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Publikation

Zeitschrift «Utopie Kreativ» (Archiv)
Autor/Innen: Bärbel Schindler-Saefkow
Erschienen: Mai 2000

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Siemens & Halske im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück

Utopie Kreativ Heft 115-116 Mai-Juni 2000

UTOPIE kreativ, H. 115/116

(Mai/Juni 2000),

S. 512-519

Vorbemerkung

In der Diskussion über NS-Zwangsarbeit und deren Entschädigung gehört der Name Siemens zu den besonders häufig genannten. Gegen Siemens hatten ehemalige Häftlinge von Ravensbrück einen Prozeß mit dem Ziel einer Entschädigung angestrebt, der aber wegen Verjährung abgewiesen worden war. Als sich jetzt die öffentliche Diskussion verstärkte, ernsthafte Schritte zur Bildung einer deutschen Stiftung für einen Entschädigungsfonds in Angriff genommen wurden, gehörte die Firma Siemens zu den ersten, die ihre Bereitschaft zum Beitritt dort signalisierte und gleichzeitig selbst einen sogenannten humanitären Hilfsfonds schuf, durch den ein Teil der ehemaligen Häftlinge bereits Auszahlungen erhielt.

Die Aktivitäten von Siemens in Ravensbrück und die Erinnerungen ehemaliger Häftlinge daran sind hier deshalb von konkretem Interesse.1 Die Produktionsanlagen ließ Siemens in der zweiten Hälfte des Jahres 1942 auf dem Gelände des KZ Ravensbrück auf einem südlich der Lagermauer liegenden Areal einrichten, natürlich begrenzt durch den Schwedtsee, die Havel und ein ausgedehntes Forstgebiet, in dem das Jugend-KZ Uckermark lag. Dokumentiert ist der Beginn des Lageraufbaus und der Einarbeitung ausgesuchter Gefangener für Anfang Juni 1942. Seit dem 21. August 1942 wurden täglich 20 bis 30, im September und Oktober 70 bis 80 und seit Ende November 1942 bis März 1943 bereits 270 bis 290 gefangene Frauen zur Arbeit bei Siemens eingeteilt.2

Im November 1940 hatte Siemens bereits den Einsatz von jüdischen Zwangsarbeiterinnen aus Frankfurt/Main in Berliner Betrieben vorbereitet. Hunderte waren in Lagern, Gemeinschaftsunterkünften, die die Reichsvereinigung der Juden zu führen hatte, untergebracht. Seit Dezember 1940 waren wenigstens 3 500 jüdische Zwangsarbeiter in Berliner Siemens-Betrieben beschäftigt. Siemens war u.a. seit 1941 bei der Ausbeutung jüdischer Gefangener in Ghettos und Konzentrationslagern im Distrikt Krakau dabei, bediente sich bei der Ausbeutung der Kupferminen im jugoslawischen Bor seit 1942 der Zwangsarbeit ungarischer Juden, dehnte die Fertigung mit KZ-Außenkommandos in KZ-nahen Verlagerungsbetrieben im Jahr 1943 auf Buchenwald und Flossenbürg aus und trat bereits Anfang Juli 1943 mit dem Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA) in Verhandlungen über die Errichtung eines Nebenlagers bei Auschwitz, die mit dem Grundstückskauf noch im November 1943 zum Abschluß kamen. Über KZ-Kommandos verfügte Siemens seit 1943 am Werksstandort Berlin und für das letzte Kriegsjahr 1944/45 sind Produktionsstätten in den Konzentrationslagern Ravensbrück, Buchenwald und Groß-Rosen, in den Bereichen von Konzentrationslagern, deren Außenkommandos in Auschwitz, Buchenwald, Flossenbürg und Groß-Rosen geführt wurden, sowie KZ-Kommandos bei den Siemens-Werken in Berlin, Nürnberg, Neustadt/Coburg und Wien nachgewiesen, mit einer Belegstärke von mehr als 10 000 Gefangenen. An Verlagerungsbauten war Siemens im letzten Kriegsjahr mit Kontingenten von wenigstens 5 000 KZ-Häftlingen und aus Ungarn deportierten Juden beteiligt. Siemens beschäftigte gegen Ende des Jahres 1944 vermutlich mehr als 190 000 Deutsche, 45 000 ausländische Zwangsarbeiter, 4 600 Kriegsgefangene und 15 200 KZ-Häftlinge und deportierte Juden, deren Anteil an der Gesamtbelegschaft bei etwa sechs Prozent gelegen haben wird.3

Die Produktionsergebnisse der Fertigungsstelle Ravensbrück müssen für Siemens so zufriedenstellend gewesen sein, daß weitere Fertigungen nach Ravensbrück verlegt oder Ausweichbetriebe geschaffen wurden. Auf dem Siemens-Gelände in Ravensbrück entstanden immer mehr Werkhallen, auch im benachbarten Jugend-KZ Uckermark wurde in zwei Baracken für Siemens produziert. Die Zahl der Gefangenen in der täglich zusammengestellten Siemens-Kolonne wurde von unter 300 zu Beginn des Jahres auf 450 seit April und mehr als 600 Ende Juli 1943 gesteigert. Neben der laufend erweiterten Produktion der Wernerwerke für Fernsprechgeräte beschäftigten seit März 1943 auch die Wernerwerke für Radiotechnik und Bauelemente Ravensbrücker KZ-Arbeiterinnen. Nach Schätzung überlebender Frauen verdoppelte sich die Zahl der für Siemens täglich Verfügbaren zwischen September und Anfang Dezember 1944 von 1 500 auf 3 000 Frauen und Mädchen.

