Arbeitskreise
Gemeinsam mit anderen StipendiatInnen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen und Regionen über interessante Themen kritisch diskutieren, PolitikerInnen oder Fachleute einladen und so einen Blick über den Tellerrand der Uni hinaus in Politik und Gesellschaft werfen – dazu dienen die stipendiatischen Arbeitskreise der RLS.
Sie sind nach zwei Prinzipien organisiert :
Selbstorganisation und interdisziplinäre Vernetzung außerhalb der Uni
Die Stipendiaten der Rosa Luxemburg Stiftung haben die Möglichkeit, sich in Arbeitskreisen selbst zu organisieren. Über Themen und Schwerpunkte entscheiden die StipendiatInnen selbst. Auch Neugründungen von Arbeitskreisen sind möglich. Die Mitglieder der Arbeitskreise treffen sich in der Regel mehrmals jährlich, planen und organisieren gemeinsam interne Diskussionsveranstaltungen, zu denen auch externe ReferentInnen geladen werden können. Alle Arbeitskreise beteiligen sich an der einmal jährlich stattfindenden Ferienakademie mit einem inhaltlichen Beitrag. Eine Auswahl der aktuellen Arbeitskreise findet sich weiter unten.
Selbstverwaltung von Budgets
Für die Arbeitskreise steht jährlich ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Über die Verteilung des Budgets auf die einzelnen Arbeitskreise entscheiden der SprecherInnenrat (die gewählte Vertretung der StipendiatInnen) und das Studienwerk gemeinsam. Grundlage für die Entscheidung sind die Anträge der Arbeitskreise, die jedes Jahr neu eingereicht werden.
Übersicht der Arbeitskreise:
Arbeitskreis Antisemitismus – Analyse und Kritik
Im Rahmen des Arbeitskreises setzen wir uns auf theoretischer Ebene mit dem Begriff und der Genese des Antisemitismus auseinander, diskutieren und organisieren Veranstaltungen. Neben der theoretischen Auseinandersetzung reflektieren wir auch praktische Fragen der Bekämpfung von Antisemitismus und diskutieren über entsprechende pädagogische Konzepte.
Arbeitskreis Feministische Gesellschaftskritik
Der AK Feministische Gesellschaftskritik, hervorgegangen aus dem AK Gender und Identitäten, beschäftigt sich mit Fragen der geschlechtlichen Strukturierung gesellschaftlicher Herrschafts- und Machtverhältnisse. Im Moment diskutieren wir über verschiedene Ansätze feministischer Theorie(n). Hierbei setzen wir uns besonders mit Erkenntnistheorie, Psychoanalyse, feministischer Frauen- und Geschlechterforschung/ Gender Studies auseinander.
Einige von uns sind organisiert in den akademischen Organisationen wie dem AK Politik und Geschlecht der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft oder der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Einige andere sind aktiv in außer-akademischen feministischen Zusammenhängen. Uns eint die Frage nach den Problemen feministischer Gesellschaftskritik die nicht eine bloße Ergänzungswissenschaft zu anderen Disziplinen sein will, sondern vielmehr die gesellschaftlichen Verhältnisse, als u.a. wesentlich geschlechtlich strukturierte, mit all ihren Implikationen in den Blick nimmt.
Arbeitskreis Kritische Theorie
Der AK Kritische Theorie ist ein stipendiatisch organisierter Arbeitskreis in Frankfurt am Main. In der Ausgestaltung der Treffen wird in erster Linie auf einen peer-to-peer-Ansatz zurückgegriffen: alle Mitglieder bieten Referate an bzw. bereiten Beiträge vor, die anschließend diskutiert werden.
Seit der Gründung hat sich der AK mit verschiedenen Schwerpunksetzungen rund um die ältere Kritische Theorie auseinandergesetzt. Bisherige Diskussionen waren um die Thematiken der „Kulturindustrie“, „Dialektik“ und „Psychoanalyse“ konzentriert. Im Jahr 2012 ist der Fokus auf eine Auseinandersetzung mit der neueren Kritischen Theorie gelegt. Diese soll mit den Ansätzen der älteren Kritischen Theorie kontrastiert werden.
