Großen Teilen des deutschen Kleinbürgertums fiel im Januar 1919, als die Ermordung Rosa Luxemburgs ruchbar wurde, ein Stein vom Herzen. Der Schriftsteller Max Hochdorf erinnerte noch zehn Jahre später: «Und die Erwachsenen … sprachen es mit Genugtuung aus, dass die Nemesis, die unerbittliche Rächerin aller Menschenschuld, Rosa Luxemburg hochgerecht gestraft habe… Ein solches Leben durfte nur durch solchen Tod beschlossen werden.»
Rosa Luxemburg vereinigte in sich so ziemlich alles, was in der deutschen Mehrheitsgesellschaft Mordlust erzeugte:
Sie war nicht nur eine Frau, sondern auch klug. Sie war nicht nur Polin, sondern auch noch Jüdin. Sie sprach nicht nur mehrere Sprachen, sondern war hochgebildet und in jeder Hinsicht hochkultiviert. Sie war für ihre Zeit nicht nur über die Maßen emanzipiert, sondern lebte völlig selbstbestimmt. Auch waren nicht nur viele ihrer Freunde Sozialisten – zu allem Überfluss war sie selbst auch noch der Kopf der radikalen Linken in Deutschland und in Polen.
Deutsche «Helden» haben die vor 140 Jahren in Russisch-Polen Geborene am 15. Januar 1919 mit einem Gewehrkolben zusammengeschlagen, ihr danach in den Kopf geschossen und sie schließlich im Landwehrkanal entsorgt.
Rosa Luxemburg wollte die politischen Freiheiten, die in den bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts erkämpft worden waren, um die soziale Freiheit ergänzen, nicht jede Freiheit abschaffen. Freiheit war für Rosa Luxemburg die Freiheit der Andersdenkenden – und zwar aller. Das war die Ultima ratio ihres politischen Konzeptes. So jemand hatte in Deutschland kein Lebensrecht.
Jörn Schütrumpf, Februar 2011
Im Folgenden dokumentieren wir anlässlich des 140. Geburtstages von Rosa Luxemburg Veranstaltungen und Aktivitäten der Rosa Luxemburg Stiftung.
«Bringing the contributions of this remarkable thinker and personality alive for new generations.» Verso Books
Endlich ist es so weit: Die Werke und die Briefe der weltweit bekannten Revolutionärin werden erstmals vollständig in englischer Sprache veröffentlicht. Der Verlag Verso Books mit Sitz in London und New York wird nach und nach alle Schriften Rosa Luxemburgs in einer 14-bändigen Gesamtausgabe herausgeben, mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des dietz Verlages, Berlin. Soeben ist der Probeband erschienen, Veranstaltungen in London und New York werden das Projekt im März, eine umfangreiche Sammlung von Briefen Rosa Luxemburgs, der Öffentlichkeit präsentieren.
Deborah Eisenberg erweckt «The letters of Rosa Luxemburg» zum Leben, in New York, 14.3.2011
Die englischsprachige Ausgabe stützt sich auf die deutsche Ausgabe (Gesammelte Werke, bisher fünf Bände in sechs Büchern (dietz berlin 1970 bis 1975), sowie Gesammelte Briefe in sechs Bänden (dietz berlin bis 1993) folgt ihr aber nicht. Die deutsche Ausgabe entstand im Prozess der Forschung, stellt also eine Sammlung dar, deren Briefteil vollständig ist, während bei den Werken noch zwei Bände ausstehen, an denen im Moment noch gearbeitet wird: Band 6, Berabeiterin: Prof. Dr. Annelies Laschitza und Band 7 (der das polnischsprachige Werk Rosa Luxemburgs präsentieren wird), Bearbeiter: Dr. Holger Politt. Die englischsprachige Ausgabe wird aus drei Abteilungen bestehen: 1. Das ökonomische Werk, 2. das politische Werk und 3. die Briefe.
Es handelt sich um eine Edition, die auf zehn Jahre angelegt ist und in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen in den USA, Großbritannien, Deutschland und Brasilien entsteht.
