Sommer der Solidarität
Zehn Jahre ist es her, dass Angela Merkel sagte „Wir schaffen das“ und der „Sommer der Migration“ Europa in einen Moment des Aufbruchs versetzte. Was ist davon geblieben?
Wir erlebten einen beispiellosen Moment gesellschaftlicher Solidarität: Tausende Menschen engagierten sich ehrenamtlich, Bahnhöfe wurden zu Orten der Willkommenskultur und es entstand eine breite Bewegung, die zeigte, dass eine andere Migrationspolitik möglich ist. Doch statt diese solidarische Energie für echten gesellschaftlichen Wandel zu nutzen, reagierte die Politik mit Abschottung und Ausgrenzung.
Was 2015 als humanitäre Bewegung Konsens genoss, ist heute von einem dramatischen gesellschaftlichen und politischen Rechtsruck überschattet. Das Recht auf Asyl wird faktisch abgeschafft, während die AfD zur stärksten Kraft aufsteigt und ihre menschenverachtende Rhetorik nicht nur den politischen Diskurs vergiftet, sondern auch die aktuelle Bundesregierung zu offensichtlichen Rechtsbrüchen verleitet.
Wo sind die Errungenschaften von 2015 geblieben? Wie konnte aus dem Momentum der Solidarität ein Klima der Angst und des Hasses entstehen? Wir ziehen kritisch Bilanz, analysieren Kontinuitäten rassistischer Politik, beleuchten Widerstandspraktiken. Und wir fragen nach den Möglichkeiten einer wirklich solidarischen Zukunft. Denn die Frage ist nicht, ob Migration stattfindet, sondern wie wir als Gesellschaft damit umgehen.















