Arbeitskreise
Gemeinsam mit anderen StipendiatInnen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen und Regionen über interessante Themen kritisch diskutieren, PolitikerInnen oder Fachleute einladen und so einen Blick über den Tellerrand der Uni hinaus in Politik und Gesellschaft werfen – dazu dienen die stipendiatischen Arbeitskreise der RLS.
Sie sind nach zwei Prinzipien organisiert :
Selbstorganisation und interdisziplinäre Vernetzung außerhalb der Uni
Die Stipendiaten der Rosa Luxemburg Stiftung haben die Möglichkeit, sich in Arbeitskreisen selbst zu organisieren. Über Themen und Schwerpunkte entscheiden die StipendiatInnen selbst. Auch Neugründungen von Arbeitskreisen sind möglich. Die Mitglieder der Arbeitskreise treffen sich in der Regel mehrmals jährlich, planen und organisieren gemeinsam interne Diskussionsveranstaltungen, zu denen auch externe ReferentInnen geladen werden können. Alle Arbeitskreise beteiligen sich an der einmal jährlich stattfindenden Ferienakademie mit einem inhaltlichen Beitrag. Eine Auswahl der aktuellen Arbeitskreise findet sich weiter unten.
Selbstverwaltung von Budgets
Für die Arbeitskreise steht jährlich ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Über die Verteilung des Budgets auf die einzelnen Arbeitskreise entscheiden der SprecherInnenrat (die gewählte Vertretung der StipendiatInnen) und das Studienwerk gemeinsam. Grundlage für die Entscheidung sind die Anträge der Arbeitskreise, die jedes Jahr neu eingereicht werden.
Übersicht der Arbeitskreise:
Arbeitskreis Antisemitismus – Analyse und Kritik
Im Rahmen des Arbeitskreises setzen wir uns auf theoretischer Ebene mit dem Begriff und der Genese des Antisemitismus auseinander, diskutieren und organisieren Veranstaltungen. Neben der theoretischen Auseinandersetzung reflektieren wir auch praktische Fragen der Bekämpfung von Antisemitismus und diskutieren über entsprechende pädagogische Konzepte.
Arbeitskreis Digitales Leben
Der Arbeitskreis Digitales Leben befasst sich mit den unterschiedlichen politischen Konfliktlinien, die im Zuge der Digitalisierung von Lebensverhältnissen entstehen. Die Themenvielfalt reicht hierbei von neuen emanzipativen Möglichkeiten gesellschaftlicher Akteure in der Informationsgesellschaft bis zu neuen Überwachungsinstrumentarien wie Datensammlung und Videoüberwachung. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei die Auswirkungen der Digitalisierung auf bestehende Herrschaftsverhältnisse.
Arbeitskreis Gender und Identitäten
Grundlegendes Interesse des Arbeitskreises "Gender und Identitäten" ist die Vernetzung von StipendiatInnen, die zu Gender- und Identitätsfragen arbeiten und die Stärkung des interdisziplinären Austauschs. Wir untersuchen Identitätskonstruktionen anhand von Kategorien wie insbesondere Gender, 'race', Klasse und Beeinträchtigung. Wir setzen an feministischen Theorien an und verbinden diese produktiv mit dekonstruktivistischen Ansätzen. (De)Konstruktivistische Ansätze der Identitätsreflexion helfen dabei, nicht in reine Frauen- oder Männerforschung zu verfallen. Dabei ist uns auch an der Integration (queer-)feministischer Ansätze in eine grundsätzliche Kapitalismuskritik und andersherum gelegen, so werden beispielsweise auch die produktiven Verknüpfungen von (de)konstruktivistischen Ansätzen und Kritischer Theorie untersucht.
Arbeitskreis Kritische Theorie
Die ältere Kritische Theorie zeichnet sich durch einen spezifisch interdisziplinären Zugang zu sozialwissenschaftlich entscheidenden Fragestellungen aus: der dialektische Zusammenhang von Gesellschaft und Individuum, Subjekt/Objekt geht ebenso konstitutiv in die Erkenntnis- und Theoriebildung ein wie bestimmte moral- und sozialphilosophische Grundannahmen, so dass ein emanzipatorisches Erkenntnisinteresse allen genannten Momenten zugrunde liegt. Was wurde aus den Überlegungen der Frankfurter Schule, die insbesondere um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno zentriert war? Wie sieht eine angemessen aktualisierte Kritische Theorie heute aus? Was bedeutet das für sozial- und gesellschaftstheoretische Konzepte und Theorien? Diesen Fragen widmet sich der AK Kritische Theorie.