Die »Fertigungsstelle Ravensbrück« beschreibt in dem nachstehenden Zeugenbericht die Wiener Tschechin Anna Vavak in einem wenig bekannten Bericht. Sie war im Arbeitsbüro von Siemens eingesetzt und hatte dort Einblick in wichtige Vorgänge. Dieser Bericht ist nicht genau datiert. Er wurde wahrscheinlich als zeugenschaftliche Aussage für einen der Ravensbrückprozesse Ende der vierziger Jahre angefertigt. Gleichlautend kam dieser in die Archive der Ravensbrückforschung bei der Mahn- und Gedenkstätte und auch zu Wanda Kiedrzy´nska nach Warschau. Nach dem Tode der Zeugin übergab der Ehemann dieses Schriftstück auch dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes in Wien.

Anna Vavak war am 4. März 1913 geboren worden und gehörte zur kommunistischen Widerstandgruppe der Wiener Tschechen. Mit 13 Frauen war sie in Wien gemeinsam verhaftet worden und ohne Gerichtsurteil dann über das Gefängnis Pankrac in Prag, ein Arbeitshaus in Leipzig und das Polizeipräsidium am Alexanderplatz in Berlin nach Ravensbrück gebracht worden. Die Frauen waren über 2 Wochen unterwegs und bildeten dann in Berlin eine Gruppe von 50 Frauen verschiedener Nationalitäten, die am 2. Oktober 1942 in Ravensbrück ankamen. Anna Vavak erhielt die Ravensbrücknummer 14 179. Nach den Erzählungen ihrer Ravensbrücker Kameradin Irma Trksak war sie von Beruf Verkäuferin, hübsch und intelligent und außerordentlich liebenswürdig und charmant. Frauen vieler Nationalitäten betrachteten sie als ihre Landsmännin. Sie wurde sehr schnell als sogenannter 1. Anweisungshäftling im Siemensbüro eingesetzt. Nach dem Krieg heiratete sie Hans Marsalek, der aus Mauthausen zurückgekehrt war. Sie starb schwer krank in Wien am 18. November 1959.

Zeugenschaftlicher Bericht

Anna Vavak: Siemens & Halske AG im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück4

In den Bereich der Lagerbetriebe fällt auch der Betrieb Siemens & Halske AG, der nach den Dachauer Betrieben der größte Betrieb im Lager war. Dieser Betrieb befand sich außerhalb des Lagers und wurde von Zivilpersonen geleitet.

Im Herbst 1942, als ich in das Lager kam, wurden die ersten Häftlinge für dieses Kommando ausgesucht. Da jeder Häftling zu irgend einer Arbeit eingesetzt wurde, war mein Bestreben, in diesen Betrieb zu kommen. Ich wollte unbedingt mit den Zivilisten in Kontakt treten, um ihnen das Lagerleben zu schildern, das auf mich einen entsetzlichen Eindruck gemacht hat. Die ersten Tage im Lager waren für mich so voll Schrecken und Verzweiflung und ich wollte alles den deutschen Arbeitern mitteilen und sie dazu bewegen, es weiter zu erzählen, um den Unwissenden zu zeigen, wie man in Deutschland lebt. Leider war ich ein Optimist und habe mir zu viel erhofft. Die baldige Zukunft belehrte mich eines Besseren.

Das Zivilpersonal, das hierher versetzt wurde, waren politisch unaufgeklärte Menschen oder Mitglieder der NSDAP – also viel Sympathie für Häftlinge war nicht zu erwarten. Jeder Zivilarbeiter, der in den Lagerbereich Zutritt hatte, wurde erst in der Kommandantur über das Verhalten den Häftlingen gegenüber aufgeklärt. Aus ihrem Benehmen konnten wir uns schon vorstellen, in welchem Sinne diese Aufklärung war. Später kam mir ein Formular von dieser Vorschrift in die Hände und ich ballte über den Inhalt die Fäuste. Gleichzeitig kam es mir lächerlich, furchtbar niedrig, typisch faschistisch vor. Mein Gefühl sagte mir; wie hoch stehen die politischen Häftlinge über diesem Gesindel.