Dabei wird die gemeinsame Erarbeitung von Primärliteratur sowie von Basistexten ausgewählter Themenbereiche weiterhin ein zentraler Gegenstand unserer Treffen sein.
Arbeitskreis Kunst- und Kulturpolitik
Der AK Kunst und Kulturpolitik (kurz AK KUNST) sucht eine politisch – kunstwissenschaftliche Auseinandersetzung – sowohl durch eine theoretische Reflexion, wie durch eine politisch-künstlerische Praxis– mit dem Thema Kunst. Dazu sind alle Leute eingeladen, die in die Bereiche der Kunst und Kultur (egal ob auf 'theoretischer' oder auf 'praktischer' Basis) involviert sind und alle, die an diesen großen Feld Interesse haben. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt derzeit auf dem Themenkomplex Identität/Heimat/Migration und deren Repräsentation. Die aktuell Aktiven sind Bildende Künstler_innen, Videokünstler_innen, Medienkünstler_innen, Fotograf_innen und Kunstwissenschaftler_innen.
Insbesondere die Zusammenhänge zwischen dem politischen und künstlerischen Feld, sowie die kritische Reflexion einer politisch-künstlerischen Praxis werden diskutiert.
Uns interessieren folgende Fragen: Was ist politische Kunst? Welche Aufgaben, Funktionen und Grenzen hat die künstlerische Praxis heute? Wann ist eine Arbeit politisch? Wie wurde Kunst von den Meilensteinen der politischen Theorie gesehen/ betrachtet/ kritisiert? Gibt es demokratische Kunst und wenn ja, was kann und muss Kunst bewegen können? Intention und Geschäft: Ist ein Kunstwerk 'apolitisch', wenn es sich gut verkauft? Wie kann eine Aus-/ Inland Kulturpolitik ohne 'Kultur-Kolonialismus' aussehen? Nicht zuletzt wären auch Begriffe wie 'Engagierte Kunst' und 'Politik durch Kunst' zu hinterfragen.
Wir treffen uns ca. ein Mal vierteljährlich, meist gekoppelt an eine Veranstaltung. Wir geben Workshops, stellen künstlerische Arbeiten vor, anhand derer wir die oben genannten Fragen erörtern, machen Exkursionen zu aktuellen Ausstellungen wie der Berlin Biennale und der Documenta. Außerdem bietet der AK KUNST eine Plattform, mit anderen kritisch denkenden Kunst- und Kulturschaffenden in Austausch zu treten.
Arbeitskreis Lateinamerika
Die Mitglieder des 2010 neu gegründeten AK Lateinamerika arbeiten überwiegend selbst zur Region. Die derzeit im AK vertretenen Länder- und Themenschwerpunkte sind vielfältig. Die Arbeit des AK wird letztlich durch die Interessen und Arbeitsschwerpunkte seiner Mitglieder bestimmt. Dabei ist der AK offen für eine breite Palette an Inhalten und Veranstaltungsoptionen, insbesondere besteht Interesse an aktuellen gesellschaftspolitischen Themen in der Region.
Arbeitskreis Rechtspolitik und Menschenrechte
Der Arbeitskreis (AK) Rechtspolitik und Menschenrechte wurde von MitgliederInnen des ehemaligen AK Jura gegründet und konnte sich im vergangenen Jahr über ein ständig steigendes Interesse und neue MitgliederInnen freuen. Das Besondere an unserem AK ist, dass es sich dabei keineswegs mehr um eine Gruppe allein von JuristInnen handelt, sondern wirklich jede und jeder ist herzlich willkommen – ob nun SoziologInnen, PolitikwissenschaftlerInnen, ErziehungswissenschaftlerInnen oder aus einer anderen Fachdisziplin. Ebenso ist es egal, ob man sich noch mitten im Studium oder vielleicht schon in der Promotion befindet – wir freuen uns über jeden, der aus echtem Interesse zu uns stoßen möchte.
Immer wieder organisiert der AK sowohl unterhaltsame als auch ungemein informative Treffen zu hochbrisanten Themen, die das Zeitgeschehen prägen: Im Sommer 2012 laden wir zum Beispiel zum Thema „Kriegsdienstverweigerung in der Türkei und Israel“ ein.
