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Montag, 07. März 2016
Autor/Innen: Stefanie Kron, Massimo Perinelli

Moving Beyond Welcoming

Internationale Konferenz der europäischen Refugee-Bewegungen diskutiert auf dem Hamburger Kampnagel Herausforderungen von Selbst-Organisierung und Solidarität.

English and french version below. // Version anglaise et française ci-dessous.

Aus den verschiedensten Unterkünften, Camps und Lagern in der Bundesrepublik und dem europäischen Ausland, darunter London, Calais, Lampedusa, Paris, Lesbos und Thessaloniki kamen am letzten Februar-Wochenende (26.-28.02.) mehr als 1.500 Menschen in dem Hamburger Theater Kampnagel zur dreitägigen „International Conference of Refugees and Migrants“ zusammen. Der nahezu perfekt organisierte Event war eine der bislang größten Konferenzen der europäischen Bewegung von Geflüchteten.

Mit Hilfe von Einzelpersonen, kollektiver Unterstützer_innen-Strukturen, Zuschüssen mehrerer Stiftungen, darunter die Rosa Luxemburg Stiftung, sowie einer erfolgreichen Crowd-Funding-Kampagne im Vorfeld konnten die zahlreichen Veranstalter_innen  allen Teilnehmer_innen die Fahrtkosten erstatten, sie kostenlos unterbringen und rund um die Uhr verpflegen. Zudem gab es einen Shuttle-Service vom Hauptbahnhof nach Kampnagel, eine professionelle Kinderbetreuung und das Bla-Kollektiv ermöglichte die Übersetzung aller Veranstaltungen in sieben Sprachen sowie in internationaler Gebärdensprache. Nicht zuletzt stand eine juristische Begleitung bereit, um eventuelle Probleme auf dem Weg der Refugee-Aktivist_innen nach Hamburg aufzufangen, wie Fragen von Residenzpflicht und Polizei-Aktionen des racial profiling. Daneben bot die studentische Refugee Law Clinic eine umfangreiche rechtliche Beratung für Geflüchtete an.

Das dichte dreitägige Programm wurde mehrheitlich von den teilnehmenden Gruppen, Organisationen und Aktivist_innen der Geflüchteten selbst organisiert und bespielt, darunter Paneldiskussionen, Workshops, Konzerte und Film-Screenings. Nur einige wenige antirassistische Aktivist_innen aus Deutschland, darunter auf Asylfragen spezialisierte Jurist_innen sowie Vertreter_innen von Watch-the-Med, ein transnationales Netzwerk von migrantischen und migrationsorientierten Gruppen und Einzelpersonen, die ein Alarmtelefon für Flüchtlinge in Seenot betreiben, waren als Moderator_innen oder Referent_innen vertreten.

Insgesamt fünf große Podiumsveranstaltungen, die jeweils von bis zu 500 Menschen besucht wurden, behandelten die aktuell anstehenden Themen wie Politiken der Migrationsabwehr und des Grenzschutzes, aber auch der Kämpfe der Migration an den europäischen Außengrenzen; die Verschärfungen der deutschen Asylgesetzgebung sowie Debatten um Selbstorganisierung und Solidarität.

Wichtig für einen Großteil der Teilnehmer_innen waren sicherlich auch die ca. 30 kleineren Workshops etwa zur Geschichte der Refugee-Bewegungen, Gewalt und Sexismus gegen geflüchtete Frauen, urbane Kämpfe undokumentierter Menschen, Verhältnis zu den Supporter-Strukturen, alternative Medien etc.  Hier konnten sich die Anwesenden direkter miteinander über Probleme, Herausforderungen und Erfahrungen austauschen und Strategien politischen Handelns entwickeln. In vielen Workshops stand die Frage im Mittelpunkt, wie ein Leben gegen die gegenwärtigen rassistischen Exklusionsmechanismen organisiert werden und den zukünftig Kommenden die Migrationsrouten offen gehalten werden können. In den Workshops wurde auch versucht, breitere Bündnisse zu schmieden, etwa zwischen den teilweise noch sehr stark voneinander getrennt agierenden etablierteren migrantischen Communities und den erst kürzlich angekommenen Geflüchteten.

