitsverhältnisse im Care-Bereich sind immer noch feminisiert, aufzehrend und schlecht bezahlt. Die Frage nach einer gerechten Organisation reproduktiver Arbeit ist seit langem ein Kern feministischer Forderungen, scheint in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen schwerer denn je erreichbar: Migrantinnen erledigen sie für immer weniger Geld; der Niedriglohnsektor in diesen Tätigkeitsbereichen wächst. Die «digitale Revolution» verändert die Grenzen zwischen Arbeit und Leben, wird von gesellschaftlichen Gruppen und Akteuren unterschiedlich angeeignet, auf ihre emanzipatorischen Potentiale getestet, in Alltagsstrategien eingewebt und produziert neue Ungleichheiten. Neue Spaltungen ziehen sich um den Globus. Unsere imperiale Lebensweise zerstört Lebensbedingungen andernorts, überschreitet ökologische Grenzen.

Kämpfe um Lebensweisen treten in den Fokus. Sie waren immer präsent, oft überschattet von (klassischen) Arbeitskämpfen – obwohl der Gegensatz schon falsch ist: Produktions- und Lebensweise sind vielfach verschränkt, die Widersprüche werden von den Einzelnen alltäglich austragen. Sie müssen abwägen, Entscheidungen treffen, um handlungsfähig zu bleiben. Viele setzen sich für Veränderungen ein im Bereich Kinderbetreuung, Bildung, Gesundheit, Ernährung, Wohnen, Energie und in Kämpfen um Zeit oder Ressourcen. Der Blick auf Lebensweise, Lebensführung und Reproduktion ermöglicht es, diese vereinzelten Kämpfe als zusammenhängende zu denken, Spaltungen zu überwinden.

Wie kann die Krise der sozialen und ökologischen Reproduktion zum Ausgangspunkt einer Transformation werden, die reproduktive Praxen nicht mehr ausbeutet, sondern ins Zentrum der Veränderung stellt? Wo verdichten sich Kämpfe um eine (Wieder-) Aneignung des Öffentlichen? Wo und wie reorganisieren sich Gewerkschaften mit neuen (Streik)Strategien im Bereich der Reproduktion? Wie wird die Energiewende durchgeführt, aber alle ihren Strom bezahlen und mit entscheiden können? Wie können Spaltungen überwunden werden, trotz unterschiedlicher Lebensbedingungen gemeinsame Perspektiven entwickelt werden?

Umkehrung des Blicks: Transformationsdiskurse sind gesellschaftliche Großdiskurse, in denen individuelle Strategien eher als Hindernis angesehen werden. Oft wird nach «Anreizen» für transformationskonformes Verhalten gefragt, die Subjekte des Wandels werden passiviert. Dabei widerspricht dies historischen Erfahrungen sozialer Transformationsprozesse: Generations-, klassen-, geschlechter-, kultur- und migrationsspezifische Erwartungen, Hoffnungen, Ängste setzen sich in je eigene Handlungsstrategie um, aus den Eingriffen von Großakteuren werden unterschiedliche subjektive Schlüsse gezogen, auch in Hinsicht auf die Notwendigkeit der Partizipation an kollektiv getragenen gesellschaftspolitischen Kritikpraxen.

Emanzipatorische Transformationsforschung hat gute Gründe, von den Lebensperspektiven und alltäglichen Handlungsstrategien der Subjekte selbst auszugehen und die Bedingungen zu untersuchen, unter denen solidarisches Handeln entstehen kann.

Bei der Konferenz sollen Konfliktlinien und Widersprüche innerhalb der linken Debatte um sozial-ökologischen Umbau mit Blick auf Fragen von Reproduktions- und Lebensweise, Klassenfragen, Nord-Süd-Verhältnisse, von individueller und gesellschaftlicher Transformation im Mittelpunkt stehen. Ziel ist es übergreifende Perspektiven zu gewinnen, zum Beispiel nach einer europaweiten, sozial-ökologischen öffentlichen Grundversorgung (wie sie jüngst im Europawahlprogramm der LINKEN verankert wurde). Die Konferenz wendet sich an Linksintellektuelle und Aktivist_innen aus Wissenschaft und Bewegung, Partei und Gewerkschaft.

Programm

  • Donnerstag, 26.
  • Freitag, 27.
  • Samstag, 28.

20 – 21:30 Uhr Lecture:
«Aufstand aus der Küche». Krise, soziale Reproduktion und Lebensweisen
Silvia Federici (New York), Moderation: Susanne Schultz
Englisch/Deutsch

Auftakt:

12 – 13 Uhr Auftakt Lecture:
«Das Leben ändern» (Rimbaud)
Thomas Seibert (IL/wissenschaftlicher Beirat der Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Moderation: Mario Candeias (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Englisch/Deutsch

13 – 14:30 Uhr: «Mal grundsätzlich: Klasse von der Produktionsweise zu denken, war schon immer falsch!»?
Kontroverse um Lebensweise, Arbeit und Klassenzusammensetzung
Horst Kahrs (Rosa-Luxemburg-Stiftung) diskutiert mit Frigga Haug (InkriT/wissenschaftlicher Beirat Rosa-Luxemburg-Stiftung), Moderation: Konstanze Kriese, DIE LINKE
Englisch/Deutsch