Ein weiterer schon fester Termin findet im September 2012 statt: Unser AK wird auf der Ferienakademie einen Workshop veranstalten, auf dem es um den „Abschiebeknast Flughafen Schönefeld“ geht.
Ebenso sollte man sich den November 2012 vormerken. Die Buchvorstellung von Rassismus in der Leistungsgesellschaft. Analysen und kritische Perspektiven zu den rassistischen Normalisierungsprozessen der 'Sarrazin-Debatte' zeigt, dass wir medien- und themenübergreifend arbeiten, so dass für wirklich jeden etwas Interessantes dabei ist. Vor diesem Hintergrund werden auf einigen unserer internen Treffen Filme vorgeführt oder externe ReferentInnen eingeladen. Angesichts aktueller Fragestellungen in unserer Gesellschaft liegen unter anderem die folgenden Themen im Fokus unseres AK:
• Strafrecht (Isolationshaft, Strafverfolgung von Jugendlichen und Kindern, Ausländerstrafrecht) und internationale Menschenrechte sowie Datenschutz
• Migration und Bildung
• Asymmetrie in den internationalen Beziehungen
• Menschenrechte (Menschenrechtsbegriff mit Bezug zum einen auf sogenannte „Humanitäre Interventionen“, zum anderen als Teil der Marxistischen Rechtskritik)
Arbeitskreis Debattieren
Beim AK Debattieren geht es darum, sich im Format der Offenen Parlamentarischen Debatte (OPD), welches in Deutschland beim Hochschuldebattieren verwendet wird, zentrale Themen der politischen Linken diskursiv zu erarbeiten. Jede Debatte wird zunächst fachlich eingeleitet und nach ihrer Durchführung argumentativ und rhetorisch ausgewertet. Daraus resultiert dann sowohl inhaltliche politische Bildung als auch eigener diskursiver und rhetorischer Kompetenzgewinn.
Der Arbeitskreis will Debatten der politischen Linken versachlichen und inhaltlich qualifizieren und somit einen, wenn auch beschiedenen, Beitrag zu linker Diskurshegemonie leisten.
Arbeitskreis Elternforum
Studieren und promovieren mit Kind/ern stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Betreuung der Kinder, knappe zeitliche Ressourcen und die Unwägbarkeiten des Alltags mit Kind/ern erschweren die kontinuierliche wissenschaftliche Arbeit und begrenzen die
Möglichkeiten eines gesellschaftlichen Engagements. Die Konzentration auf die eigene Situation führt häufig zu Vereinzelung, obwohl der Bedarf an gegenseitigem Austausch und Netzwerken gerade unter ElterN sehr groß ist.
Der AK ElterNforum setzt sich das Ziel, diesen Schwierigkeiten zu begegnen und Studium und Promotion für Stipendiat_innen mit Kind/ern zu erleichtern. Seine Aufgabe soll es sein,
Unterstützung innerhalb der Stipendiat_innenschaft und beim Studienwerk zu erreichen, eine
bessere Kommunikation zwischen den ElterN zu ermöglichen und Informationen transparent
zu machen.
Der AK versteht sich jedoch nicht nur als Interessenvertretung für Stipendiat_innen mit
Kind/ern, sondern soll auch als gesellschaftspolitisches Diskussionsforum zu Themen wie z.B.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Erziehung und Gender fungieren.
Vorhaben für 2012
1.
Ausbau des Netzwerkes zum Erfahrungsaustausch und zur gegenseitige Hilfe von StipendiatInnen mit Kind/ern
Seit Anfang dieses Jahres sind wir im Intranet des Studienwerks präsent. Der dort eingerichtete Verteiler soll auch weiterhin dem Austausch und der Organisation gegenseitiger Unterstützung zwischen StipendiatInnen mit Kindern dienen. In diesem Jahr fanden vier interne Treffen des AK in Berlin statt, daran haben auch Mitglieder aus anderen Bundesländern teilgenommen. Für 2012 planen wir vier interne Treffen (eines pro Quartal),
davon soll mindestens eines ein familienpolitisches Thema zum Inhalt haben. Des Weiteren haben wir Regionaltreffen vorgesehen.