Den Auftakt am Freitagabend bildete ein Panel über die Kämpfe und Vernetzungen der Gruppe Lampedusa in Hamburg, eine Initiative von Geflüchteten, die mehrheitlich aus dem subsaharischen Afrika über Libyen und Lampedusa nach Deutschland kamen und bereits in den Protesten der Geflüchteten 2012 aktiv und sichtbar geworden sind. Auch insgesamt bildeten Menschen aus dem subsaharischen Afrika, die heute in Europa leben, die Mehrheit der TeilnehmerInnen der Konferenz. So fiel, neben „Lampedusa in Hamburg“, die starke Präsenz von Aktivist_innen der „Coalitión International des Sans Papiers et des Migrants“ (CISPM) auf. Die CISPM organisiert und vernetzt in Italien, Frankreich und Deutschland vor allem migrantische Gruppen aus dem subsaharischen Afrika, wie etwa die Initiative „Voix des migrants“ in Berlin.

Außerdem waren auch Aktivist_innen u.a. aus Nordafrika, Afghanistan, Syrien sowie zahlreiche Roma dem Aufruf zur Konferenz gefolgt, hatten die Einladung zu Inputs bei Podien und Workshops angenommen oder selbst Veranstaltungen organisiert. Nicht zuletzt waren auch Vertreter_innen der Flüchtlingsmobilisierungen der 2000er Jahre, wie „The Voice“ und die „Karawane“, und sogar viele Migrant_innen nach Hamburg gekommen, die teilweise bereits in der zweiten und dritten Generation in Deutschland leben. Sie bereichteten aus ihrer Geschichte der Kämpfe gegen Rassismus und teilten ihre langjährigen Erfahrungen.

So schien das Konzept eines offenen Raums für Debatte, Austausch und Vernetzung zwischen Flüchtlingen und Migrant_innen mit verschiedenen Geschichten, politischen Hintergründen, rechtlichen und sozialen Situationen aufzugehen. Wütende Entschlossenheit, aber auch Aufbruchsstimmung prägten die Stimmung während des Wochenendes, und die Notwendigkeit der Kooperation und Solidarität war stärker spürbar als das Bedürfnis, das Trennende hervorzuheben und sich voneinander abzugrenzen.

Dies zeigte sich vielleicht am deutlichsten am Samstagnachmittag. Nachdem die großen Podiumsdiskussionen v.a. von männlichen Vertretern der größeren Refugee-Netzwerke wie Lampedusa in Hamburg und CISPM dominiert worden waren, enterten etwa 150 Frauen und Transpersonen, darunter Aktivistinnen von Women in Exile, Gismi Milki und CISPM die große Bühne und unterbrachen die sehr gut besuchte laufende Podiumsdiskussion zu Selbst-Organisierung und Solidarität. Sie forderten eine gleichberechtigtere Repräsentation innerhalb der Refugee-Bewegungen sowie eine stärkere Sichtbarkeit ihrer spezifischen Situation wie Erfahrungen sexueller Gewalt in den gemeinsamen Kämpfen. Die Frauen und Transpersonen übernahmen das Podium und begannen miteinander wie auch mit den anwesenden Männern in den Dialog über Fragen der gleichberechtigteren Partizipation von Frauen, Männern und Transpersonen in den Kämpfen und Bewegungen der Geflüchteten zu diskutieren – ein sehr beeindruckender Moment sozialer Bewegung und politischer Auseinandersetzung, weit jenseits von Skandalisierung, Ausschlussforderungen und Eklat.

