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Veranstaltung

Ausstellung / Kultur
Mit Hans-Rüdiger Minow, Petra Pau, Kurt Pätzold, Wolfgang Dreßen
Donnerstag, 05.03.2015 | 17:00 Uhr

Rosa-Luxemburg-Stiftung, Münzenbergsaal, Berlin
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Karte

Deutsche verwerten ihre jüdischen Nachbarn

Dokumente der «Aktion 3». Finissage der Ausstellung von Wolfgang Dreßen anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Über das aktuell immer noch schwierige Erinnern in Deutschland diskutieren:

  • Hans-Rüdiger Minow (Regisseur, Publizist, Autor des Buches «Der Zug der Erinnerung. Die Deutsche Bahn und der Kampf gegen das Vergessen», 2014)
  • Petra Pau (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages)
  • Prof. Kurt Pätzold (Historiker,  mit Schwerpunkt Geschichte des Faschismus, des Antisemitismus und der Judenverfolgung und Wissenschaftlicher Beirat der Rosa-Luxemburg-Stiftung)
  • Moderation: Prof. Wolfgang Dreßen

Für eine kurze Zeit nur hatte der Historiker Wolfgang Dreßen 1998 Gelegenheit, Akten der Oberfinanzdirektion Köln einzusehen, die gesperrt waren. Erst aufgrund der Ausstellung wurden die Akten in das Landesarchiv NRW überführt.

1999 erschienen seine Recherchen als Buch («Betrifft: Aktion 3. Deutsche verwerten jüdische Nachbarn»; Aufbau-Verlag Berlin 1998, ISBN: 978-3351024871) und wurden Auszüge der eingesehenen Unterlagen zu einer Ausstellung zusammengestellt.

Zusätzlich ist 2008 aus den Recherchen der eindringliche Dokumentarfilm «Menschliches Versagen» des Regisseurs Michael Verhoeven entstanden (Arthaus 2008).

Die «Arisierung» begann 1933: Menschen wurden aus antisemitischen Gründen aus ihren Arbeitsplätzen vertrieben. So genannte Arier besetzten diese Arbeitsplätze. In den folgenden Jahren, verschärft durch die «Nürnberger Gesetze» und die «Reichspogromnacht», flohen viele Jüdinnen und Juden  aus Deutschland. Ihr Eigentum mussten sie zurücklassen. Es wurde von den «arischen» Deutschen zu Spottpreisen übernommen. Das letzte Kapitel begann 1941/42. Die Menschen, die deportiert wurden, mussten ihr Eigentum auflisten. Die Kontrolle übernahmen die Finanzbehörden. Auf öffentlichen Versteigerungen wurde das Eigentum versteigert, vom wertvollen Gemälde bis zum Sack Zwiebeln aus der Vorratskammer.

In sieben Kapiteln wird die Übernahme des Eigentums der jüdischen Nachbarn durch die deutsche Bevölkerung dargestellt: Von der Vermögensaufstellung durch die zu Deportierenden selbst über die Verordnungen und Verfügungen des Reichsministers der Finanzen, der Oberfinanzpräsidenten und Finanzbehörden, den Nachbarn und Kaufliebhabern bis hin zur Wiedergutmachung. Dass ihnen Eigentum genommen worden war, mussten die wenigen zurückkehrenden Juden nach 1945 selbst beweisen, obwohl sie alle Unterlagen an die Gerichtsvollzieher hatten abgeben müssen. Sie trafen dabei meist auf dieselben Beamten, die in den Jahren zuvor die «Verwertung» betrieben hatten.

Eine Fülle von Dokumenten ermöglicht dem Besucher nach Lektüre der kurzen Kapiteleinleitungen selbst zu recherchieren: Das juristische Seminar der Universität Bonn erwarb Bücher für seine Bibliothek, ein Polizist nach Begutachtung ein Grammophon. Alle 14 Tage fanden in Köln öffentliche Versteigerungen von «nichtarischem Besitz» statt. Vorher hatten Vertreter des Finanzamts, des Hauseigentümers, ein Taxator oder ein Vertreter des Gebrauchtwarenhandels anhand der Vermögenserklärung in der Wohnung Vollständigkeit und Wert festgestellt.

Ab 1942 wurde innerhalb der «M-Aktion» in den von den Deutschen besetzten Gebieten in Westeuropa das bewegliche Eigentum der deportierten Menschen von  deutschen Behörden beschlagnahmt und nach Deutschland transportiert. «Bombengeschädigte Volksgenossen» ersteigerten sich Mobiliar, Geschirr oder Kleidung zu Billigstpreisen. Auch hierbei profitierten die Finanzbehörden.

Über «arisierte» Kunst in deutschen Museen wird inzwischen geforscht. Die massenhafte private Aneignung bleibt dagegen bis heute weitgehend tabuisiert. Nazis sind immer andere: Über den Anteil der eigenen Familien aus allen sozialen Schichten wird meistens geschwiegen.


Im Rahmen der Ausstellung zeigte das Kino Toni am Antonplatz, Max-Steinke-Straße 43, 13086 Berlin am 17.2. und 19.2.2015 den Dokumentarfilm «Menschliches Versagen» (2008, Regie Michael Verhoeven).

Kontakt

Marion Schütrumpf-Kunze

Telefon: (030) 44310-127
Fax: (030) 44310-122
E-Mail: m.schuetrumpf@rosalux.de

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Besonderheiten

Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann kostenlos ausgeliehen werden. Anfragen bitte an Prof. Wolfgang Dreßen, gustav.b@web.de.