2.
Verbesserung der ideellen Förderung für ElterN
Erheblicher Bedarf besteht noch für Veranstaltungen, die auf die spezielle Lage von Promovierenden bzw. Studierenden mit Kindern zugeschnitten sind, z.B. Selbst- und Zeitorganisation. Wir hoffen bei der Realisierung dieses Vorhabens auf die Unterstützung des Studienwerks.
Das größte Hindernis für die Teilnahme von ElterN an der ideellen Förderung waren bisher die unklare Organisation und Finanzierung von Kinderbetreuung bei Veranstaltungen.
Gemeinsam mit dem Studienwerk haben wir eine erste Lösung dafür erarbeitet. Danach übernimmt das Studienwerk im kommenden Jahr die Finanzierung professioneller Kinderbetreuung auf größeren Veranstaltungen, wie Ferienakademie, Einführungsseminaren,
Text- und Schreibwerkstatt, Zeit- und Selbstmanagement sowie einem
DoktorandInnenseminar.
Wir werden ein bis zwei Seminare auf einer der Ferienakademien durchführen (voraussichtlich im Herbst).
3.
Verbesserung der Informationslage für StipendiatInnen mit Kind/ern
Wir haben begonnen, Dokumente ins Intranet zu stellen, die v. a. über Finanzierungshilfen für Eltern informieren. Das Informationsangebot soll erweitert werden und zukünftig über einen eigenen Button „Informationen für Eltern“ zu finden sein.
4.
Bildung einer Interessengruppe der StipendiatInnen mit Kind/ern
Im Zweifelsfall soll der AK die Interessen einzelner ElterN gegenüber dem Studienwerk vertreten.
Arbeitskreis Nachhaltigkeit
Der Arbeitskreis Nachhaltigkeit beschäftigt sich mit der zukunftsfähigen Gestaltung unserer Gesellschaft - es geht um Nachhaltigkeit aus sozialer, ökonomischer und ökologischer Sicht. Ein besonderes Interesse besteht an den Themen regenerative Energien, schonende Ressourcennutzung, entschleunigtes Wirtschaften und Ökologie.
In Wochenendseminaren setzen wir uns mit verschiedenen Teilaspekten des Themas "Nachhaltigkeit" auseinander, so zum Beispiel mit "Kritischem Konsum" und "Nachhaltiger Wirtschaft".
Der Arbeitskreis ist offen für Mitglieder aus allen Studienrichtungen.
Arbeitskreis NS Verbrechen
Im AK NS-Verbrechen finden sich Stipendiat_innen zusammen, die vor allem im Themenspektrum der NS-Verbrechen aber auch zu anderen Gewaltthemen, oder in der Genozidforschung arbeiten. Unsere Arbeitstreffen haben Werkstattcharakter: Die Teilnehmer_innen, welche Texte, Kapitel, Veröffentlichungen etc. besprechen und hierauf ein Feedback der Gruppe wünschen, verfassen im Vorfeld 5 bis 10 seitige Papers, die an alle Teilnehmenden verschickt werden. Während des Treffens wird das jeweilige Thema der Promotion oder der Master, bzw. Bachelorarbeit skizzenhaft vorgestellt. Anschließend werden die aufgeworfenen Fragen diskutiert, dabei wird besonders Wert auf einen
hierarchiefreien und fairen Umgang miteinander gelegt. Den Vorstellenden wird es so
möglich, Fragen und Probleme anzugehen, deren Besprechung in einem anderen
akademischen Rahmen, so in Kolloquien oder in Treffen mit den Betreuer_innen der Arbeit manchmal nicht möglich sind.