Dennoch gab es auch Konflikte, die keine schnelle Lösung erahnen lassen: Hierzu gehörte die notorisch ausweglos erscheinende Rechtlosigkeit der Lampedusa-Flüchtlinge sowie auch insgesamt die immensen strukturellen Ungleichheiten zwischen den Sans Papier – sehr oft aus dem subsaharischen Afrika – und den Flüchtlingen aus Syrien und Irak mit vergleichsweise guten Aussichten auf Asyl. Ein weiterer Konflikt ist jener um die Hierarchien und ungleichen Möglichkeiten der politischen Arbeit. Hier geriet insbesondere die Rolle der (nicht nur) deutschen oder weißen Organizer in die Kritik, die zwar außer Dienstleistungen auf der Konferenz selbst wenig in den Vordergrund traten, die aber im Vorfeld durch ihre Möglichkeiten und auch jahrelangen Praxis viel für die Refugee-Bewegungen möglich gemacht hatten. Zwar ging es auch in diesen Debatten um Benennungen und Problematisierungen, gleichwohl ohne Trennungen zu fordern und Spaltungen hervor zu bringen. So war die Konferenz zwar Ausdruck der Bedingungen gesellschaftlicher Ungleichheiten, zugleich aber eine gelungene Intervention, diese Ungleichheiten in Frage zu stellen, neue Bündnisse einzugehen und sich als gut organisierte Geflüchtete im Kampf um Würde und Rechte sichtbar zu machen.

Die beeindruckendste aller teilnehmenden Gruppen waren die bundesweit organisierten Deaf Refugees, die Gehörlosen. Ihnen gelang es, breit zu mobilisieren, sich zahlreich zu versammeln und ihre Agenda auf der Konferenz sichtbar zu machen bzw. die Konferenz selbst stark zu prägen und darin die klassischen Trennungslinien entlang von race, class und gender zu überwinden. Sie boten einen Ausblick darauf, was eine solidarische und entschlossene antirassistische migrantische Selbstorganisierung zu erreichen fähig ist: eine Vision für die Zukunft.

Moving Beyond Welcoming - english version

International Conference of Refugees and Migrants at Kampnagel theatre in Hamburg discusses challenges of self-organization and solidarity

Text by Massimo Perinelli and Stefanie Kron

On the last weekend of February 2016 (26 to 28 February), more than 1,500 people from different refugee homes and camps in Germany and other parts of Europe – including London, Calais, Lampedusa, Paris, Lesbos, and Thessaloniki – participated in the three-day International Conference of Refugees and Migrants. The well-organized event was one of the largest European refugee conferences to date.

Thanks to the support of individuals, supporter collectives, varying foundations (including the Rosa Luxemburg Foundation), and a successful crowd funding campaign, travel costs, accommodation, drinks and food could be covered for all participants. A shuttle service from the train station to Kampnagel and professional childcare were also available. The Bla collective translated all events into seven different languages and international sign language. Refugees were also provided with legal assistance to avoid possible problems on the way to Hamburg, for example regarding the German residence requirement (Residenzpflicht) and racial profiling. In addition, a student-run Refugee Law Clinic also offered legal assistance for refugees.

The comprehensive three-day program was largely organized by the participating groups, organizations, and refugee activists themselves, who also presented most of the panel discussions, workshops, concerts, and film screenings. Only a few outside moderators and speakers were invited, for example German anti-racist asylum lawyers and representatives of Watch-the-Med, a transnational network of groups, organizations, and individuals, both migrants and supporters, operating an emergency monitoring and alarm system for refugees in distress at sea.

A total of five large panel discussions, attended by up to 500 participants, addressed current issues such as migration control policies and border management, struggles at Europe’s external borders, the tightening of German asylum legislation, and self-organization and solidarity.

Approximately 30 smaller workshops dealt with, for example, the history of refugee movements, violence and sexism against women refugees, urban struggles of undocumented migrants, refugees’ relationship to supporter structures, alternative media, etc. These workshops attracted numerous participants eager to share their experience, discuss problems and challenges, and develop strategies for political action. Many workshops focused on how to fight racist exclusion mechanisms or on keeping migration routes open for future refugees. Workshops also aimed to forge broad alliances between, for example, established immigrant communities and refugees who have just arrived – two groups that in large part still act independently from one another.

