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Veranstaltung

Ausstellung / Kultur
Donnerstag, 26.11.2015 | 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr

Berlinische Galerie – Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Berlin
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin

Karte

Verleihung des Hans-und-Lea-Grundig-Preises

Die Stiftung verlieh den Hans-und-Lea-Grundig-Preis 2015 an Olga Jitlina, Lith Bahlmann und Matthias Reichelt sowie Ines Weizman und ihr Team / Begleitpublikation «Kunst in Zeiten des Krieges» erschienen

Vor mehr als 200 Gästen ist am Donnerstag, den 26. November, in der Berlinischen Galerie der Hans-und-Lea-Grundig-Preis 2015 verliehen worden. Die Veranstaltung im Auditorium des Berliner Landesmuseums für moderne Kunst, Fotografie und Architektur war Teil des Festprogramms zum 25. Geburtstag der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Ausgezeichnet wurde die Performance- und Video-Künstlerin Olga Jitlina (St. Petersburg) in der Kategorie Bildende Kunst für mehrere interaktive Arbeiten über die Heimatlosigkeit und Widerständigkeit von MigrantInnen in Nordamerika und Russland sowie für ihre Beteiligung an dem Projekt «Russia, The Land of Opportunity» – einem brettspielähnlichen Werk über das harte Los von EinwanderInnen. Zur Preisverleihung präsentierte Jitlina ihr neuestes Werk «Benjamin’s Choir», das in Zusammenarbeit mit dem kolumbianischen Künstler Alejandro Ramirez entstand. In dem gut neunminütigen, in Gdansk angesiedelten Film setzen Laiensängerinnen und –sänger mehrere Textstellen aus der philosophischen Schrift «Über den Begriff der Geschichte» von Walter Benjamin in Szene – begleitet von barocker Cellomusik und Impressionen der geschichtsträchtigen polnischen Hafenstadt. Am Abend zuvor Jitlina ihre Arbeiten bereits bei einem Vortrag an der Weißensee Kunsthochschule Berlin einem interessierten Publikum vorgestellt.

Zudem erhielten Lith Bahlmann und Matthias Reichelt (beide Berlin) den Preis in der Kategorie Kunstgeschichte für ihr Buch „Ceija Stoijka (1933–2013) – Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz» (Nürnberg 2014) und Prof. Dr. Ines Weizman und Team (Bauhaus-Universität Weimar) für das Forschungs- und Ausstellungsprojekt «Aus dem Zweiten Leben. Dokumente vergessener Architekturen / From the Second Life. Documents of forgotten Architectures» in der Kategorie Kunstvermittlung.

Als Laudatoren wirkten Dr. Eva Atlan (Kunstgeschichte), Dr. Eckhart Gillen (Bildende Kunst) und Oliver Sukrow (Kunstvermittlung). Zur Eröffnung hatte der Direktor der Berlinischen Galerie , Dr. Thomas Köhler, gesprochen. Dr. Florian Weis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung, würdigte in seiner Begrüßung die Aktivitäten der Grundig-Stiftung seit 2012 und dankte Dr. Thomas Flierl für sein Engagement bei der Neuausrichtung des Preises und als Sekretär der Jury. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau, ging in ihrer Rede zum Geleit auf die Kernpunkte der Preisausschreibung Flucht, Migration, Exil und Widerstand ein und erinnerte an die Aktualität der Arbeiten von Hans und Lea Grundig. Im Anschluss sprach Dr. Thomas Flierl über die Neuausrichtung des Preises und über das Auswahlverfahren, und Oliver Sukrow stellte die Shortlist mit insgesamt vor. Insgesat hatten sich nach einer international wahrgenommenen Ausschreibung mehr als 250 EinreicherInnen um den Preis beworben.