Ein weiterer Schwerpunkt des Arbeitskreises ist die so genannte Psycho-Hygiene. Der Umgang, die alltägliche Arbeit mit Gewaltthemen ist oft problematisch und belastend. Es gilt, das Erforschte zu begreifen und zu verarbeiten, ohne Freund_innenkreis, WG, Beziehungen zu sehr damit zu strapazieren. Dem Wunsch, sich darüber auszutauschen soll in unserem AK Raum gegeben werden. Um eine professionellen Umgang damit zu erlernen, fand bisher einmal eine Supervision mit einer hierfür spezialisierten Supervisorin statt. Der Austausch und die Vernetzung sind selbstverständlich weitere Anliegen des Arbeitskreises. Vorträge von externen Referent_innen zu uns interessierenden Themen haben wir bereits durchgeführt und wollen dies auch weiterhin als zusätzlichen Input und Diskussionsgrundlage forcieren.
Wir wollen wir uns an sechs Wochenenden pro Jahr im Stiftungsgebäude treffen.
Arbeitskreis Staatstheorie
Der Arbeitskreis „Staatstheorie“ bemüht sich um eine inhaltliche Debatte im Bereich politökonomischer Staatsanalysen. Wesentliche Fragen und Problemstellungen, die uns inhaltlich zur Gründung eines AK
bewegen, sind:
■ Der Relevanzverlust der Staatstheorie innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses (u.a. zugunsten des Regime- und des Governance-Begriffs und dem Paradigma des „Verschwindens des Staates“ in der liberalen Theorie)
• Der Relevanzverlust der Staatstheorie innerhalb linker Debatten
• in diesem Sinne setzt ein bedeutender Teil der akademischen Linke (bspw. Negri und Hardt) auf eine Nicht-Thematisierung des (National-)Staates innerhalb emanzipatorischer Entwicklungsperspektiven
• Hierfür kann es von Bedeutung sein, eine Lektüre der Tradition linker Staatsdebatten aufzunehmen, wie sie auch von der Associazione Delle Talpe unternommen wurde (Rosalux- Stiftung Bremen)
■ Der Strukturwandel des Staates auf verschiedenen Ebenen (vgl. Jessop 1997, S. 61ff) und seine unterschiedliche Analyse und Kritik:
• Denationalisierung im Sinne der Delegierung ehemals staatlicher Aufgaben auf inter- und transnationale Ebnen und Institutionen (IWF, WTO, GATT etc.)
• vermeintliche Entstaatlichung im Sinne der Privatisierung von Politik
• Internationalisierung des Staates
• Arbeitsmarktpolitische Thematisierung des Staates als Workfare-and-Prisonfare-State (Wacquant)
• internationaler Wettbewerbsstaat (Hirsch)
• autoritärer Etatismus (Poulantzas)
• Das Verhältnis von Staat und Währungssystem in den letzten Jahrzehnten vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise.
■ Die Unterthematisierung für uns wichtiger Themen innerhalb der Staatsdebatte:
• Eine Bestimmung des Verhältnisses von Staat und Markt und dessen Theorien (bspw. Staatsbleitungsdebatte, Spätkapitalismusthese, Regulationstheorie) in einer langen (seit dem 19. Jahrhundert) und kurzen (seit den 1970er Jahren) Perspektive (Gerstenberger 2007))
• Welche Transformationsprozesse betreffen die Geschlechterverhältnisse? Wie verändert sich die räumliche Struktur von Herrschaft? (Wissel und Wöhl 2008) Wie kann eine feministische Staatstheorie aussehen?
• Wie sind die weltweiten Migrationsprozesse im Zuge einer linken Staatsdebatte thematisierbar? War die Kontrolle über das Territorium und die Bevölkerung bisher Kernelement der nationalstaatlichen Befugnisse, so lässt sich u.a. auf EU-Ebene eine verstärkte transnationale Zusammenarbeit beobachten.
• Welche Auswirkungen haben die Transformationsprozesse des Staates auf Re- Nationalisierungen? Ist eine Verschärfung von nationalistischen und rassistischen Tendenzen zu erwarten? (Wissel und Wöhl 2008)
Die Wiederaneignung des Themenfeldes Staat soll innerhalb des AKs auf verschiedene Weisen erfolgen:
I. Gemeinsames Lesen von Texten in Seminarform sowie angeschlossene Diskussionen. Hierbei sollen auch aktuelle Veröffentlichungen zum Thema sowie Arbeiten der AK-Teilnehmer_innen zur Debatte stehen und nicht nur eine Rekonstruktion der Theorietradition betrieben werden.