Am 21.August 1942 hat der Betrieb WWFG (Wernerwerk für Fernsprechgeräte) mit 20 Häftlingen zu arbeiten begonnen. In einer mit Draht eingezäunten Baracke wurden sie mit Justierarbeiten beschäftigt. Zum Großteil waren es Deutsche mit schwarzem Winkel (Asoziale). Es wurde eine Prüfung abgelegt. Diese bestand:

1. Feststellung der Sehschärfe, da die meisten Arbeiten ein gutes Augenlicht erforderten.

2. Eine Probe der Handgeschicklichkeit und des Formsinnes.

Für den Aufbau des Betriebes nahm man anfangs nur gute Arbeitskräfte. Wir hatten fast die beste Arbeitszeit von allen Betrieben – 48 Stunden – später 12 Stunden pro Tag eventuell Nachtarbeit oder Sonntagsarbeit. Ich wurde als Schreibkraft aufgenommen.

Zu dieser Zeit hatte das Kommando Aufseherin Ehlert, die zu uns sehr nett war. Es war uns immer sehr wohl, wenn man das Lagertor hinter uns geschlossen hat. Diese Aufseherin wurde dann wegen zu guten Umgangs mit Häftlingen in ein anderes Lager versetzt.

Im nächsten Monat hatten wir schon 71 Häftlinge und bis Dezember 1942 war der Sollstand 508 Häftlinge, davon 51 Prozent Ausländer, getrennt in 25 Nationalitäten. Zuerst wollte man nur deutsche Arbeitskräfte einstellen, aber die Praxis zeigte, daß die Ausländer viel geschickter waren und die Verständigungsschwierigkeiten hat man durch Dolmetscher behoben.

Die Zivilarbeiter, die anfangs sehr schroff und abweisend waren, haben sich mit den Häftlingen etwas befreundet. Sie waren sehr neugierig und wollten von uns etwas hören, aber gleichzeitig feige und mißtrauisch und hatten Angst vor den Konsequenzen. In den wenigsten Fällen wollten sie das Erzählte glauben, hielten es für erlogen, denn laut Weisungen der Kommandantur hatten sie mit Verbrechern zu tun. Es gab aber doch Fälle, wo der persönliche Einfluß so weit reichte, daß der Zivilarbeiter dem Häftling Briefe nach Hause beförderte. Meistens vertrauten sie den Deutschen.

Zu dieser Zeit machte ich schon die Aufnahmeprüfungen und hatte Einfluß auf die Besetzung der Arbeitsplätze. Für politische Häftlinge erforderte es eine Überwindung, in einem Rüstungsbetrieb zu arbeiten. Es gab oft Fälle, ich erinnere mich z.B. an eine jugoslawische Rechtsanwältin, die mich während der Aufnahme leise fragte, ob sie nicht Toiletten reinigen könnte, um nicht für die Kriegsindustrie zu arbeiten.

Als erste Schreibkraft in jeder Halle wurde ein politisch aufgewecktes Mädel eingesetzt, das die Interessen der Häftlinge der Werkstatt vertreten sollte, was oft sehr schwierig war. Speziell in Halle 2, Herrn Lombacher, ein Nazi und Sadist, der mit Befriedigung die Aufseherinnen zur Bestrafung der Häftlinge aufrief. Am liebsten hätte er selbst geschlagen. Alle Beschwerden oder Wünsche konzentrierten sich bei uns im Betriebsbüro, wo ich alle unsere Schmerzen dem Chef vorbrachte. Da er auf die Zusammenarbeit der Häftlinge Wert legte, versuchte er immer das Verhältnis zwischen den Häftlingen und Zivilarbeitern zu regeln. In den meisten Fällen war er auf die Zusammenarbeit der Häftlinge angewiesen, denn diese waren intelligenter als die Zivilisten.

Unser brennender Wunsch war, jemanden zu finden, der uns Radio- und Zeitungsnachrichten übermittelte. Dies ist uns auch gelungen. Zwei oder drei Arbeiter meldeten uns täglich die Tagesneuigkeiten des Auslandssenders, so weit sie diese selbst kannten. Und wir hatten wieder einen moralischen Rückhalt. Vom Betriebsbüro aus wurden alle verläßlichen Stellen im Betrieb und im Lager in Kenntnis gesetzt.

Die Zahl der Aufseherinnen war immer größer. Es kamen viele zum Anlernen, oft hatten wir 30 bis 35. Es war mit ihnen ein schreckliches Martyrium, denn sie hatten arbeitsmäßig nichts zu sagen, wir arbeiteten selbständig. Diese Selbständigkeit rief bei ihnen Minderwertigkeitskomplexe hervor, und um zu zeigen, daß sie doch mehr sind als wir, quälten sie uns, wie es nur ging. Unterwegs durften wir nichts sprechen, es hieß ununterbrochen: »Hände runter, Schnabel halten, Maul halten, Idioten, freche Miststücke, Schmuckstücke usw.« Ewige Kontrollen, Meldungen, das waren ihre Arbeiten … Es waren häufige Kontrollen im Betrieb und im Lager.

Die Pläne der Firma waren sehr groß, man arbeitete mit Hochdruck am Aufstellen der Baracken. Das WWFG-Werk hatte 6 Baracken, das WWR (Radio) 5 Baracken und das WWM (Meßgeräte) 5 Werkstätten. Insgesamt waren wir schon 2000 Häftlinge.

