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Sozialforum am Scheideweg
Nach Istanbul stellen sich große Herausforderungen. Von Corinna Genschel und Anne Steckner.
Auf dem sechsten europäischen Sozialforum (ESF) sind die Hoffnungen auf Revitalisierung und/oder politische Zuspitzung nicht aufgegangen.
Insgesamt kamen wenige Menschen nach Istanbul, viele Bewegungen, Intellektuelle und Kunstschaffende fehlten. Dadurch waren mehr TeilnehmerInnen aus der institutionalisierten Linken (,,FunktionärInnen“) als aus (ehrenamtlichen) Bewegungen in Istanbul. So fehlten diejenigen, die Bewegungen tragen und mit ihrer Energie das Sozialforum und seine Dynamik ausmachen, und es fehlte ein Ort für einen breiten Austausch, um neue Allianzen, Kooperations- und Kommunikationsformen zu schaffen.
Auffällig war zudem, dass trotz staatlicher Austeritätsprogramme ,,die Krise“ die lauteste Leerstelle des Forums blieb. Vielleicht war der Anspruch zu hoch, angesichts der massiven Krise(n) ,,jetzt aber wirklich“ aus der Defensive zu
kommen und gemeinsame europäische Antworten von unten zu finden. Stattdessen ist eine Tendenz zu erkennen, machtpolitisch Verabredungen und Programme durchzusetzen.
Istanbul hat die Schwäche der europäischen sozialen Bewegungen gezeigt. Das ESF kann weder Bewegung noch Aufbruch simulieren, wenn Sozialforumsprozesse in den verschiedenen Ländern nicht verankert sind und wenn die sozialen Bewegungen in den einzelnen Ländern damit kämpfen, gerade jetzt aus der Defensive zu kommen.
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Aus ak 552. Corinna Genschel und Anne Steckner waren Teilnehmerinnen der RLS-Delegation zum ESF 2010.







