Ausschreibung | Studie Aktuelle Entwicklungen des Antisemitismus in Deutschland und Europa

RLS-RV-2019-39; Angebotsfrist: 20.10.2019 24:00

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung beabsichtigt die Vergabe von Honorarleistungen zur Durchführung einer Studie unter dem Arbeitstitel „Aktuelle Entwicklungen des Antisemitismus in Deutschland und Europa im Zusammenhang und Zusammenspiel mit anderen Formen des Rassismus“. Der Auftrag für die Studie wird als Werkvertrag mit einem Honorar von 10.000 Euro (brutto, inkl. projektbezogene Ausgaben) erteilt.

Kontext des Auftrages

Antisemitismus ist nach der Schoah nicht aus Deutschland, Europa und anderen Regionen verschwunden, wie wir aus vielen Untersuchungen und Schilderungen Betroffener wissen. Er stellt in erster Linie eine direkte Gefahr für die betroffenen Jüdinnen und Juden dar und führt gleichzeitig in den Gesellschaften, in denen er virulent werden kann, zur Aushöhlung von Solidarität, Inklusion, Gleichberechtigung, Demokratie und Menschenrechten. Die RLS befasst sich seit ihrer Gründung mit dem Antisemitismus, reflektiert antisemitische Phänomene aus unterschiedlichen Blickwinkeln und untersucht unterschiedliche Aspekte in diesem Zusammenhang, wobei ein wichtiger Schwerpunkt die selbstkritische und –reflektierende Beschäftigung mit Antisemitismus in linken Zusammenhängen bildet.

Alarmierend sind in diesem Zusammenhang die Erhebungen der EU-Agentur für Grundrechte über die Antisemitismus-Erfahrungen der jüdischen Gemeinschaft. Demnach „haben neun von zehn europäischen Juden den Eindruck, dass der Antisemitismus in den letzten 5 Jahren zugenommen hat.“ (Vgl.: https://ec.europa.eu/germany/news/20181210-alarmierende-umfrage-antisemitismus-eu-nimmt-zu_de)

U.a. vor diesem Hintergrund hat sich die RLS dazu entschlossen, eine systematische Reihe von Veröffentlichungen und Veranstaltungen zu initiieren, die sich mit Antisemitismus und dessen Bekämpfung befassen.

Thema und Ziele der Literaturstudie

Das Thema der Studie sind aktuelle Entwicklungen von Antisemitismus in Deutschland und Europa im Zusammenwirken mit anderen Formen von Rassismus. Behauptet wird beispielsweise häufig, dass Menschen mit muslimischen Migrationshintergrund antisemitisch orientiert seien, zugleich sind sie selbst Objekt von antimuslimischen Rassismus. Derartige Zusammenhänge sollten theoretisch und empirisch in den Blick genommen werden. Auch können das Zusammenspiel mit antiziganistischem Rassismus aufgegriffen oder weitere Beispiele im Rahmen der Angebotsabgabe vorgeschlagen werden.

Die Studie soll eine kritische Literaturübersicht bieten, deren Einordnung und Bewertung aktueller Forschungen als Grundlage für verschiedene Arbeitsfelder der RLS im In- und Ausland genutzt werden können. So können die Ergebnisse in der politischen Bildungsarbeit, etwa in der Jugendbildung, gezielt eingesetzt werden oder/und politische Kontroversen, etwa im Spannungsfeld von Migration, Rechtspopulismus sowie zum Nahost-Konflikt und in der Geschichtspolitik aufgemacht und fundiert diskutiert werden. Darüber hinaus kann sie zur Verbesserung einer differenzierten Argumentationsfähigkeit für die RLS, deren Kooperationspartner*innen, DIE LINKE und die Linke beitragen. Die Zielgruppe ist die RLS selbst sowie ihr wissenschaftliches und politisches Umfeld.

Das Hauptaugenmerk sollte auf Einschätzungen darüber liegen, was aktuell die wichtigsten und gefährlichsten Erscheinungsformen und Entwicklungen von Antisemitismus in Deutschland und Europa sind, um daraus Strategien der Bekämpfung ableiten zu können.

Weitere Informationen sowie die Vergabeunterlagen erhalten Sie über den folgenden Link zur Vergabeplattform: https://vergabekooperation.berlin/NetServer/TenderingProcedureDetails?function=_Details&TenderOID=54321-Tender-16d5ed1f933-1b9117cbcb7b9f3f