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Veranstaltung

Tagung / Konferenz
Donnerstag, 16.02.2017 18:00 Uhr bis Samstag, 18.02.2017 21:00 Uhr

Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Karte

Wirtschaftsdemokratie neu denken

Von Produktion über Innovation bis Gesundheit

Foto: fuyu liu/Shutterstock

Das Konzept der Wirtschaftsdemokratie, das den gewerkschaftlichen Vorstellungen nach zum Sozialismus führen sollte, schrumpfte angesichts des anhaltenden Widerstands der Kapitalseite auf die Institutionen der Mitbestimmung. Auch um diese mussten vielfach Kämpfe geführt werden, immer wieder stand sie von den Wirtschaftsverbänden und Unternehmen unter Beschuss. In jüngerer Zeit ist ein neues Interesse an Fragen der Wirtschaftsdemokratie erwacht. In den Gewerkschaften und ihrem Umfeld entstanden neue Diskussionen, die Partei DIE LINKE tritt für Wirtschaftsdemokratie ein. Die Tagung zielt darauf ab, historische Erfahrungen mit der Wirtschaftsdemokratie zu rekapitulieren und die Möglichkeiten ihrer Erneuerung und Weiterentwicklung zu durchdenken. Im Zentrum stehen aktualitätsbezogene Fragen und strategische Gesichtspunkte. Dazu gehört, dass die Begrenzung auf den Bereich der industriellen Produktion überwunden wird.

Es geht um eine Ausdehnung demokratischer Entscheidungsprozesse auch auf die Bereiche der Dienstleistung, auf Innovationsprozesse und Industriepolitik ebenso wie um Fragen der Konversion von Unternehmen und Branchen oder die Neugliederung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung.

Das Feld der Diskussion erweitert sich in Richtung neuer Produktivkräfte oder Dienstleistungen: Wem gehören die Daten im Internet der Dinge oder in den Smart Cities, wer kann darüber verfügen und wozu? Wer bestimmt darüber, welche Bedürfnisse in der Pflege mit welchen Ressourcen realisiert werden? Wie kann ein Strukturwandel in Braunkohlenregionen demokratisch organisiert werden?

In der Krise nach 2008 haben die Prozesse in vielen Gesellschaften, in Griechenland, Spanien, Ägypten oder den USA gezeigt, dass sich in den neuen Demokratiebewegungen räteartige Strukturen auf den Plätzen, in den Versammlungen, in den Nachbarschaften herausbilden und transversale Solidarstrukturen wechselseitiger Hilfe entwickeln. Wieder einmal wurde deutlich, dass, wenn die Möglichkeit besteht, sofort Prozesse der Demokratisierung des materiellen Lebens von unten her einsetzen. Die Konferenz zielt darauf, sich dieser Erfahrungen zu vergewissern, die Möglichkeiten einer Vertiefung demokratischer Prozesse auszuloten und zur Erneuerung des Verständnisses von wirtschaftsdemokratischen Konzepten beizutragen.

Programm:

  • Donnerstag, 16.2.2017
  • Freitag, 17.2.2017
  • Samstag, 18.2.2017

18-21.00
Wirtschaftsdemokratie in Zeiten der Digitalisierung

* Paul Mason (Kolumnist und Autor, London): Sozialisiert die Daten - We can’t allow the tech giants to rule smart cities
* Bernd Riexinger (Co-Vorsitzender DIE LINKE, Stuttgart/Berlin): Perspektiven sozialistischer Transformation
Moderation: Barbara Fried (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

 

10.00-12.30
Wirtschaftsdemokratie revisited
Begrüßung: Alex Demirović (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

* Heinz Bierbaum (DIE LINKE, Saarbrücken): Ein bisschen mixed Economy oder sozialistische Transformation?
* Alexandra Scheele (Uni Bielefeld): Autonomie, Angewiesenheit, Emanzipation – Soziable Arbeit als Perspektive feministischer Arbeitsforschung
Moderation: Alex Demirović (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Mittagspause

13.30-15.30
Das Einfache, das schwer zu machen ist - alternative Konzepte der Demokratisierung der Wirtschaft
* Krunoslav Stojakovic (Büro-Leiter Rosa-Luxemburg-Stiftung, Belgrad): Die jugoslawische Erfahrung
* Harald Wolf (SOFI, Göttingen): Autonomie der Arbeit und Selbstverwaltung - zwischen Revolution und Vereinnahmung
* Felix Klopotek (Redakteur und Autor, Köln): Die Schranken des Betriebs zerbrechen! Arbeiterräte als Kern gesellschaftlicher Selbstverwaltung
Moderation: Boris Kanzleiter (RLS)

Kaffeepause

16.00-18.00
Demokratische Subjekte
* Richard Detje (WissenTRansfer, Hamburg): Stimmung in den Betrieben, exklusive Solidarität und Perspektiven der Wirtschaftsdemokratie
* Helmut Martens (Dortmund): Gegen die „marktkonforme Demokratie“. Für eine Demokratisierung von Arbeit und Wirtschaft
Moderation: Fanny Zeise (RLS)

Pause

19.00-21.00
2040 vs 2025: Regionale Räte und Strukturwandel in Braunkohleregionen
* Ulla Lötzer (DIE LINKE, Essen): Wirtschaftsdemokratie und sozial-ökologische Transformation
* Gerd Rosenkranz (agora Energiewende, Berlin)
Moderation: Tadzio Müller (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

10.00-12.00
Innovation und Demokratie
* Roland Atzmüller (Linz): Demokratisierung der beruflichen Qualifikation
* Sabine Pfeiffer (Hohenheim): Demokratisierung von Innovation
Moderation:  Sabine Nuss (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Mittagspause

13.00-15.00
Demokratisierung sozialer Dienstleistungen und Infrastrukturen
* Thomas Händel (GUE/NGL): Eine sozial-ökologische  und demokratische Industrie- und Dienstleistungspolitik für Europa
* Martin Beckmann (ver.di): Mitbestimmung und Wirtschaftsdemokratie im Dienstleistungssektor
* Kirsten Schubert (Ärztin und Gesundheitskollektiv e.V. Berlin): Was heißt Demokratisierung von Gesundheitsversorgung?
Moderation: Barbara Fried (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Kaffeepause

15.30-18.00
Plan C - Institutionen aufbrechen, Institutionen ausbilden. Über Macht, Ökonomie und Staat
* Christos Giovanopoulos (Hub for Social Economy, eh. Solidarity4all, Athen), Von solidarischen Basisbewegungen zu Infrastrukturen der sozialen und solidarischen Wirtschaft. Konsolidierung der materiellen Macht und einer popularen demokratischen Sphäre.
* Georgia Bekridaki-Dock (Social and Solidarity Economy Zone), Die transformative Dimension der Welten sozialer und solidarischer Ökonomie
* Montserrat Galcerán Huguet (Ahora Madrid): Rebel Cities, Rekommunalisierung und Partizipation
Moderation: Margit Mayer (FU Berlin)

Auch die RLS-Saarland arbeitet seit langen und kontinuierlich zum Thema Wirtschaftsdemokratie. Im März organisiert sie in Kooperation mit der Völklinger Hütte eine Veranstaltungsreihe zum Thema.

Wirtschaftsdemokratie in Zeiten der Digitalisierung

Paul Mason, Bernd Riexinger und Barbara Fried

Kontakt

Michaela Klingberg

Telefon: (030) 44310-160
E-Mail: klingberg@rosalux.de

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