Hintergrundartikel in «The Guardian», 5. März 2011: The revolutionary Rosa Luxemburg «The writer and activist Rosa Luxemburg spent years in prison because of her opposition to the first world war, and was an outspoken critic of Marxism. Sheila Rowbotham finds the woman behind the mystique» http://www.guardian.co.uk/books/2011/mar/05/rosa-luxemburg-writer-activist-letters
Der größte Teil der Briefe, die Rosa Luxemburg an internationale Arbeiterführer, MitkämpferInnen und AktivistInnen sozialer Bewegungen, die ebenso Freunde, LiebhaberInnen und KollegInnen waren, geschrieben hat, sind zum ersten mal in englischer Sprache zu lesen. Wie keine der anderen Schriften und Aufsätze Luxemburgs offenbaren die über 190 Briefe die Vielfältigkeit und universale Kompetenz Rosa Luxemburgs als Freundin, Ökonomin, Revolutionärin und Lyrikerin. Die Lektüre der Briefe wird einer neuen, internationalen, auch jungen Leserschaft eine Frau näher bringen, die sich auf bemerkenswerte Weise mit ihren politischen Überzeugungen und ihrem unabhängigen Geist kompromisslos in einer ihr oft feindlich gesinnten Umgebung bewegte. Alle hier genannten Veranstaltungen in London und New York finden in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt.
London, 7. März, 19 Uhr: Book Launch: The Letters of Rosa Luxemburg Die britische Swedenborg Society präsentiert zusammen mit Verso Books anlässlich des 140. Geburtstages Rosa Luxemburgs die Veröffentlichung des ersten Teils der englischsprachigen Gesamtausgabe ihrer Schriften: Die Briefe. Podiumsdiskussion mit Dramaturg David Edgar, Redakteurin Lea Haro, Kulturhistorikerin Lesley Chamberlain und Susie Orbach, feministische Psychoanalytikerin, Moderation. Die britische Schauspielerin Harriet Walter liest als «special guest» anschließend aus den Briefen.
London, 8. März, 19 Uhr: The Letters of Rosa Luxemburg launch at the London Review Bookshop Special International Women's Day talk 100 Jahre Internationaler Frauentag, 140 Jahre Rosa Luxemburg. Vorstellung der Briefe und Diskussion mit Nina Power u.a. Dr. Nina Power ist Dozentin in Philosophie an der Roehampton University in London und radikale Feministin. Sie ist Ko-Autorin der englischen Ausgabe von «On Beckett», Alain Badiou, London, 2003 und freie Mitarbeiterin bei «The Guardian» und anderen Publikationen
Der London Review Bookshop verkauft nicht nur Bücher, regelmäßige Events wie Lesungen und Debatten machen den Buchladen zu einem vitalen Zentrum für intellektuellen Austausch.
New York, 18. - 20. März: The Legacy of Rosa Luxemburg Zur Feier des 140. Geburtstages von Rosa Luxemburg wird die geplante Gesamtausgabe der Werke von Rosa Luxemburg auf dem «Left Forum 2011» vorgestellt. «Left Forum» nennt sich die größte US-Konferenz zum Austausch linker Ideen, die jedes Jahr im Frühling ein breites Spektrum an politischen Intellektuellen, AktivistInnen und Organisationen aus der ganzen Welt zum gemeinsamen Austausch zusammenbringt. Rosa Luxemburgs Analyse der Logik des Kapitals ist heute so aktuell und prägnant wie damals. Das Panel will die Relevanz des Wirkens der Revolutionärin für neue Generationen erörtern. Verso Books und die Rosa-Luxemburg-Stiftung präsentieren die Diskussion um «das Erbe der Rosa Luxemburg» mit: Paul Le Blanc und Peter Hudis, Herausgeber von «The Complete Works of Rosa Luxemburg», Scott McLemee, New Politics, Annelies Laschitza, Rosa Luxemburg-Biografin; Moderation: Suzi Weissman, Critique, Against the Current
London, 22. März, 18:30 Uhr: «Freedom is always freedom for the one who thinks differently» Rosa Luxemburg for our times Öffentliche Vorlesung am London School of Economics (LSE) mit Jacqueline Rose, Professorin am Department of English, Queen Mary, University of London Jacqueline Rose wird argumentieren, dass das Erbe Rosa Luxemburg's an Wichtigkeit zunimmt, dass sie uns als Marxistin und Frau auf eine einzigartige Weise vieles über die Beziehungen zwischen politischem Kampf und der Freiheit des Geistes lehren kann. Ihre Gedanken und Ziele wirken sich auf das aktuelle Geschehen aus, vom Bildungskahlschlag durch die derzeitige Regierung in Großbritanien bis zu dem scheinbar endlosen Konflikt im Nahen Osten.
