Intro zu dem Schwerpunkt „Antifaschistische Allianzen“
Seit den ersten Erfahrungen mit Faschismus gab es nicht nur viele Analysen, ihn zu verstehen, sondern auch viele Ansätze und Praktiken, ihn zu bekämpfen. Die in der Kommunistischen Internationale organisierten Linken verfolgten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Strategie der Bildung einer Einheitsfront der Arbeiterparteien und später einer – auch von bürgerlichen Kräften getragenen – Volksfront. Diesbezüglich gehörten die spanische Frente popular und die buchstäblich von der Straße in die Regierung gewählte französische Front populaire zu den prominentesten historischen Beispielen. Am 4. Juni 1936 übernahm in Frankreich die Regierung Leon Blum die Amtsgeschäfte – während zeitgleich Versuche, auch in der deutschsprachigen Emigration eine antifaschistische Volksfront aufzubauen, trostlos scheiterten. In Spanien wiederum putschten Teile des Militärs gegen das Bündnis aus Republikaner*innen, Sozialist*innen und Kommunist*innen.
Angesichts vieler Überlegungen für antifaschistische Allianzen in unserer immer bedrängteren Gegenwart haben wir Gäste aus Spanien und Frankreich zu einer Vortragstour nach Wuppertal, Potsdam (im Rahmen des über:morgen-Festivals), Hamburg und Leipzig eingeladen. Zudem erfahren Sie hier mehr zum Hintergrund.
Bernard Schmids für diese Reise geschriebener Hintergrundartikel analysiert den historischen Kontext der französischen Volksfront-Regierung. Über das „ambivalente Vermächtnis“ der Volksfront und ob sie auf lange Sicht nun eine „Linksverschiebung oder Anpassung“ bedeutet habe, diskutieren Mario Candeias und Kasper Braskén. Auch das Wuppertal-Komitee und die grenzüberschreitende Solidarität mit verfolgten deutschen Gewerkschaftern Mitte der 1930er-Jahren waren vom Volksfrontgedanken getragen. Sebastian Weiermann hat sich auf deren Spuren zu einem aktiven Gedenken ins Widerstandsmuseum Amsterdam begeben.
Für diesen Schwerpunkt stellen wir mit „Antifaschismus“ und „Einheitsfront“ zwei weitere Einträge aus dem Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus zur Verfügung. Zugleich möchten wir in diesem Zusammenhang an Clara Zetkins Faschismus-Referat von 1923 erinnern, das einen der ersten Versuche darstellte, mit dem Anfang der 1920er-Jahre noch neuartigen Phänomen politisch umzugehen.
Unser Bildungsmodul „Antifa, ja klar!“ greift mehrere historische Aspekte auf, und zur Geschichte des Spanischen „Bürgerkriegs“ bieten wir Folge 10 des Podcasts Rosalux History. Brigitte und Gerhard Brändle haben kürzlich biografische Angaben von Freiwilligen zusammengestellt, die aus Württemberg zur Verteidigung der Republik nach Spanien zogen.
Wir hoffen, dass unser Schwerpunkt dazu beiträgt, die notwendige Diskussion über antifaschistische Strategien durch die Auseinandersetzung mit historischen Erfahrungen zu bereichern, und wünschen viel Spaß bei der Lektüre.