II. Erarbeitung von Seminarmaterialien für die Politische Bildung
III. Veranstaltungsorganisation und eigene Seminarveranstaltung (z.B. im Rahmen der Ferienakademie, aber auch in außerstipendiatischem Umfeld)
IV. Partizipation in bestehenden Netzwerken linker Staatsdebatten wie z.B. der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG)
Arbeitskreis Qualitative Methoden
Der Arbeitskreis Qualitative Methoden versteht sich als Forschungswerk. In Form eines Kolloquiums steht er allen Stips, Studierenden ebensow wie Doktorand_innen, die ihren Forschungsschwerpunkt oder zumindest einen Großteil ihrer Arbeit empirisch ausrichten, offen. Sie bietet Möglichkeiten, sich konzentriert mit Fragen der qualitativ-empirischen Forschung und methodischen Problemen auseinander zu setzen, die sich aus dem Spannungsverhältnis von Theorie und Material ergeben.
Methodenfragen sind für viele Studierende und Doktorand_innen eine Quelle der Unsicherheit, die spätestens in der Abschlussarbeit zum Problem werden kann. Im Rahmen der transdisziplinär angelegten Forschungswerkstatt wird ausgehend von den konkreten Projekten und Arbeiten der Studierenden und Doktoranden, ihrem theoretischen Zugang und ihren methodischen Herangehensweisen, ein Raum geschaffen, in dem diese Unsicherheiten zu Fragen werden, nach deren Antworten in gemeinsamer Diskussion und solidarischer Atmosphäre gesucht wird.
Ein wichtiges Element stellt hier das Prinzip des wechselseitigen Voneinander-Lernens zwischen allen Teilnehmenden dar, dabei ergeben sich sogenannte 'Ketten' der Weitergabe und Aneignung von Wissen. So sind z.B. für 'Neuankömmlinge' diejenigen, die schon etwas 'länger dabei', aber im Prinzip noch in ähnlicher Lage sind, u.U. sehr viel wichtigere Lernpartner_innen als weit fortgeschrittene 'Meister_innen' des Faches. Eine zentraler Bestandteil des Arbeitskreises liegt darin, gemeinsam an den Projekten der Gruppenmitglieder zu arbeiten und in der gemeinsamen Interpretation von empirischen Materialien wie Interviewausschnitten, Beobachtungsprotokollen und Quellen verschiedene Methoden der qualitativen Forschung zu erlernen. Die Möglichkeit zur gemeinsamen Interpretation und Reflexion ist notwendig, um der jeweiligen Perspektive der Forschenden Alternativen gegenüber zu stellen. Daneben werden auch Texte aus der entstehenden Arbeit diskutiert. Die Gruppe bietet auf diese Weise Gelegenheit zum Austausch während des gesamten Entstehungsprozesses einer qualitativ-empirischen Arbeit. Auf dieser Ebene werden also methodische Grundlagen und Kompetenzen vermittelt und eingeübt.
Für Studierende und Doktorand_innen, die mit einem theoretischen Korpus arbeiten, der auf diesem sehr hohen Komplexitäts- und Reflexionsniveau ansetzt, stellt sich damit die Anforderung, sich zu dem Spannungsverhältnis, das sich zwischen den von ihnen herangezogenen Theorien, Methoden und Materialien ergeben, zu positionieren. Die Teilnehmenden sensibilisieren sich dafür, inwieweit ein Set an Theorien und Methoden nicht nur Erkenntnisse ermöglicht und Wissen produziert, sondern jeweils auch eine Begrenzung des Wahrnehmbaren darstellt. Diese Problematik als zentraler Bestandteil von Wissensproduktion anzunehmen und zu versuchen, gemeinsam produktive und kreative Umgangsstrategien zu finden, ist Teil der transdisziplinären Kompetenzen, die im Rahmen des Arbeitskreises erworben werden.
