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Publikation

Reihe Standpunkte
Autor/Innen: Wolfgang Wippermann
Erschienen: Oktober 2012

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Verweigerte Wiedergutmachung

Die Deutschen und der Völkermord an den Sinti und Roma. Standpunkte 14/2012 von Wolfgang Wippermann.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Foto: Dani Karavan, wikimedia, CC BY-SA 3.0

Jetzt wird endlich das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas eingeweiht. Doch warum erst jetzt? Über zehn Jahre nach der Einweihung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas und über 60 Jahre nach dem Völkermord, dem Juden sowie Sinti und Roma zum Opfer gefallen sind. Ist mit dem Denkmal jetzt alles wieder gut oder gar wieder gutgemacht worden? Brauchen wir nicht auch ein Denkmal, das an das erinnert, was den Sinti und Roma nach dem Völkermord angetan worden ist? Ein Denkmal des Denkmals.

«Wie mit den Juden»

«Es ist ebenso wie mit den Juden […] Es bestand kein Unterschied zwischen den Zigeunern und den Juden». So beantwortete der Leiter der Einsatzgruppe D, Otto Ohlendorf, die Frage der alliierten Ankläger, warum seine Untergebenen auch «Zigeuner» ermordet hätten. Ohlendorf war kein Einzelfall. Auch andere Täter haben auf dem Nürnberger Kriegsverbrecherprozess bereitwillig zugegeben, dass neben Juden auch Roma zu Opfern des nationalsozialistischen Völkermordes geworden sind. Dennoch und obwohl zur Vorbereitung der Kriegsverbrecherprozesse zahlreiche Quellen gesammelt wurden, die den rassistisch motivierten Völkermord an den Roma eindeutig dokumentieren, sind die Nürnberger Ankläger und Richter auf diesen «zweiten Holocaust» nicht weiter eingegangen.

Dies hatte Folgen bis auf den heutigen Tag. Wenn es schon die Siegermächte nicht für notwendig hielten, den Völkermord an den Roma zu thematisieren, dann sahen es die besiegten Deutschen schon gar nicht ein, sich zu dieser Schuld zu bekennen und die Opfer zu entschädigen. So taucht das Wort «Zigeuner», soweit ich sehe, auch nicht in der nach 1945 entstandenen Publizistik über die deutsche Schuldfrage auf. Hier gab es kein Schuldbewusstsein und keine Verpflichtungserklärung zur «Wiedergutmachung».

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