Audincourt, 8. März: Journée Internationale des Femmes et 140 ème anniversaire de la naissance de « Rosa Luxemburg, portrait d'une femme révolutionnaire » avec Ramona Hering (Responsable des questions d’Europe Fondation Rosa Luxemburg à Berlin, qui évoquera la vie et l'oeuvre de la militante révolutionnaire assassinée à Berlin en 1919) Et Hervée de Lafond (Co-directrice du théâtre de l'Unité, qui lira quelques lettres de Rosa Luxemburg écrites depuis sa prison.Rose Luxemburg)
Beaumont, Marie/Rathaus, 14. - 26. März: Femmes d'Exception Rosa Luxemburg Esposition de la Fondation Rosa Luxemburg
Rosa Luxemburg auf der Linken Medienakademie (LiMA)
Anlässlich ihres 140. Geburtstages von Rosa Luxemburg wird die Rosa-Luxemburg-Stiftung bei der Linken Medienakademie verschiedene aktuelle Beiträge präsentieren.
Mehr zum Programm am 12. März 2011
13 Uhr: Rosa Luxemburg in ihrer Zeit – Biographisches Dr. Holger Politt, Philosoph, bereitet gegenwärtig die polnischen Schriften Rosa Luxemburgs zur Publikation im Dietz Verlag vor Rosa Luxemburg zählt heute weltweit zu den bekanntesten Persönlichkeiten im linken Spektrum. Und doch war sie vor allem eine Tochter ihrer Zeit, in der in weiten Teilen Europas die Arbeiterbewegung sich zu einer großen gesellschaftlichen und erfolgreichen politischen Kraft etablierte. Luxemburg verstand sich bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Sozialdemokratin, meinte dabei immer das Vorbild der SPD. Mit dem Kriegsausbruch begann eine intensive Neuorientierung, wobei Luxemburg Avantgarde-Konzeptionen skeptisch gegenübertrat.
14 Uhr : Rosa Luxemburgs Ideen und ihre Bedeutung für die Linken heute Dr. Evelin Wittich, Direktorin der Akademie für Politische Bildung der RLS Die Rosa–Luxemburg-Stiftung hat in den vergangenen Jahren mit ihren internationalen ProjektpartnerInnen zahlreiche Konferenzen zur Person Rosa Luxemburgs, ihren Werken und ihrer Rezeption in verschiedenen linken Strömungen durchgeführt. Einige der Diskussionen, die sich ausgehend von ihren Vorstellungen über die Veränderbarkeit der Welt mit den Fragen zur Entwicklung der Linken in Europa und weltweit befassten, sollen durch diesen Beitrag vorgestellt und fortgesetzt werden.
15:30 Uhr: Neu gefundene Dokumente von und über Rosa Luxemburg Prof. Dr. Annelies Laschitza, Historikerin, Rosa-Luxemburg-Biografin Im Laufe ihrer Forschungen stieß Annelies Laschitza, insbesondere in Moskauer Archiven, auf eine Reihe bisher nicht bekannter Briefe und Dokumente aus der Feder Rosa Luxemburgs oder von ZeitzeugInnen, die sich auf sie bezogen. Einige dieser Funde werden vorgestellt und näher beleuchtet werden, sie vertiefen die Sicht auf das Wirken Luxemburgs und differenzieren das Bild der Revolutionärin in Bezug auf verschiedene Auseinandersetzungen, etwa ihr Verhältnis zur Reichstagsfraktion der SPD.
16:30 Uhr: Rosa Luxemburg oder: Die Freiheit der Andersdenkenden. Die verweigerte Rezeption heute Dr. Jörn Schütrumpf, Historiker, dietz Verlag Berlin Wenn auch die offizielle Geschichtsschreibung bezogen auf Rosa Luxemburg in den vergangenen Jahren zunehmend eine differenziertere Geschichtsschreibung zu erkennen gibt, so kommt es doch noch immer, insbesondere von Seite konservativer und sozialdemokratischer Historiker, zu Angriffen und Infragestellungen zentraler Aussagen ihrer Arbeiten wie der Forderung nach der «Freiheit der Andersdenkenden». Jüngste Vorschläge zur Umbenennung des Berliner Rosa-Luxemburg-Platzes zeugen von der Schärfe der Auseinandersetzungen.
