Promotionskolleg »Demokratie und Kapitalismus«
Das von der RLS geförderte Graduiertenkolleg »Demokratie und Kapitalismus« an der Universität Siegen fördert acht Promotionsvorhaben mit einem äußerst vielfältigen Themenspektrum: Von Problemen der »Demokratie und Führung in der globalisierungskritischen Bewegung« über die emanzipatorischen Möglichkeiten staatlicher Erdgaspolitik in Bolivien bis zur »Diskursanalyse der Mohammed-Karikaturenaffäre in den deutschen und türkischen Medien«. Im Rahmen des Studienprogramms bieten Doktorandenkolloquien die Möglichkeit, Zwischenergebnisse und Forschungsstrategien der einzelnen Promotionsprojekte im Kreis der betreuenden ProfessorInnen und DoktorandenInnen zu diskutieren. Zudem sollen die DoktorandenInnen selbstbestimmt mehrtägige Kompaktveranstaltungen organisieren, auf denen sie zentrale Probleme ihres Promotionsvorhabens diskutieren können.
Das Thema: Wo beginnt Demokratie und wo endet sie? Welche Ziele sind mit dem Beharren auf demokratischer Partizipation verbunden? Wer vertritt die Demokratie, wer darf in deren Namen sprechen und andere als undemokratisch ausgrenzen? Offenbar gibt es nicht die Demokratie, sondern verschiedene Demokratien.
Dagegen gibt es nur einen Kapitalismus: Im Sinne eines „Produktionsprozesses als Einheit von Arbeitsprozess und Verwertungsprozess“ meint Kapitalismus bestimmte ökonomische Grund- und Bewegungsgesetze und deren herrische Ignoranz gegenüber kulturellen, politischen und individuellen Eigenheiten. Wer diese Gesetze nicht befolgt, der verschwindet vom Markt. Es gibt allerdings auch mehrere Kapitalismen: Im Sinne eines historischen Epochenbegriffs oder einer gesellschaftlichen Formation umfasst er bestimmte nationalkulturelle Traditionen, Mentalitäten und politische Verfassungen.
Die theoriegeschichtliche und allgemeine historische Dimension soll nicht unterschätzt werden. Doch versteht sich dieses Promotionskolleg nicht als ein antiquarisches, sondern vielmehr als ein gegenwartsbezogen-kritisches Unternehmen, das darauf zielt, aktuelle Entwicklungen kapitalistischer Gesellschaften und Entwicklungspotentiale der Demokratie zu analysieren. Das meint besonders jenen neuen Typus (oder neues Regime) kapitalistischer Akkumulation, den damit verbundenen politisch-institutionellen Regulationsrahmen und es meint auch veränderte kulturell-mediale Praxen.
Grussworte der Direktorin des Studienwerks
Der Tagungsband
Perspektiven der Demokratie : "Gesellschaftspolitische Interventionsmöglichkeiten im Spannungsverhältnis zwischen Demokratisierung und kapitalistischen Strukturen"
ist nun veröffentlicht und abrufbar unter
http://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2011/563/index.html

Homepage des Kollegs