Activities began on Friday night with a panel discussing the struggles and networks of the Lampedusa group in Hamburg. This initiative was formed by refugees, most of whom came to Germany from sub-Saharan Africa through Libya and Lampedusa. They have been actively engaged in refugee protests since 2012. In general, most participants came from sub-Saharan Africa and live in Europe today. In addition to the Hamburg Lampedusa group, a large number of activists from the Coalitión International des Sans Papiers et des Migrants (CISPM) also attended. The CISPM organizes and connects migrant groups from sub-Saharan Africa in Italy, France, and Germany; for example the initiative Voix des migrants in Berlin.

Other activists from North Africa, Afghanistan, and Syria, as well as numerous Roma followed the call for participation, talked at panel meetings or workshops, and/or organized events independently. Finally, conference attendants included representatives of refugee movements from the 2000s – such as The Voice or the Karawane – and many other immigrants, some of whom have already lived in Germany for two or three generations. They talked about their fight against racism and shared their long-standing experience.

The idea of providing a space for open discussion, exchange, and networking between refugees and immigrants with different histories, political backgrounds, legal statuses, and social situations seems to have been successful. The atmosphere at the conference reflected anger and determination, but also a feeling of optimism and excitement. The emphasis was on the need for cooperation and promoting a spirit of solidarity rather than highlighting differences and distancing oneself from other positions.

This became particularly clear on Saturday afternoon. Since the large panel discussions were dominated by male representatives of large refugee networks such as Lampedusa in Hamburg and CISPM, approximately 150 women and transpeople took over the large stage, including activists from Women in Exile, Gismi Milki, and CISPM. They interrupted a well-attended panel discussion on self-organization and solidarity, and demanded equal representation of men and women within refugee movements as well as a stronger awareness of their specific situation – for example in relation to sexual violence. The women and transpeople took possession of the panel and engaged with one another and with the men in attendance in a dialogue on the equal participation of women, men and transpersons within refugee struggles and movements. This was a deeply impressive moment of social activism and political debate, and a far cry from creating a scandal, demanding exclusion or causing an uproar

Some conflicts, however, did not allow for a quick solution. For example the continued lack of rights for Lampedusa refugees or the immense structural inequalities between the Sans Papier – often from sub-Saharan Africa – and refugees from Syria and Iraq, who in general have better chances of winning asylum. Another conflict addressed at the conference was hierarchies within the movement and unequal opportunities to engage in political work. Criticism was mainly aimed at the role of the organizers, most of whom were German and/or white. While they limited themselves during the conference itself to providing basic services, they had opened many avenues for the refugee movement in the run-up to the conference, drawing on their options for action and their many years of experience. These debates too identified and addressed various issues and always tried to avoid creating dividing lines. Thus while the conference reflected conditions marked by social inequality, it also exemplified successful intervention to address these inequalities, form new alliances, and raise awareness for the situation of refugees and their well-organized struggle for dignity and rights.

The nationwide deaf refugees network was the most impressive group. They were able to mobilize a large number of people to present their agenda at the conference. The weekend was strongly influenced by their ideas, which helped to overcome classical dividing lines along race, class, and gender. They provided an idea of what a determined, anti-racist organization of migrants based on solidarity can achieve: a vision for the future.

 Moving Beyond Welcoming - version française

Les mouvements européens de réfugié·es ont discuté des défis que posent l’auto-organisation et la solidarité lors d’une conférence internationale au Kampnagel à Hambourg

Massimo Perinelli et Stefanie Kron

Du 26 au 28 février dernier, plus de 1 500 personnes résidant dans différents foyers, camps officiels et inofficiels en Allemagne et dans d’autres pays européens (entre autres à Londres, Calais, Lampedusa, Paris, Lesbos et Thessalonique) se sont réunies à Hambourg afin de participer aux trois journées de la « Conférence internationale des réfugié·es et des migrant·es ». Cet événement extrêmement bien organisé a constitué l’un des plus grands rassemblements du mouvement des réfugié·es en Europe.