Arbeitskreis Kunst- und Kulturpolitik
Der Arbeitskreis "Kunst- und Kulturpolitik" beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen politischem und künstlerischem Feld. Dies geschieht sowohl in theoretischer Reflexion als auch in politisch-künstlerischer Praxis. Wir verstehen Kunst und Kultur eingebettet in ihren jeweiligen sozio-ökonomischen Kontext und arbeiten an ihren gesellschaftlichen Vermittlungsformen. Im Jahr 2009 organisieren wir eine Veranstaltungsreihe in Berlin mit Film- und Diskussionsabenden zum Thema "Deutsche Afrika-Bilder und die (Nicht-)Aufarbeitung des Kolonialismus". In dieser Reihe soll der Frage nachgegangen werden, wie "Afrika" im Film imaginiert wurde/wird und ob sich daran bestimmte Kontinuitäten des "kolonialen Blicks" ablesen lassen. Als Ergänzung dieses Themas geht im Kontext der Nicht-Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus und seiner Legitimationsweisen eine weitere AK-interne Arbeitsgruppe der Frage nach, wie sich bestimmte Interpretationen der Darwinschen Evolutionstheorie in den akademischen Diskurs eingeschrieben haben. Im Darwin-Jahr 2009 wollen wir uns zur Diskussion um die Bedeutung und (Fehl-) Interpretationen der Evolutionstheorie positionieren. Hierzu kommentieren wir auch die Darwin-Ausstellungen in London und Frankfurt/Main, zudem organisieren wir eine Diskussionsveranstaltung zu "Evolutionsvorstellungen an Universitäten" in Frankfurt/Main.
Arbeitskreis Lateinamerika
Der AK Lateinamerika beschäftigt sich primär mit sozialen Bewegungen und linken Regierungen in Lateinamerika. Er hat sich neu konstituiert und ist noch offen für thematische Akzente.
Arbeitskreis Qualitative Methoden
Der Arbeitskreis Qualitative Methoden beschäftigt sich mit Fragen der Theorie und Anwendung qualitativer Forschungsmethoden in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen. Neben der Aneignung verschiedener methodischer Konzepte werden methodologische Fragen nach Sinn, Vorannahmen und spezifischer Anwendbarkeit verschiedener Forschungsmethoden interdisziplinär und im Vergleich zu quantitativen Forschungsmethoden diskutiert. Eine eingehende Diskussion von (eigenen) Forschungsarbeiten ist möglich und angestrebt. Es gilt, die Reichweite von Methoden und damit auch deren Grenzen herauszuarbeiten. Über den Weg der Erkenntnisgewinnung Auskunft zu geben, ist Primat und Ausweis wissenschaftlichen Arbeitens – Nachvollziehbarkeit, nicht Wiederholbarkeit, ist das Gütekriterium sozialwissenschaftlicher Forschung, die nicht als Sozialtechnologie enden, sondern emanzipatorischer Praxis zur Orientierung dienen will.
Arbeitskreis Rechtspolitik und Menschenrechte
Der AK "Rechtspolitik und Menschenrechte", ursprünglich aus dem AK "Jura" hervorgegangen, diskutiert allgemein die Themen Freiheits- und Menschenrechte aus humanistischer, soziologischer und rechtspolitischer Perspektive. Von besonderem Interesse ist, inwiefern Freiheits- und Menschenrechte gewährleistet oder beschränkt werden und inwiefern sie auch kollidieren können. Dominante Themen sind (internationale) Menschenrechte, Flucht/Asyl, Strafrecht sowie Datenschutz. Außerdem versucht der AK, Schlagwörter wie "Menschenrechte", "Recht" und "Ethnie" vor verschiedenen theoretischen Hintergründen kritisch zu betrachten.