Die Verhältnisse im Lager wurde immer schlechter, alles war überfüllt. Als Anweisungshäftling mußte ich mich um Kleider, Schuhzeug usw. kümmern. Es war aber fast ausgeschlossen, die Leute anzuziehen. Die Verwaltung schickte alles an die Außenkommandos oder für Transporte und für uns blieb nur ganz wenig. Es blühte das Tauschgeschäft, das Organisieren: ein Paar Strümpfe, 3 Kanten Brot, 1 Kleid waschen, 1 Brot, 1 Marmelade und 1 Margarine. Es gab eine Aristokratie und ein Proletariat. Es war ein Jammer, die Häftlinge bei Regenwetter anzusehen. Das einzige Kleidungsstück durchnäßt, Pantinen – nur ein kleines Brett – an die Füße gebunden oder barfuß. So mußten wir in der früh 1 bis 2 Stunden Appell stehen und dann zur Arbeitsformierung antreten. Natürlich kamen wir zu Siemens ganz erfroren und die meisten sollten mit den steifen Fingern ein Pensum schaffen. Den Magen immer leer, den Kopf schläfrig …

Die Leute wurden bockig und ließen in der Arbeit nach. Die Leistung wurde an den Anlernkarten kontrolliert und mit Dauer der Haft immer kleiner. Bei manchen war der Abstieg so markant, daß sie abgeschaltet werden mußten. Die Aufseherinnen wurden oft zum »Nachhelfen« geholt, es nützte aber nichts. Dies war die Zeit der meisten Sabotagen, manche waren sehr naiv durchgeführt und eine Strafe – Bunker oder Strafblock – war vorauszusehen. Das schreckte alles nicht ab, wir waren alle schon ganz gleichgültig. Täglich hörte man von Erschießungen und Transporten in die Gaskammer. Auch wir haben einen sehr wertvollen Menschen, eine österreichische Kommunistin, Mara Günzburg, durch Todesurteil verloren.

Die politische Situation änderte sich und damit auch die Stimmung der Zivilarbeiter und Aufseherinnen. Es folgten für sie des öfteren Appelle, um sie zu erinnern, daß wir Staatsfeinde und Verbrecher sind. Sie wichen jeder politischen Unterhaltung aus, haßten uns mehr als früher. Dies beruhte auf Gegenseitigkeit. Sie mißtrauten uns und befreundeten sich mit den Aufseherinnen.

Die Mittagspause von einer Stunde war für uns zu kurz. Das Antreten und Zählen … erforderte viel Zeit, noch dazu, wenn die Aufseherinnen nicht bis hundert zählen konnten. Kaum kamen wir in das Lager, auf den Block, schon ging die Sirene zum Antreten. Auf den entlegenen Blocks war noch kein Essen, denn es gab zu wenig Kessel im Lager, und die Leute mußten, ohne etwas zu sich zu nehmen, wieder zur Arbeit antreten. Unser Mittagessen war eine Steckrübensuppe, die hauptsächlich aus Wasser und 2 bis 3 Kartoffeln bestand. Als sich die Leute weigerten anzutreten, wurden sie … mit Hunden aus den Blocks herausgehetzt und bis auf den Lagerplatz verfolgt. Es war ein ewiges Jagen, Hetzen, überall ein aufregendes Geschrei und Schimpfen auf das Siemenskommando. Das ganze Lagersystem war aufgebaut auf einem sinnlosen Jagen und Verfolgen menschlicher Massen, um die, die nicht widerstandsfähig sind, zu vernichten. Weg mit den Schwachen, Alten, der tägliche Import waren Tausende junge Körper.

Unser Kommando bestand zum Großteil aus jungen bewußten Leuten, die sich gegen alle unsinnigen Vorschriften wehrten. Durch Murmeln und Rebellieren gaben sie es zum Ausdruck. Strafe stehen nach der Arbeit sollte uns zur Disziplin erziehen. Dies ist ihnen aber nicht gelungen. Zu bedauern waren nur die Kranken und Alten, die bei dem stundenlangen Stehen in Ohnmacht fielen. Andererseits sah man Gruppen von jungen Leuten, die sich unterhielten und aus Opposition Lieder sangen.

Jeden Tag abends war Revierstunde für die Betriebe. Als Revier wurde das Hospital bezeichnet. Der Anweisungshäftling mußte seine Patienten vorführen. Die häufigsten Krankheiten bei den Siemenshäflingen waren: Furunkulose. Durch Avitaminose bildeten sich große Furunkel auf den verschiedensten Körperteilen, Krätze – ebenfalls Erscheinung der Unterernährung –, Augenleiden von der anstrengenden Arbeit, Tuberkulose, Herzleiden und allgemeine Körperschwäche. Der Bauch- und Flecktyphus sowie Ruhrepidemien erforderten aus unserem Betrieb sehr viele Opfer. Ein großer Prozentsatz der jungen Mädels – speziell Französinnen und Russinnen – starben an Tuberkulose.