Grâce au soutien de particuliers, de structures solidaires collectives et de subventions accordées par plusieurs fondations (notamment par la Rosa-Luxemburg-Stiftung) ainsi que grâce à une campagne de financement participatif menée avec succès, l’ensemble des participant·es a pu être logé et nourri et tous les frais de déplacement ont été pris en charge. Un service de navettes entre la gare centrale et Kampnagel ainsi qu’une garderie professionnelle pour enfants ont également été mis en place. Le collectif Bla a, quant à lui, rendu possible la traduction de l’ensemble des ateliers en huit langues, notamment en langue des signes internationale. Enfin, un service juridique s’est occupé des problèmes auxquels les réfugié·es militant·es pouvaient faire face pendant leur trajet vers Hambourg ou encore des questions liées à la Residenzpflicht (interdiction pour les demandeur·euses d’asile de quitter un certain territoire) ou des contrôles racistes menés par la police. Enfin, la Refugee Law Clinic mise en place par des étudiant·es offrait un service de conseil juridique concernant tout type de question.

Le programme chargé des trois journées a été, en grande majorité, conçu et orchestré par les groupes, organisations et militant·es issu·es du mouvement des réfugié·es : tables rondes, ateliers, concerts et projections de film. Seule une poignée de militant·es antiracistes originaires d’Allemagne ont participé à la conférence en tant qu’animateur·trices de débat ou intervenant·es, notamment des juristes spécialisé·es sur les questions d’asile ainsi que des membres de Watch-The-Med, un réseau transnational rassemblant des groupes de migrant·es et de non-migrant·es travaillant sur les questions de migration et proposant une ligne d’appel d’urgence pour les réfugié·es en détresse en mer.

Cinq grandes tables rondes auxquelles ont assisté jusqu’à 500 personnes ont traité des problématiques actuelles : politiques de lutte contre la migration et de protection des frontières, luttes des migrant·es aux frontières extérieures de l’Union européenne, durcissement de la législation sur l’asile en Allemagne, auto-organisation et solidarité.

La trentaine d’ateliers de plus petite taille ont également joué un grand rôle pour la majorité des participant·es. Ces ateliers ont abordé l’histoire des mouvements de réfugié·es, la violence et le sexisme à l’encontre des femmes réfugiées, les luttes urbaines des sans-papiers, le rapport avec les structures de soutien, les médias alternatifs, etc. Dans le cadre de ces ateliers, les participant·es ont pu partager leurs expériences, échanger directement sur les problèmes et défis auxquels iels sont confronté·es et tenter de développer des stratégies d’action politique. Les discussions ont porté dans de nombreux ateliers sur comment organiser sa vie en dépit des mécanismes racistes d’exclusion et comment empêcher la fermeture des routes migratoires pour les futur·es arrivant·es. Les ateliers ont également été l’occasion de tenter de créer des alliances plus vastes permettant de réunir les différentes communautés de migrant·es déjà bien établies en Allemagne – qui jusqu’à présent mènent peu d’actions communes – et les réfugié·es qui viennent d’arriver.

La conférence s’est ouverte le vendredi soir par un débat sur les luttes et les réseaux du groupe « Lampedusa in Hamburg », qui a participé notamment aux campagnes de protestation organisées par les réfugié·es en 2012. Ce groupe est composé de réfugié·es venant pour la plupart d’Afrique subsaharienne qui sont arrivé·es en Allemagne en passant par la Lybie et l’île de Lampedusa. À l’image de ce groupe, la majorité des personnes ayant participé à la conférence sont originaires d’Afrique subsaharienne et vivent aujourd’hui en Europe. Les activistes de la Coalition internationale des sans-papiers et des migrants (CISPM) ont également été très présent·es. La CISPM est un réseau de groupes de migrant·es issu·es pour la plupart d’Afrique subsaharienne et vivant aujourd’hui en Italie, en France et en Allemagne. L’initiative berlinoise « Voix des migrants » en fait partie.

