Ausschreibung | Promotionsstipendium: Von der SED zur PDS: Die Transformation der DDR-Staatspartei in der Demokratie

Ausschreibung für die Förderung eines Promotionsstipendiums durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Bewerbung bis 1.4.2020

Die SED schien 1989 gemeinsam mit dem von ihr geführten Herrschaftssystem der DDR zu zerbrechen. Doch der schrittweise neu aufgestellten Partei gelang es trotz der massiven Verluste an Mitgliedern und Machtressourcen, sich durch Umbenennung in PDS und den Aufstieg einer jüngeren Funktionärsgeneration zu etablieren. Die PDS konsolidierte sich in den folgenden Jahren unter für sie völlig neuen Bedingungen als Vertretung ehemaliger DDR-Eliten, als „Kümmererpartei“ für die nunmehr Benachteiligten in der Transformationsgesellschaft und als erfolgreiche ostdeutsche Regionalpartei, die bis in den Westen ausstrahlte. Damit wurde sie mittelfristig zu einem dauerhaften Faktor in der politischen Landschaft der Vereinigungsgesellschaft, zum einen als linkssozialdemokratische, zum anderen als antikapitalistische Kraft.

Diese Transformation zur postkommunistischen Partei wurde Ende der 1990er Jahre von verschiedenen sozialwissenschaftlichen Studien beschrieben. Der nunmehr mögliche Zugang zu internen Akten und der zeitliche Abstand erlauben eine zeithistorische Neuanalyse anhand interner Dokumente und neuer Perspektivierungen. Das Dissertationsprojekt soll untersuchen, wie sich die PDS seit dem Herbst 1989 personell, organisatorisch und programmatisch transformierte und in den 1990er Jahren entwickelte. Dies soll sowohl auf der Leitungsebene als auch anhand ausgewählter Fallstudien zu Landesverbänden geschehen. Dabei wird über eine Akteursanalyse hinaus eine gesellschaftsgeschichtliche Einbettung angestrebt, die unter anderem folgende Aspekte behandeln sollte:

  • Organisatorische, finanzielle und personelle Entwicklung des Parteiapparates
  • Programmatische Rolle in der Vereinigungsgesellschaft
  • Biografische Kontexte maßgeblicher Akteure auf zentraler und regionaler Ebene
  • Entwicklung und Selbstverständnis im Kontext parlamentarisch-demokratischer Systeme
  • Gesellschaftliche Verankerungen und Interaktionen

Die wissenschaftliche Anbindung und Betreuung der Dissertation erfolgt am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam durch Prof. Dr. Frank Bösch und Dr. Jens Gieseke, die Promotion an der Universität Potsdam. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt die/den Bearbeiter*in durch Zugang zu den Archivunterlagen der 1990er Jahre zu und bei der Erschließung neuer Bestände, die die Grundlage für diese Forschungsarbeit bilden sollen. Das Projekt steht dabei in einem Forschungszusammenhang mit weiteren Promotionen, die der Kommission zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien die Neugründung bzw. Transformation anderer Parteien in Ostdeutschland seit 1990 untersuchen.

Die Ausschreibung richtet sich primär an Absolvent*innen geschichtswissenschaftlicher Studiengänge, die bereits Erfahrungen in der jüngeren Zeitgeschichte gesammelt haben. Absolvent*innen sozialwissenschaftlicher Studiengänge sollten Erfahrungen in relevanten historischen Feldern aufweisen.

Die Bewerbung erfolgt online über das Bewerbungsportal über «thematische Promotion»; dieses öffnet ca. Mitte Februar und ist über diesen Link zu erreichen:

https://www.rosalux.de/stiftung/studienwerk/bewerbung/

Bewerbungsschluss ist der 1.4.2020.
 

Neben Informationen, die im Portal direkt erfasst werden (Motivationsschreiben, Angaben zum gesellschaftlichen Engagement) müssen Sie folgende Dokumente im PDF-Format hochladen:

  • Tabellarischer Lebenslauf
  • Abschlusszeugnis des Studiums
  • Nachweise zum gesellschaftlichen Engagement
  • Kopie des Passes (wenn Sie nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen)
  • Kopie des Aufenthaltstitels oder des Visums für Deutschland (sofern schon vorhanden und wenn Sie Staatsbürger*in eines Nicht-EU-Landes sind)
  • Ein Kurzexposé (max. 1 Seite)
  • Arbeits- und Zeitplan
  • Ein Exposé mit bis zu 25.000 Zeichen, das Forschungsfragen, methodische Zugänge, Bezüge zum Forschungsstand und ein kommentiertes Inhaltsverzeichnis enthält.

Die Förderung beginnt am 1.10.2020.

Bei inhaltlichen Rückfragen wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Frank Bösch (boesch@zzf-potsdam.de) und Dr. Jens Gieseke (gieseke@zzf-potsdam.de). Organisatorische Rückfragen richten Sie bitte an studienwerk@rosalux.org.