Alle wurden mit Aspirin behandelt. Nicht nach dem Krankheitsfall, sondern nach Laune der SS-Schwester wurden die Häftlinge in das Revier oder den Bettkartenblock aufgenommen. Die arbeitenden Häftlinge durften nicht erkranken. Hatte jemand lange die Arbeit versäumt, wurde er dem Arbeitseinsatz zur Verfügung gestellt, d.h. er wurde auf einen Fabriktransport geschickt unter noch schlimmeren Verhältnissen …

Durch die Evakuierung der Lager im Osten kamen immer mehr und mehr Zugänge in das Lager und es reichte in keiner Weise für solche Massen. Die Lagerleitung hatte Interesse, das Siemenskommando loszuwerden. Am 3. Dezember 1944 übersiedelten wir in ein kleines Lager westlich des Betriebes am Siemensgelände. Der damalige Stand war 2100 Personen. Dort begann für uns eine ruhigere Zeit. Die Appelle dauerten nur einige Minuten. Die Disziplin wurde gelockert, die Ernährung mit der Lagerküche unvergleichbar. In der Küche war eine Gruppe ehrlicher Tschechinnen, die zeigen wollten, wie das Essen aussehen konnte, wenn nicht gestohlen wird. Wir waren in jeder Hinsicht zufrieden.

Das Kommando übernahm SS-Hauptscharführer Grabow, ein junger, naiver, eitler Mensch, der unter gutem Einfluß für uns viel Gutes machen konnte. Leider hat ihn Aufseherin Holthöwer unterstützt, die die alten Lagermethoden einführen wollte. Sein Steckenpferd war: aus einem Sumpf hinter dem Lager Erde in Kisten auf eine Fläche in unser Lager zu tragen. Damit beschäftigte er uns in der Freizeit.

Wir machten größtenteils, was wir wollten und er bekam von der Lagerleitung des KZ oft den Kopf gewaschen. Aufseherin Holthöwer, die im Betrieb das Kommando hatte, führte indirekt auch das Lager. Sie war eine sehr raffinierte Gestapofrau und wollte sich mit keiner der zwei Seiten verfeinden. Wir durchschauten jedoch bald ihre Doppelrolle. Vor den politischen Häftlingen zeigte sie so etwas wie Respekt, aber in gleicher Minute ließ sie ihre Macht fühlen. Bis zum letzten Augenblick sagte sie immer: »Ich bleibe bei meinen Häftlingen«. Im kritischen Moment haben wir sie aber nicht gesehen. Sie hat die Lagerleitung in jeder Weise im Vorgehen gegen die Häftlinge unterstützt und wußte von allen Aktionen, die im Lager gemacht wurden. Sie war auch Mitarbeiterin das Herrn Ramdohr und des Kommandanten in den Strafhandlungen gegen die Häftlinge. Ich hoffe, daß sie den richtigen Dank dafür auch ernten wird.

In diesem Lager hatten wir ein bißchen mehr Freizeit und konnten uns auf kulturellem Gebiet betätigen. Nationenweise und international fanden Gesangs- oder Tanzvorführungen, Rezitationen usw. statt. Wir hatten internationale Größen der Künstlerwelt.

Durch zahnärztliche Behandlungen im Revier waren wir täglich mit dem alten Lager in Verbindung. Wir hatten auch ein eigenes Revier und eine Stube für Bettlägerige. Als Ärztin war Mila Janu vorgesehen, die aber zum größten Bedauern von uns allen nach einigen Tagen bei uns an Typhus starb. Als Ersatz wurde uns Dr. Kurt zugewiesen. Diese Frau, ohne Gefühl und Herz, hat viel Böses unseren Kranken angetan. Sie war gleichgültig und faul. Eine SS-Ärztin könnte nicht gröber und herzloser sein als sie. Nach der Befreiung durch die Rote Armee wurde sie vom Kommandanten der Stadt Fürstenberg mit einem Strafkommando weggeschickt. Medikamente bekamen wir fast keine, nur was wir uns links organisierten.

Als Block- und Stubenälteste schickte uns das KZ Frauen, die ihnen unbequem waren, weil sie Spitzel des Kommandanten waren. Die Namen Villevers und Skene wurden in der kurzen Geschichte des Siemenslagers schwarz eingeschrieben. Diese Frauen mißhandelten, quälten ihre Mithäftlinge. Durch Intrigen und Spitzelei machten sie ihnen das Leben zur Hölle.

Die Zeit rückte näher, wo die Frage des Evakuierens akut wurde. Wir warteten täglich, daß man uns – wie schon einen Großteil des Lagers – in ein westlich gelegenes Lager transportieren wird. Unser Chef versprach uns, soweit er Einfluß haben wird, werden wir als letzte das Lager verlassen.

Es kam nun der kritische Moment, wo die Zukunft schon klar ersichtlich war. Es stand die Frage, wie werden sich die Zivilarbeiter bei Siemens benehmen und wie werden sie auf dies alles reagieren? Wir hatten mit ihnen viele Diskussionen über das Kriegsende, über die Frage des Evakuierens, über Flüchten usw.