Des activistes originaires notamment du Maghreb, d’Afghanistan, de Syrie ainsi que de nombreux·euses Rroms étaient présent·es, soit comme participant·es soit comme organisateur·trices de débats et d’ateliers. Des représentant·es des luttes des réfugié·es des années 2000 (par exemple, des membres de « The Voice » et de la « Karawane ») ont également participé à la conférence, ainsi que de nombreux migrant·es de la deuxième et de la troisième génération vivant en Allemagne. Ces dernièr·es ont évoqué leur engagement contre le racisme et ont partagé les expériences accumulées au cours de nombreuses années de lutte.

L’idée de départ semble donc avoir fonctionné : créer un forum de débats, d’échanges et de mise en réseau pour des réfugié·es et migrant·es aux biographies, aux convictions politiques et aux situations juridiques et sociales multiples. Une détermination empreinte de colère mais également un sentiment de vivre un moment important ont marqué l’ambiance de ce week-end. L’accent a été davantage mis sur la nécessité de collaborer et de créer des structures solidaires que sur les divergences et les scissions entre les groupes.

Cette posture s’est ressentie fortement le samedi après-midi. Les grands débats ayant été dominés par des membres masculins des grands réseaux de réfugié·es tels que « Lampedusa in Hamburg » et la CISPM, environ 150 femmes et personnes trans’, notamment des activistes de Women in Exile, de Gismi Milki et de la CISPM, se sont emparé·es de la grande scène pour interrompre la table-ronde sur l’auto-organisation et la solidarité auquel participait un public nombreux. Ces activistes ont revendiqué une représentation plus égalitaire au sein du mouvement des réfugié·es ainsi qu’une plus grande visibilité de leur expérience spécifique au sein des luttes communes, par exemple de la question des violences sexuelles. Après s’être emparé·es de la scène, iels ont commencé à discuter non seulement entre elleux mais également avec les hommes présents de la manière dont femmes, hommes et personnes trans’ peuvent participer de manière égalitaire aux luttes et aux mouvements des réfugié·es. Ce fut un exemple impressionnant d’engagement social et de débat politique, bien loin du scandale et des appels à l’exclusion.

Malgré tout, des conflits ont émergé qui mettront sans doute du temps à se régler. Notamment la question qui se pose depuis longtemps de la situation irrégulière des réfugié·es de Lampedusa, qui semble toujours sans issue. Ont également été abordées les énormes inégalités structurelles existant entre les sans-papiers – venu·es pour la plupart d’Afrique subsaharienne – et les réfugié·es syrien·nes et irakien·nes dont les chances d’obtenir l’asile sont relativement bonnes. Un autre conflit s’est manifesté autour des hiérarchies, des différences concernant l’accès aux ressources et de ce que cela signifie pour les possibilités d’engagement politique. Ainsi, le rôle joué par les Allemand·es et les blanc·hes ayant participé à l’organisation de la conférence a été critiqué. Même si celleux-ci ont été peu visibles lors de la conférence elle-même ou n’y ont tenu qu’un rôle logistique, iels ont largement contribué aux mouvements des réfugié·es grâce à leurs ressources et leurs nombreuses années d’expérience. Ces débats ont notamment tourné autour des questions de dénomination et ont mis l’accent sur différents problèmes, sans pour autant réclamer ni provoquer de scissions. La conférence a donc souligné les inégalités sociales existantes tout en permettant de les problématiser. Elle a également permis de créer de nouvelles alliances et de porter les revendications d’un mouvement des réfugié·es bien organisé et militant pour la dignité et l’accès au droit.

Les Deaf Refugees, réseau fédéral de réfugié·es sourd·es et malentendant·es, ont également fait une forte impression. Iels ont réussi à mettre en place une vaste mobilisation en réunissant à la conférence un grand nombre de personnes, ce qui a contribué non seulement à visibiliser leurs revendications mais a aussi marqué fortement la conférence dans son ensemble. Leur présence et leur engagement ont notamment permis de dépasser les fossés habituels creusés autour des catégories de la race, de la classe et du genre. Ce groupe a montré ce dont est capable un mouvement migrant antiraciste auto-organisé solidaire et déterminé, à savoir : créer une vision d’avenir.



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