15 – 16:30 Uhr: «Imperiale Lebensweise? So what?»
Jutta Kill (NGO FERN) diskutiert mit Tadzio Müller (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Moderation: Mona Bricke (klima-allianz)
Englisch/Deutsch

17 – 18:30 Uhr AG-Phase: Kämpfe um Lebensweisen
AG 1:
«Eier kaufen, Welt verändern?» Kontroverse: Ökologischer Konsum...und die Klassenfrage
Frauke Banse (Politikwissenschaftlerin, u. a. tätig als Koordinatorin der Eilaktionen bei der Kampagne für Saubere Kleidung) und Thomas Seibert (medico international), Moderation: Steffen Kühne (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Englisch/Deutsch

AG 2:
Einstiegsprojekt Free Public Transport, Teil I: Konkrete Projekte des entgeltfreien ÖPNV
Siegfried Gack (ZAK3 Tübingen), Matthias Bärwolff  u.a. (Fraktion DIE LINKE. im Thüringer Landtag, Erfurt), Judith Dellheim und Michael Brie (beide Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Deutsch

AG 3:
Queer Leben und Reproduktion
Bini Adamczak (Publizistin/Aktivistin), Volker Woltersdorff (ehem. Institute for Cultural Inquiry, Berlin) und Susanne Schultz (Uni Frankfurt am Main/Gen-Ethisches Netzwerk e.V.), Moderation: Katharina Pühl (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Deutsch

18:30 – 19:30 Uhr: Abendessen

19:30 – 21 Uhr Salongespräch:
Kampf um die Stadt und die Re:Organisierung der Linken
Mit Chema Ruiz (Plattform der Hypothekenbetroffenen, PAH, Madrid), Tashy Endres (Kotti&Co Berlin), Yasmeen Perez (Right to the City Alliance, New York City), Moderation: Mario Candeias (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Englisch/Deutsch

Ab 10 Uhr: Kaffee, Tee und Brötchen

10:30 – 12:30 Uhr AG-Phase: Kämpfe um Lebensweisen II

AG 1:
Ansprüche an Arbeit und Leben. Probleme praxisorientierter empirischer Forschung
Mit Irene Dölling (ehem. Universität Potsdam), Sylka Scholz (TU Dresden), Susanne Völker (Universität Köln) und Stefanie Hürtgen (Universität Frankfurt am Main) – alle im wissenschaftlichen Beirat der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Deutsch

AG 2:
Einstiegsprojekt Free Public Transport, Teil II: Schritte zu einer anderen Verkehrs- und Lebensweise
Mit Siegfried (ZAK3, Tübingen), Matthias Bärwolff  u.a. (Die Linke, Erfurt), Judith Dellheim und Michael Brie (beide Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Deutsch

AG 3:
Digitale Lebensweisen und Technopolitics: Netzstrategien und Organisierung
Mit Rodrigo Nunes (Philosoph, Brasilien) und Miriyam Aouragh (Oxford University, Großbritanien)
Moderation: Tadzio Müller (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Englisch/Deutsch

12:30 – 13:30 Uhr: Mittagessen

13:30 – 15:30 Uhr: Who Cares? Solidarische Gesundheit und Re:Organisierung der Linken
Gespräch mit Alexis Benos (solidarische Klinik Thessaloniki, Syriza), Sarita Gupta (Caring Across Generations/Jobs With Justice, Washington DC), Pia Zimmermann (MdB DIE LINKE), N.N. (Ver.di-Gruppe Charité, Berlin)
Moderation: Barbara Fried (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Englisch/Deutsch

16 – 18 Uhr AG-Phase: Kämpfe um Lebensweisen III

AG1: PostWachstum und feministische Kritik
Daniela Gottschlich (Uni Lüneburg) Christa Wichterich (Publizistin) und Karin Gabbert (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Moderation: Katharina Pühl (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Englisch/Deutsch

AG2: Saubere Energie für Proleten? Energiewende als Armutsrisiko?
Frederik Moch (DGB Bundesvorstand), Hans Thie (DIE LINKE), Jana Flemming (Sozial-AG FelS, Berliner Energietisch)
Moderation: Tadzio Müller (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Deutsch

18 – 19 Uhr: Abendessen

19 – 20:30 Uhr Salongespräch:
Aneignung und Organisierung von sozialer Reproduktion und Leben – wie weiter?

Mit Silvia Federici, Sarita Gupta und Mario Candeias
Moderation: Barbara Fried (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Englisch/Deutsch

Ab 20:30 Uhr: Musik und Getränke im Salon

Publikationen zur Konferenz:

Geiz ist gar nicht geil
Über Konsumweisen, Klassen und Kritik. Standpunkte 11/2014 von Anne Steckner und Mario Candeias.

Streiken bis das Patriarchat kommt
Der Arbeitskampf der Pflegekräfte an der Berliner Charité. Studie von Sophia Zender.

Kontakt

Uta Tackenberg

Telefon: (030) 44310-438
Fax: (030) 44310-184
E-Mail: tackenberg@rosalux.de

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Besonderheiten

Partner: Right to the City Alliance, Plataforma de Afectados por la Hipoteca (PAH), Institute for Women's Policy Research, kitchen politics, Caring Across Generations/Jobs With Justice, solidarische Klinik Thessaloniki, Syriza, verdi.Gruppe Charité, Feministisches Institut Hamburg, Netzwerk Aktionskonferenz Care Revolution, PostwachstumsKolleg Jena etc.