Die meisten, mit denen wir sprachen, zeigten sich als Gegner dieses Regimes. Ich war neugierig, auf welche Art sie dieses Problem lösen werden. Wie ich schon anfangs erwähnte, war ich enttäuscht. Sie handelten nicht als Gegner dieses Terrorregimes, sondern für sie war der wichtige Punkt, daß sie Deutsche sind und evakuierten unter Schutz der SS und Deckung durch die Häftlinge. Unsere Schulung ist mißlungen.

Den Überfluß an Häftlingen löste das faschistische Regime, indem die KZ-Lager eine bestimmte Anzahl Menschen durch den Kamin gehen ließen. Als diese Periode bei uns eintrat, war es ganz schrecklich. Anfangs nahm man Frauen aus den Krankenblocks. Wir sahen oft die Autos, wie man sie wegführte. Zum Großteil machte man es nachts. Als diese Todesangst über unser Lager fiel, gingen wir wie lebende Fragezeichen herum. »Wer wird jetzt drankommen?« war in den Augen aller zu lesen. Jeder, der nur halbwegs konnte, wich dem Revier aus. Die Revierstunden waren fast ohne Patienten.

Später … ließen einzelne Blocks antreten, suchten einmal grauhaarige, ein anderes Mal Frauen mit Krampfadern, Senkfüßen usw. aus und schickten sie in das Jugendlager. In diesem Lager waren früher tatsächlich deutsche jugendliche Mädels und nun war es für Frauen bestimmt, die dort unter Hunger, Kälte und langem Stehen ihr Leben rascher beenden sollten. Da die tägliche Zahl der Toten das vorgeschriebene Quantum nicht erreichte, gab man ihnen erst Pillen, später Injektionen und halb betäubt führte man sie in das Krematorium. Der Kamin des Krematoriums rauchte Tag und Nacht wie ein warnendes, um Hilfe rufendes Feuer.

Der Weg vom Krematorium zum Jugendlager führte an dem Siemenslager vorbei. Oft stand ich spät abends und zählte die Autos, die mit Menschen beladen, eines nach dem anderen, immer denselben Weg einschlugen. Tag und Nacht allein oder mit anderen Kameradinnen stellte man die Frage, was können wir dagegen tun? Durch die vielen apolitischen Elemente waren wir zersplittert, uneinig und auch sonst zu schwach. Wir erzählten es den Aufseherinnen, denen man diese Tatsachen verheimlichte und den Zivilarbeitern, denen die Haare vor Angst zu Berge stiegen.

Bei Siemens ging diese Aktion noch ganz gut vorbei. Es war unter uns die Parole, keine alten Frauen abschalten und keine Patienten in das Lagerrevier zu schicken. Da sie unten genug Material hatten und wir ein kriegswichtiger Betrieb waren, haben sie uns vorläufig verschont. Eines Tages um 23 Uhr, kam der Befehl, mit sämtlichen Sachen anzutreten. Wir dachten, jetzt ist der Moment des Evakuierens gekommen. Man führte uns aber in das KZ Lager zurück, denn unser Lager wurde von Männern aus Dora besetzt, die schon in Fürstenberg waren. Wir kamen wieder hinter Mauern und hinter Draht und lebten wieder im Schmutz und in Massen bis zum 28. April 1945, dem Tag unserer Evakuierung.

Das Siemenskommando rückte fast geschlossen aus dem Lager. Die SS-Männer jagten uns mit Gewehr und Hunden die Straße nach Malchow entlang. Ein Großteil wußte, daß wir sie bis Malchow nicht begleiten werden. Den nächsten Tag, physisch ganz erschöpft, am Rastplatz verschwand ich noch mit einer anderen Frau in einer Scheune, wo wir – im Stroh eingegraben – einschliefen. Es weckte uns ein starkes Bombardieren und ich dachte, daß meine Freiheit keine lange Dauer haben wird. Wir versteckten uns in den Wäldern und warteten auf die Rote Armee. Am nächsten Tag und in der Nacht waren noch schwere Artilleriebeschüsse und Luftkämpfe. Die Stadt Mirow wehrte sich sehr lange. Endlich kam der 1. Mai 1945. Ich wußte: dieser erste Mai bringt mir die ersehnte Freiheit. Das Panzerfeuer wurde stumm und man hörte das Rollen der Panzer der Stadt zu. Wir waren frei, wirklich frei! Wie herrlich!

Der Weg führte uns wieder zurück, durch einige Städtchen, bis wir nach Fürstenberg kamen. Welche Veränderung fand ich jedoch in Ravensbrück: Die SS-Häuser bewohnt von Häftlingen und das Lager bewacht von Rotarmisten.

So begann und endete der Betrieb Siemens & Halske im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück.

 

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Bärbel Schindler-Saefkow – Jg. 1943, Dr. phil., Historikerin, Leiterin des Projekts »Gedenkbuch Ravensbrück«.2

 

»Als ich im November 1942 zum ersten Mal die Baracke 2 des Siemens-Häftlingsbetriebes betrat, verschlug es mir den Atem. Im Lager Ravensbrück hatte ich erlebt, wie wir, etwa 18 Frauen, einen eisenbereiften Pferdewagen zogen und schoben, wie der Sinn unserer Arbeit nicht im Arbeitsergebnis, sondern im Quälen und Vernichten der Häftlinge bestand. Und nun so etwas, eine helle, gut eingerichtete und gut geheizte, blitzsaubere Fabrikhalle. Auch die Arbeitsplätze entsprachen dem damaligen Stand: verstellbare Arbeitsstühle mit Rücken- und Armstützen. Natürlich war der Komfort nicht den Häftlingen zuliebe geschaffen. Ohne diese Arbeitshilfen wären die Leistungen der Spulenwicklerinnen niedriger, die Ausschußquoten wesentlich höher gewesen. Bei zu niedriger Raumtemperatur waren die Drähte überhaupt nicht zu bearbeiten. Unabhängig von den Ursachen all dieses Komforts verzögerte er zunächst einmal unser Ende.«
Rita Sprengel: Der rote Faden. Lebenserinnerungen. Ostpreußen, Weimarer Republik, Ravensbrück, DDR, Die Wende, hg. von Sigrid Jacobeit. Mit einem Nachwort von Wolfgang Jacobeit, Berlin 1994, S. 213.

»In Ravensbrück konnten sich die Siemensleute unter Tausenden von Häftlingen die geeigneten Arbeitskräfte heraussuchen. Wo hatten sie jemals so eine Auswahl und ein solches Massenangebot gehabt? Meister Lombacher lernte ich auf der Lagerstraße kennen, wo er unsere Eignung überprüfte. Wir hatten mit Zangen dünnen Draht zu biegen. In anderen Fällen ließen die Siemensleute ganze Blocks antreten und die Hände vorstrecken. Dann gingen sie die Reihen entlang, betrachteten die Häftlinge, sie mußten jung und beweglich sein, und überprüften ihre Hände: Sie durften nicht zittern, ihre Haut mußte trocken und die Finger möglichst schlank sein.«

Rita Sprengel: Der rote Faden, S. 212 f.

»Es ist allerhand passiert, bei Siemens ... Wir gehen jetzt hier essen, in der hintersten Halle ... Zeiteinsparung! Die Herrschaften verkürzen uns alles, die Mittagspausen, den Schlaf, die Rationen, das Leben ... Neueste Neuigkeit: In Kürze ziehen wir um, vom Stammlager zu Siemens! Die Bretterbuden stehen schon ...«
Neon Beuzemaker: Briefe aus den Siemenshallen an Yvonne Useldinger im Krankenbau, hier von Ende Oktober 1944, eventuell auch aus den Tagen vor dem 7.11.1944, zitiert nach Christa Wagner: Geboren am See der Tränen (dokumentarische Erzählung zur Geschichte der Frauen im KZ Ravensbrück), Berlin 1987, S. 315f.

»Die Leitung des Arbeitseinsatzes des Frauen-KZ Ravensbrück erhielt laufend vom Büro des Siemens- Betriebes Schreiben, in denen Häftlinge namentlich aufgeführt wurden, die nicht zur Arbeit erschienen waren. Die Betreffenden wurden in den Arbeitseinsatz bestellt und vom SS- Oberscharführer Pflaum und SS-Scharführer Heckendorf vernommen, d. h. geschlagen, links und rechts, auf den Kopf, an die Wand gestoßen usw. Des weiteren kamen häufig Schreiben von Siemens über Häftlinge mit ganz ausführlichen Charakteristiken: faul, schläft dauernd ein, ungeschickt, gibt sich keine Mühe, frech, schmutzig usw. Diese Häftlinge bekamen dann eine Meldung und mußten zum Strafrapport zur Lagerleitung, die dann eine harte Strafe verhängte: Kostentzug, Strafestehen, Arrest, Strafblock usw.
Es war besonders der Siemensbetrieb, der jedem einzelnen Häftling genau nachspürte. Dieses genaue System – mit dem man über die Häftlinge wie über eine Ware verfügte – hat zu schweren Strafen und Mißhandlungen der Häftlinge geführt. War der Häftling dann oft längere Zeit krank, so schrieb man ihn bei Siemens überhaupt als arbeitsunfähig ab. Die Lagerleitung aber sah diese Meldung als Nichtarbeitenwollen und Faulheit des Häftlings an und wieder erwarteten ihn harte Strafen und ein besonders schweres Arbeitskommando. Die Unterschriften waren vom Betriebsleiter Grade, der die gesamte Leitung des Siemensbetriebes unter sich hatte und für das Geschehene verantwortlich ist.
Meine Kenntnis all dieser Dinge rührt von meiner Beschäftigung als Häftling im Arbeitseinsatz Ravensbrück her, dort war ich als Stenotypistin tätig. Wir im Arbeitseinsatz tätigen Häftlinge, soweit es uns die Kontrolle der SS-Leitung ermöglichte, haben diese Meldungen nicht durchgeführt.
Archiv der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Bestand Erika Buchmann, Bericht 913.

»Um die Häftlinge wirksam antreiben zu können, wurde für jeden Häftling eine fiktive Lohnabrechnung durchgeführt, d.h. die von ihm bearbeiteten Posten wurden ihm zu normalem Akkordlohn »gutgeschrieben«. Die Büro-Häftlinge hatten die Aufgabe, diese Abrechnungen durchzuführen und für jeden Häftling auf einer Karteikarte (Rückseite) auf Millimeterpapier graphisch die Durchschnittsverdienste der Woche einzutragen. Damit war auf den ersten Blick erkenntlich, ob die Häftlinge die normale Leistungssteigerung … Woche für Woche brachten.«
Ebenda, Bericht 565.

Margarete Buber-Neumann:
»Am Ende jeder Woche wurde der Lohn zusammenaddiert und die Arbeitsstunden aufgeschrieben, so daß man ersehen konnte, was jede Arbeiterin in soundsoviel Stunden verdiente, den sie nie erhielt, sondern der von der Firma Siemens pro Sklave an das Konzentrationslager abgeführt wurde. Durch dieses System war es sofort festzustellen, wenn ein Häftling sein Pensum, das ungefähr 40 Pfennig pro Stunde ausmachte, nicht erreichte … Meine Beschäftigung bei Siemens bestand vor allem im Briefwechsel des Herrn Grade mit der Konzentrationslagerleitung. An diesem zivilen Ingenieur war ein SS-Mann verloren gegangen. Er scheute nicht davor zurück, »arbeitsunwillige« Häftlinge bei der Aufseherin anzuzeigen und eine Meldung zu verlangen. Wenn er einen Häftling unbrauchbar fand, sparte er nicht mit abfälliger Charakterisierung. In seinen Schreiben an die KZ-Behörde. Für iIhn schien festzustehen, daß Häftlinge keine Menschenrechte zu beanspruchen haben. Wie ich erfuhr, waren die Haupttriebkräfte zu seinem Eifer der Wunsch, Karriere zu machen, und die Angst vor der Front. Solange er sich der Firma Siemens als unentbehrlich erwies, wurde er reklamiert.«
Margarete Buber-Neumann: Als Gefangene bei Stalin und Hitler, Frankf/Main Berlin 1993, S. 303f.

 

 

 

1 Vgl. Carola Sachse: Zwangsarbeit jüdischer und nichtjüdischer Frauen und Männer bei der Firma Siemens von 1940 bis 1945, in: Internationale Wissenschaftliche Korrespondenz, Heft 1/1991, S. 12-24; Karl-Heinz Roth: Zwangsarbeit im Siemens-Konzern (1938-1945). Fakten, Kontroversen, Probleme, in: Hermann Kaienburg (Hg.): Konzentrationslager und die deutschen Wirtschaft 1939-1945 (Sozialwissenschaftliche Studien, H. 34), Opladen 1996, S. 149-168; Wilfried Feldenkirchen: Siemens 1918-1945, München 1995; Ulrike Brandes, Claus Füllberg-Stolberg, Sylvia Kempe: Arbeit im KZ Ravensbrück, in: Frauen in Konzentrationslagern. Bergen-Belsen. Ravensbrück, Bremen 1994, S. 55-69; Ursula Krause-Schmitt: Der Weg zum Siemenslager führte am Krematorium vorbei, in: Informationen. Studienkreis Deutscher Widerstand, Frankfurt/Main, 18. Jg. , Nr. 37/38, Nov. 1993, S. 38-46; Sigrid Jacobeit: Arbeit bei Siemens in Ravensbrück, in: Dietrich Eichholz (Hrsg.): Krieg und Wirtschaft. Studien zur deutschen Wirtschaftsgeschichte 1939-1945, Berlin 1999.

2 Bundesarchiv Berlin, NS 19, Nr. 968, Mitteilung über die Errichtung der Baracken für die Firma Siemens & Halske, die geplante Fertigung, und den vorgesehenen Ausbau für 2.500 Häftlinge »nach direkten Besprechungen mit dieser Firma«: Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA), Oswald Pohl, geheim, an Reichsführer SS (RFSS), Heinrich Himmler, vom 20.10.1942.

3 Karl-Heinz Roth: Zwangsarbeit im Siemens-Konzern, mit einer tabellarischen Übersicht, S. 157. Vgl. auch Ursula Krause-Schmitt: »Der Weg zum Siemenslager führte am Krematorium vorbei vorbei.«, S. 36f., dort nach Angaben der Kataloge des Internationalen Suchdienstes Arolsen bzw. Martin Weinmann (Hg.): Das nationalsozialistische Lagersystem, Frankfurt/Main 1990, und Feldenkirchen: Siemens 1918-1945, S. 198-214 und insbesondere die zugeordneten Anmerkungen 91-187.

4 Das Dokument befindet sich u.a. im Nachlaß Wanda Kiedrzy´nska, in: Nationalbibliothek Polens, Warschau, Handschriftenabteilung, Sygn. akc 12013/1 und Archiv der Mahn- und Gedenkstätte RA I/6-7-139; vgl. auch: Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Eine Gesamtdarstellung, Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg, IV 409 ART-Z 39/59, April 1972, S. 129ff.