| Studie «Gestaltung kritischer politischer Bildung in Zeiten digitaler Transformation»

Handlungsempfehlungen für die Etablierung von digitalen Bildungsangeboten in der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Aufforderung zur Angebotsabgabe

Bewerbungsschluss: 28.2.2019

Durchführungszeitraum: April-Juni 2019

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung schreibt eine Studie zum Thema „Gestaltung kritischer politischer Bildung in Zeiten digitaler Transformation. Handlungsempfehlungen für die Etablierung von digitalen Bildungsangeboten in der Rosa-Luxemburg-Stiftung“ aus. 
 
Der Auftrag für die Studie wird als Werkvertrag mit einem Honorar von 5.000 Euro (brutto) erteilt. Zusätzlich können Reisekosten für die Teilnahme an Besprechungen, (Zwischen)-Präsentationen etc. in Berlin erstattet werden.

Kontextualisierung des Auftrages: Unser Begriff von Kritischer Politischer Bildung 

Von ihrem Anspruch her will linke Bildung eine emanzipatorisch-bessere Form aufweisen und die Bildungsinteressen der Teilnehmenden zum Ausgangspunkt des Lernens machen. Sie sollen weder frontal belehrt noch in festgesteckte Kursmodule eingezwängt werden. Gestaltungsspielräume sollen den Lernenden im Prozess der Aneignung zur Verfügung gestellt werden. Wissensvermittlung alleine ist zu wenig. Es sollen auch Handlungskompetenzen ausgebildet werden – und zwar gerade auch was die Ausgestaltung des Lernprozesses selbst angeht. Haltungsfragen des Politischen sollen zum Lernziel gemacht werden, Vernetzungen zwischen den Lernenden  entstehen, unterschiedliche Perspektiven erlernt und auch geschätzt werden.

Kritische Politische Bildung ist Teil eines emanzipatorischen Politikprojekts, das durch Eigenschaften wie Aufklärung, Autonomie und soziale Gerechtigkeit gekennzeichnet ist. Dieses will sie unterstützten, indem sie gemachte Erfahrungen und Wissen weitergibt, Kritikfähigkeit anregt und die Fähigkeiten der Teilnehmenden entwickelt, um in politische Auseinandersetzungen erfolgreich einzugreifen. Erfolgversprechend werden solche Interventionen aber nur sein, wenn sie handwerklich gut sind – im Idealfall besser als die der politischen Konkurrenz. Da ein linkes Politikprojekt aber wesenhaft auf Solidarität und Selbstbestimmung zielt, können ihre Politikmuster aber auch nicht einfach dieselben sein, wie die der Kräfte, die auf Beharrung ausgerichtet sind. Linke Politik muss sich sowohl im Inhalt wie auch in der Form von jener unterscheiden, die sie kritisiert. 

Fragestellung der Studie: Digitale Bildung und kritische Politische Bildung

In den kommenden Jahren soll ein Prozess in der Rosa-Luxemburg-Stiftung angestoßen werden, quantitativ wie auch qualitativ neue Wege in der Vermittlung von Wissen, in der Ausbildung von linker Haltung und politischem Können von politisch Aktiven durch die Intensivierung bestehender wie auch die Etablierung neuer digitaler Angebote zu gehen. Die folgende Einschätzung ist aktuell in der Debatte der Stiftung vorherrschend: 

Kritische politische Bildung hat naturgemäß einen starken Fokus auf das „Face-to Face“ Lernen. Auch Kurssysteme über mehrere Wochen und Monate entsprechen ihrem Ansinnen gut, da Haltungs-und Kompetenzentwicklungen bei den Teilnehmenden  anders nur schwer zu organisieren sind. Gemeinsame Erfahrungsbildung und gemeinsamen Problemlösen sind wichtig. Es soll ein zusammen Prozess durchlaufen werden, der die TN verändert und nicht nur mit neuen Inhalten füttert.

Verbreitete digitale Vermittlungsformen und digitale Lerntools leisten i.d.R.  in diesem Sinne nur begrenzt Unterstützung. So können z.B. Lernvideos Wissen spannend und kurzweilig aufbereiten, einen Austausch auf Augenhöhe ermöglichen sie nicht, da der Wissensfluss nur einseitig von statten geht und die Dimension der Haltungsfragen und Kompetenzen naturgemäß zu kurz kommt. Neue digitale Tools, die in der Entwicklung sind, scheinen hingegen interaktiver angelegt zu sein und gemeinsame Arbeits- und Bildungsprozesse zu ermöglichen.  

Eine Studie zu „Gestaltung kritischer politischer Bildung in Zeiten digitaler Transformation. Handlungsempfehlungen für die Etablierung von digitalen Bildungsangeboten in der Rosa-Luxemburg-Stiftung“ soll daher folgenden Fragen nachgehen: 

  1. Vor welchen Herausforderungen stehen wir inhaltlich, wenn wir kritische politische Bildung in Zeiten der digitalen Transformation gestalten wollen, wenn wir davon ausgehen, dass Mündigkeit und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit heutzutage zwingend auch digitale Mündigkeit und Souveränität erfordern, da wir in einer zunehmend digitalisierten bzw. digital-analog verschränkten Welt leben?
  2. Welche digitalen emanzipativen Bildungspraktiken sind entwickelt bzw. bekannt? Wie lassen sich diese praktisch umsetzen? Welche für die RLS interessanten Projekte und Praktiken gibt es, aus deren Kenntnis Handlungsanweisungen bzw. Entscheidungskriterien für die zukünftige Auswahl von Tools abgeleitet werden können? 
  3. Wie können analoge und digitalen Angebote so kombiniert werden, dass sich ihre jeweiligen Stärken möglichst optimal im Sinne des Dreiecks von „Wissensvermittlung“ , einer „Ausbildung von Handlungskompetenzen“ und der Bearbeitung von „Haltungsfragen“ ergänzen?  
  4. Was bedeuten die gefundenen Antworten auf eben diese Fragen für die Etablierung einer Strategie in der RLS, in den kommenden Jahren bestehende analoge Angebote digital zu ergänzen wie auch neue digitale Angebote zu schaffen und damit zu einer quantitativ stärkeren und qualitativ anspruchsvollen Anbieterin kritischer  politischer Bildung zu werden?

    a) Wie lassen sich Lernprozesse mit digitaler Unterstützung in der RLS einführen und  erproben? 

    b)  Welche Akteure, Communities und potentielle Bündnispartner*innen gibt es für uns im Bereich der digital-unterstützten kritischen politischen Bildung für Austausch, Diskussion und kolaborativem Zusammenarbeiten? 

    c) Wie können wir auch über unsere direkten Bildungsangebote hinaus mithilfe digitaler Möglichkeiten mehr Menschen erreichen und Lernprozesse anstoßen? Wie veröffentlichen wir Bildungsinhalte, so dass sie weiter genutzt werden können? Wie und wo verbreiten wir sie?

Die Studie sollte einen Umfang von ca. 60.000 Zeichen haben und in deutscher Sprache verfasst sein. Zudem sollten 5-10 Fotos/Grafiken an die Auftraggeberin eingereicht werden, die für die Veröffentlichung frei nutzbar sind. Wir freuen uns über Vorschläge zu einer (teilweise) digitalen Gestaltung, Darstellung und Präsentation der Studie.

Wir bitten bis zum 28. Februar 2019 um eine geeignete Bewerbung, aus der die geplante Bearbeitung bzw. Gliederung der Studie ersichtlich ist sowie einen kurzen Lebenslauf mit Referenzen zum Thema an

Silke Veth, Direktorin der Akademie für Politische Bildung (silke.veth@rosalux.org)