«Rosa Luxemburg - Ich war, ich bin, ich werde sein»
Audio-Feature zum 140. Geburtstag am 5. März 2011
Hörbuch über Rosa Luxemburg, hrsg. vom RLS-Regionalbüro Brüssel
Hrsg. Rosa-Luxemburg-Stiftung Büro Brüssel 1 CD Laufzeit 77 Minuten, STEREO Autoren: Kerstin Lehmstedt, Richard Fasten Sprecher: Ulrike Sophie Kapfer, Till Hagen Tonmeister: Andreas Deyle Produzent: der apparat multimedia gmbh, Berlin für hörbuchFM Copyright Rosa Luxemburg Stiftung Büro Brüssel Gestaltung: Rosa Luxemburg Stiftung Berlin Das Hörbuch (77 Minuten Laufzeit) wurde ebenfalls anlässliche ihres 140. Geburtstages produziert. Sie können das Hörbuch unter dem Link downloaden. Viel Spaß! Download Audio-Feature (mp3) PDF-Dokument: Text des Audio-Features HörbuchFM: Streaming am 5./6. März 2011 Ausstrahlung: Samstag, 5. März 2011, 20 - 22 Uhr Wiederholung: Sonntag, 6. März 2011, 10 - 12 Uhr
Festivalwoche zu Rosa Luxemburg in Dakar
Parallel zum diesjährigen Weltsozialforum, das vom 5.-11. Februar 2011 im senegalesischen Dakar stattfand, organisierte die Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Festivalwoche anlässlich des 140. Geburtstages ihrer Namenspatronin.
Mehr zur Luxemburg-Woche in Westafrika
Mit einem breiten Diskussionsangebot zu Handlungsmöglichkeiten linker Kräfte lud das RLS-Büro Dakar in seine Räumlichkeiten ein. Bei Flag, Hibiskussaft und Yassa Poisson diskutierten eine Woche lang täglich mehr als 100 Personen über alternative Vorstellungen von Wachstum und Entwicklung, globale Migration und Ressourcenpolitik, solidarische Ökonomie in der Landwirtschaft und Projekte eines bedingungslosen Grundeinkommens, besuchten ein kleines Konzert der hundaranischen Sängerin und feministischen Aktivistin Karla Lara, sahen und diskutierten über den Film "Guelwaar" von Sembène Ousmane, einem der bekanntesten Filmemacher Senegals. Das WSF in Dakar war für die RLS eine besondere Chance, ihre Arbeit und Vorstellungen gesellschaftlicher Veränderung zu vermitteln. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Rosa Luxemburg als eine Symbolfigur für unkonventionelle Vorstellungen eines Lebens als Frau, als Vertreterin eines demokratischen Sozialismus, als Exilantin, als eine Person, die sich erdreistete, sich nicht zwischen Persönlichem und Politischem, zwischen Natur und Arbeit zu entscheiden, gerade in unserer internationalen Arbeit eine unglaubliche Strahlkraft hat. Das Interesse an ihr war immens, das Buch «Rosa Luxemburg ou le prix de la liberté» wurde uns am Stand der RLS auf dem WSF förmlich aus den Händen gerissen und nicht selten konnte man hören: "Ah, ihr seid also die Rosa Stiftung aus Luxemburg". Silke Veth, RLS
Die Rosa-Luxemburg kooperiert mit mehr als 40 ProjektpartnerInnen in Subsahara-Afrika. In Dakar, Johannesburg und in Kürze in Dar-es-Salam ist sie mit einem Regionalbüro präsent. Die Stiftung unterstützt den Widerstand und die Suche nach Alternativen der afrikanischen Bevölkerung.
Bibliotheksbestände Die nachfolgenden Bibliographien beinhalten bibliographische Datensätze zu Monographien, Aufsätzen und Artikeln von und über Rosa Luxemburg, welche in der Bibliothek der Rosa-Luxemburg-Stifung zur Benutzung vorliegen: