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Publikation

Online-Publikation
Autor/Innen: Julia Killet
Erschienen: April 2009

Literatur in der DDR und danach

„Der Stellenwert der Literatur hat sich in den letzten 20 Jahren verändert“ ist sich der Schriftsteller Christoph Hein sicher. Die frühere Bedeutung des jungen Grass oder Bölls sei heute durch Events und Medien abgelöst worden. Die Schriftsteller würden nicht mehr um Rat gefragt, sondern die Presse. Anlässlich des 20 jährigen Jahrestags der Wiedervereinigung und Christoph Heins 65. Geburtstages lud der Heine-Salon gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg Stiftung und dem Rosa Luxemburg Club Düsseldorf am Sonntag, 19. April, ins zakk zur Matinee ein. Dr. Hannes Krauss, Literaturwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum moderierte die Lesung und regte mit gezielten Fragen anschließen zur Diskussion an. Christoph Hein streifte mit deutlichen Worten mit rund 150 Zuhörern durch die Geschichte der DDR, redete über das Leben in Ostdeutschland, den Fall der Mauer und die Finanzkrise.

„In erfolgreichsten Jahren“, schmunzelt Hein, wurden seine Dramen, die er für die Berliner Volksbühne verfasste, fünfzehn Mal verboten. Die Stücke Cromwell (1978), Lassalle fragt Herrn Herbert nach Sonja (1982) und Die wahre Geschichte des Ah Q. (1983) zeugen von einer anderen Sicht auf die Historie, als es sich manch ein Kulturverwalter in der DDR erhofft hätte. Dieses eigensinnige Denken findet sich auch in seinen Prosa-Texten wieder. Hannes Kraus geht davon aus, dass Hein wegen behördlichen Einwänden gegen seine Theaterarbeit zur Prosa kam.

Einen Einblick in sein literarisches Schaffen gewährte der DDR-Schriftsteller und erster Präsident des gesamtdeutschen PEN-Clubs zunächst aus seinem Buch: Landnahme (Suhrkamp 2004). Die Hauptfigur Bernhard Haber, die es in einer sächsischen Kleinstadt vom verachteten Vertriebenenkind zum wohlhabenden und einflussreichen Unternehmer bringt, ist eine geradezu lehrbuchgerechte Aufsteigerbiografie wie auch ein Prachtexemplar eines literarischen Außenseitertyps. Danach trug Hein aus seinem neusten Roman Frau Paula Trousseau (Surkamp 2007) vor. Mal in ausgreifenden Situationsschilderungen, mal im Zeitrafferstil erzählt Hein von den Abenteuern der Selbstbehauptung einer Malerin, deren Einstellung und Erlebnisse den Leser im Schwanken zwischen Sympathie und Ablehnung in ihren Bann ziehen.

In der Literatur, so der Intellektuelle, gehe es um „das kleine Extra“, wie Böll es nannte. Vielleicht sei es gerade die derzeitige Krise, die den Menschen wieder die Augen für die wirkliche Schönheit, die Kultur, öffnen würde. „Wir sind angeblich eine christlich geprägt Gesellschaft. Wenn die Finanzhaie und Banker wirklich Christen wären, wäre diese Krise undenkbar“, meint der Sohn eines Pfarrers. Über seine persönlichen Vorlieben verrät Hein zum Schluss: „Der Mantel der Geschichte interessiert mich weniger, als das Hemd meiner Geliebten.“ Und das hätte sich bis heute nicht geändert.