Die verschiedenen Ebenen der Forschungswerkstatt werden beständig ineinander überführt und als untrennbar aufgefasst; die Reflexion der verwendeten wissenschaftlichen „Werkzeuge und Operationen“ sowie der darin eingelagerten Vorannahmen und Erwartungen werden als zentrales Qualitätskriterium in der Arbeit mit qualitativen Forschungsmethoden begriffen. Da zunächst von den konkreten Projekten und Fragestellungen der Teilnehmenden ausgegangen werden soll, ist das methodische und theoretische Feld hier sehr weit gesteckt. Methodische Schwerpunkte reichen von Fragen der Literaturexegese (Literatur- und Kulturwissenschaften), der Interpretation von qualitativ-empirischer Forschung (Ethnographie und Sozialforschung).
Zudem sollen die Teilnehmenden zu mehr wissenschaftlichem Vertrauen in die eigene Deutungsfähigkeit gelangen, die im Rahmen wissenschaftlicher Argumentation von großer Bedeutung ist; es geht dabei um die Frage, wie in einer Forschungsgemeinschaft Vertrauen in die Geltung und Plausibilität von Interpretationen hergestellt wird. Diese Frage erhebt sich insbesondere dann, wenn die Grenzen des je eigenen Forschungsansatzes überschritten und unterschiedliche Verfahrensweisen der Erkenntnisgenerierung miteinander verhandelt werden. Um hier wechselseitige Verständigung und Urteilsfähigkeit über die Qualität von Interpretationen zu ermöglichen, ist eine reflexiv-pragmatische Methodologie erforderlich. Im Rahmen der Forschungswerkstatt soll Transdisziplinarität nicht als Problem, sondern als Kompetenz vermittelt werden.
Agenda:
Die Forschungswerkstatt arbeitet schon seit November 2011, typischerweise mit folgender Tagesordnung, die auch in absehbarer Zeit den Treffen zugrundeliegen wird:
Sitzungsdauer: 180 Minuten (16:00-19:15 Uhr, 15 Minuten Pause)
Sitzungen je Monat: 2 (1. und 3. Donnerstag des Monats)
Sitzungsort: Berlin (alternativ: Leipzig)
a) Interpretation
- Ein Mitglied legt relevanten Auszug aus Interviewtranskript vor.
- Teilnehmende interpretieren gemeinsam die von Mitglied bestimmten Sinnabschnitte (lineby-line Interpretation).
- Gemeinsame Diskussion unterschiedlicher Interpretationsmöglichkeiten.
b) Methodenkritik
- Ein Mitglied stellt seine Methode oder Teile der Methode im Kontext des eigenen Forschungsprojektes vor, z. B. Interviewleitfaden.
- Gemeinsame Diskussion und Kritik der Methode, Ziel: Kohärenz und Praktikabilität.
c) Textkritik
- Ein Mitglied stellt Auszüge aus dem eigenen Manuskript vor.
- Teilnehmende diskutieren und kritisieren produktiv.
Arbeitskreis Osteuropa
Hintergrund
Die Idee, einen stipendiatischen AK Osteuropa zu gründen, enstand bei einem Vernetzungstreffen mit den Mitarbeiter_innen des Referats für Ost, - Mittelost,- und Südosteuropa der RLS im Juni 2011, bei dem die genaue Konzeption des ersten „Osteuropaforums“ gemeinsam erarbeitet wurde. Das Forum fand erstmalig Ende September 2011 in Berlin statt, mit dem Thema „Was ist links in Osteuropa?“ (genauer Bericht siehe „OSTEUROPANACHRICHTEN Nr.4/Dezember 2011, S. 12- 15). Das Osteuropaforum stellt einen neuen Arbeitskreis der Stiftung da und soll zweimal jährlich stattfinden; mit ihm soll Interessierten und Engagierten die Möglichkeit gegeben werden, sich über politische Entwicklungen in Osteuropa auszutauschen, Projekte und Partner_innen in der Region kennenzulernen und sich zu vernetzen.
Im Rahmen der Vorbereitung sowie der Teilnahme an dem Forum wurde von den teilnehmenden Stipendiat_inen das Interesse formuliert, einen eigenen stipendiatischen AK Osteuropa zu gründen. Dieser soll unabhängige Austauschplattform für Stipendiat_innen darstellen, in deren Rahmen eigene Standpunkte zu ausgewählten Themen erarbeitet werden sollen, gleichzeitig ist es aber auch beabsichtigt, mit dem Osteuropaforum und weiteren Akteur_innen zusammen zu arbeiten.
