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Freitag, 28. Februar 2014
Autor/Innen: Katja Hermann

«Sleepless in Gaza» – Israelische Drohnen über dem Gazastreifen

Das Palästina–Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung stellt eine Studie über den Drohnenkrieg im Gaza-Streifen vor. Bericht von Katja Herrmann.

«Die Drohnen sind ein Teil des täglichen Lebens für die Menschen in Gaza geworden. Sie wachen morgens durch ihren Lärm auf, und es ist das gleiche Geräusch, das sie abends hören, wenn sie versuchen einzuschlafen“, schreibt Atef Abu Saif in seiner Studie „Sleepless in Gaza: Israeli drone war on the Gaza Strip» (2014, S. 6).

Seit Beginn der 2000er Jahre nutzt Israel Drohnen zur Überwachung, Kontrolle und zum Beschuss des Gazastreifens, die israelische Variante im weltweiten „Krieg gegen den Terror“. Hunderte von Menschen, die allermeisten von ihnen Zivilisten, sind bislang durch Drohnenangriffe getötet worden. Zerstörung, Tod, Trauma sowie unterschiedliche psychosoziale Erkrankungen sind die Folgen dieses Drohnenkrieges, der von vielen als neue Form der israelischen Besatzung des Gaza-Streifens verstanden wird. Die Bedrohung durch die Drohnen verschlimmert die ohnehin äußerst angespannte Lage der Menschen im Gazastreifen, wo die humanitäre Krise aufgrund der israelischen Abriegelungspolitik zum Dauerzustand geworden ist. Seit der Machtübernahme des Militärs in Ägypten hat sich diese weiter zugespitzt, nachdem das neue ägyptische Regime den Grenzübergang zum Gazastreifen schließen ließ und einen Großteil der Tunnelstruktur, über die der Gazastreifen bis dato versorgt wurde, zerstörte. Erneute Preiserhöhungen sowie ein großer Mangel an Grundnahrungsmitteln, Medikamenten und Treibstoff sind die Folgen dieser nunmehr beidseitigen Abriegelung des Küstenstreifens. Im Unterschied zu den „strikezones“ in Pakistan oder im Jemen gibt es bislang nur sehr wenig Informationen über den Einsatz von Drohnen über Gaza, ganz im Gegenteil, der Drohneneinsatz findet weitgehend unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit statt, und selbst in anderen Teilen Palästinas ist nur wenig über das Bedrohungsszenario im Gazastreifen bekannt.

Vor diesem Hintergrund führte das Palästina-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung am 23. und 24. Februar 2014 zwei Veranstaltungen zum Drohnenkrieg in Ramallah und Bethlehem durch. Basierend auf der von der RLS geförderten Studie „Sleepless in Gaza – Israeli drone war on the Gaza Strip“ berichtete der Autor Dr. Atef Abu Saif, Politikwissenschaftler an der Al-Azhar Universität in Gaza, der über Skype aus Gaza zugeschaltet war, über Einsatz und Auswirkungen von Drohnen auf das Leben der Menschen im Gazastreifen. Seine Vorträge wurden von Norbert Schepers, Politikwissenschaftler und Büroleiter der RLS in Bremen, eingeleitet, der über Drohnen und Drohnenkrieg aus sicherheitspolitischer Perspektive referierte und die Situation im Gazastreifen in den Kontext der weltweiten Antiterror-Kriegsführung stellte.