Musikalisch begleitet wurde die Verleihung durch das Berliner «Trio Scho», das mit mehreren schwungvollen Intermezzi das Publikum begeisterte und zum Abschluss mit dem berühmten Walzer aus Schostakowitschs «Jazzsuite» sogar zum Tanzen brachte. Zur Preisverleihung wurde zudem die mehrsprachige Publikation Lea Grundig: Kunst in Zeiten des Krieges der Öffentlichkeit vorgestellt. Der von Thomas Flierl herausgegebene Band enthält einen bisher weithin unbekannten Text von Lea Grundig, den die Malerin und Grafikerin im britischen Mandatsgebiet Palästina verfasst hatte, wohin sie 1939/40 als Jüdin und Kommunistin vor der Verfolgung aus Nazideutschland geflohen war. Der in Hebräisch veröffentlichte Artikel «Kunst in Zeiten des Krieges» erschien im Jahrbuch 1944/45 der linken, gewerkschaftsnahen Zeitschrift «Davar» (Das Wort) und liegt nun erstmalig sowohl in einer deutschen Übersetzung von Prof. Dr. Viktor Golinets (Hochschule für Jüdische Studien, Heidelberg) als auch in einer englischen Übersetzung von Noam Ben Ishie (Israel) vor. Ein einleitendes Essay von Oliver Sukrow (München/Heidelberg) bettet den Text in den biografischen und historischen Kontext ein und skizziert weiterführende Forschungsfragen. Außerdem enthält die Publikation eine Auswahl der von Lea Grundig besprochenen antifaschistischen Kunstwerke, die sich heute in Sammlungen und Museen in den USA, Großbritannien und Russlands befinden.

Der 2017 zum dritten Mal zu vergebende Preis wird sich verstärkt dem Leben und Werk Hans Grundigs zuwenden. Für 2016 sind im Vorfeld der Preisausschreibung weitere Aktivitäten zur historisch-kritischen Erforschung Hans Grundigs und seiner Zeit in Dresden mit verschiedenen Kooperationspartnern geplant.

Die Auszeichnung wird von der Stiftung in Erinnerung an die antifaschistischen Dresdner Künstler Hans Grundig (1901–1958) und Lea Grundig (1906–1977) für künstlerische, kunstwissenschaftliche und kunstvermittelnde Leistungen ausgelobt. Er war in diesem Jahr mit insgesamt 10.000 Euro dotiert. Die Stiftung führt damit den von Lea Grundig im Jahr 1972 der Universität Greifswald gestifteten, dort aber seit 1996 nicht mehr vergebenen Preis fort. Im Jahr 2012 erhielt Oliver Sukrow die Auszeichnung, der sich in seiner Masterarbeit an der Universität Greifswald mit der umstrittenen Funktion Lea Grundigs als Präsidentin des Verbandes der Bildenden Künstler der DDR (1964–1970) historisch-kritisch auseinandergesetzt hatte.

Die neunköpfige Jury des diesjährigen Preises wurde von der Sammlungsleiterin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Dr. Eva Atlan, und dem Berliner Kunsthistoriker und Kurator Dr. Eckhart Gillen geleitet. Ihr gehörten zudem die Leiterin der Kunstsammlung der Akademie der Künste, Dr. Rosa von der Schulenburg,die Künstler_innen Prof. Ladislav Minarik (Düsseldorf/Volterra) und Tanya Ury (Köln) sowie der Preisträger des Jahres 2012, Oliver Sukrow, an. Von seiten der Stiftung waren die Vorsitzende des wisschenschaftlichen Beirats, Prof. Dr. Irene Dölling, die ehemalige Leiterin des Auslandsbüros Israel, Dr. Angelika Timm, und Medienreferent Henning Heine in das Gremium entsandt worden. Als neues stimmberechtigtes Mitglied in der Jury wird künftig die diesjährige Preisträgerin Ines Weizman agieren. Sie ersetzt Oliver Sukrow, der die Koordination der Jury-Arbeit von Thomas Flierl übernimmt.

Text: Thomas Flierl / Henning Heine / Oliver Sukrow

Text in english.

Hans und Lea Grundigpreis 2015

Kurzer Zusammenschnitt der Preisverleihung am 26.11.2015

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