Ideen
Es ist uns wichtig, den Bezug zu Osteuropa als regionale, aber auch als politische Deminsion herzustellen. Wir möchten uns intensiv mit allgemeinen und spezifischen Themen rund um Osteuropa beschäftigen. Bisher haben die beteiligten Stipendiat_innen Interesse an folgenden Schwerpunkten geäußert: Entwicklung des Kapitalismus, Menschenrechte, Genderproblematik, diversifizierende Lebensentwürfe, Rassismus und Nationalismus bzw. die Dekonstruktion des Nationalen und Selbstorganisation in Osteuropa. Darüber hinaus möchten wir in einem langfristigen Prozess, die Aufarbeitung der stalinistischen Repression und die Geschichte des Sozialismus in dieser Region analysieren.
Die Konzeptionen bzw. die Wahrnehmung von Osteuropa sind ein weiteres Themenfeld, dem wir uns gerade zu Beginn widmen möchten. So gab es bei einem ersten Treffen der interessierten Stipendiat_innen die Überlegung, sich über die Fragestellung „Was ist Osteuropa?“ der Region zu nähern. Dabei geht es um die Sinnhaftigkeit einer Konstruktion Osteuropas bzw. die Frage, ob Osteuropa als eine solche Entität existiert oder ob es nicht viel mehr ein politisches Konstrukt ist, welches das derzeitge Hegemonieverhältnis unterscheidlicher Länder zueinander widerspiegelt.
Vorhaben und Ziele
Geplant ist, dass sich die Mitglieder des AKs bis zu vier Mal im Jahr zu gemeinsamen Sitzungen treffen. Da unser Arbeitskreis sich als ein offener Raum für alle „Osteuropainteressierten“ begreifen möchte, planen wir unsere Treffen sowohl an das Osteuropaforum der Stiftung terminlich anzupassen, als auch diese für interessierte Menschen offen zu gestalten. Ein wichtiges Ziel ist es, einen gemeinsamen Dialog zu den oben beschriebenen Themen zu entwickeln und Möglichkeiten eines linken Diskurses in und um Osteuropa zu schaffen. Insofern richten wir uns auch an interessierte Studierende außerhalb des Förderprogramms der Rosa Luxemburg Stiftung, NGOs und Forschungsinstitute oder Arbeitskreise mit ensprechendem Bezug, wie z.B. die AG Russland.
Unsere Treffen sollen jedoch keinen ausschließlich theoretischen Charakter haben, sondern sich an der Realität in Osteuropa orientieren. Wichtig ist uns die Kombination von theoretisch – wissenschaftlichen und praktischen Zugängen. Insofern würden wir gerne Referent_innen einladen, die sich wissenschaftlich mit Osteuropa befassen, aber auch Aktivist_innen im weitesten Sinne, um Erfahrungen auszutauschen, zu politischen Gestaltungsmöglichkeiten in der Region.
Arbeitskreis Rosa Queer
Im Arbeitskreis tauschen wir uns über unsere eigenen akademischen und aktivistischen Projekte aus und lesen gemeinsam (vorbereitete) Texte. Außerdem organisieren wir Workshops sowie Vorträge und möchten damit innerhalb queerfeministischer Bewegungen mitwirken.
Wir treffen uns drei Mal im Jahr, meistens in den Städten Hamburg, Bremen und Berlin. Dabei geht es in erster Linie um folgende Fragestellungen:
• Austausch und Reflexion der eigenen Forschungsfelder bzw. -projekte aus einer queerfeministischen Perspektive
• Vernetzung und Diskussionen um aktuelle Fragestellungen queerfeministischer Wissenschaft und Politik
• Austausch zur aktuellen politischen queerfeministischen Situation in den jeweiligen Städten
• Wenn möglich auch Kontakte mit Personen und Initiativen aus den Bewegungen vor Ort (Netzwerkbildung)