Dokumentation Wer kann die neue Zukunft machen?

Soiree mit Kunst, Politik, Performance und Poetik. Videolivestreammitschnitte der Eröffnung der «Linken Woche der Zukunft» mit Volker Braun, Katja Kipping, Frigga Haug, Anke Domscheit-Berg, Margarita Tsomou, Dietmar Dath u.a.

Information

Veranstaltungsort

Volksbühne, Grüner Salon
Rosa-Luxemburg-Platz
10178 Berlin

Zeit

23.04.2015

Veranstalter

Annekathrin Müller,

Themenbereiche

Gesellschaftliche Alternativen, Commons / Soziale Infrastruktur, Kultur / Medien, Digitaler Wandel, Kommunikation / Öffentlichkeit, Kunst / Performance, International / Transnational, Europa / EU, Digitalisierung und Demokratie, Sozialismus

Volker Braun, 2015
«Nun haben wir eine Biographie. Aus dem Widerstand und der Geducktheit tretend, haben wir jeder eine Geschichte durchlaufen, unter die ein harter Strich gezogen wird. Unter die alten Wahrheiten. Unter die alte Zukunft.» (Volker Braun, Werktage, Bd. 2)


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Zukunftsrede von Volker Braun

Volker Braun hat Zeitendwenden miterlebt. Geboren 1939 in Dresden, hat er die meisten Jahre seines Lebens in der DDR verbracht, war dort im Bergbau tätig, später Student, dann Dramaturg und schließlich Autor. Er war so kritisch wie solidarisch mit «seinem Land» und fand für dessen Ende die traurig-schönsten Worte: «(…) Was ich niemals besaß wird mir entrissen./ Was ich nicht lebte, werd ich ewig missen. (…)». Nach der Wende arbeitete er mit W.F. Haug für die Zeitschrift «Das Argument» zusammen und leitete bis 2010 die Akademie der Künste in Berlin.
 

Womit zieht die neue Zeit? Commons, Share-Economy und 4in1 –  Alternativen zum Kapitalismus

Dass «jede alte Gesellschaft mit einer neuen schwanger geht» wusste schon Marx. Was das heute – nach dem Scheitern von Staatsozialismus und neoliberalem Kapitalismus –  genau bedeutet, wissen wir noch nicht. Zwar ist vielen Menschen angesichts der sozialen und ökologischen Krisen klar, dass es so, wie bisher, nicht mehr weitergehen kann. Doch wie eine emanzipatorische Überwindung des Krisenkapitalismus aussehen und woran sie konkret anknüpfen kann, wird heiß diskutiert. Vor diesem Hintergrund wollen wir verschiedene Ansätze zur Neubegründung grundlegender gesellschaftlicher Veränderung diskutieren. 

Podiumsteilnehmer*innen:

  • Es ist leicht, enthusiastisch in Bezug auf das Internet zu sein. Zu leicht, findet Evgeny Morozov. Der Publizist und Netzwerkexperte schüttet Wasser in den Wein und mahnt vor Repression, Überwachung und viel unbezahlter Arbeit im world wide web. Morozov arbeitet an der Standford University in Kalifornien, veröffentlicht u.a. in der FAZ und in der Zeit und beschäftigt sich mit den politischen und sozialen Chancen von Technik. Er kritisiert zugleich die Annahme, das Internet sei per se demokratisch und bringe politischen Wandel. Eine seiner Diagnosen lautet: «Demokratie ist von Natur aus nicht effizient, Technokraten gefährden sie.»
  • Die Feministin Frigga Haug hat in ihrer Untersuchung «Sternschnuppen. Zukunftserwartungen von Schuljugend» viele Geschichten «mit Zukunftsangst wie solche mit himmelblauem Glück» geschildert bekommen. «In beiden Fällen können die Träumenden nicht eingreifen.» Zuweilen wird die Vorstellungen von einer anderen Welt zwar spürbar, werden sogar gesellschaftliche Bedingungen von Glück genannt. Doch bedarf es einer Pädagogik, «die Kinder zur Handlungsfähigkeit» ermutigt. Sonst komme es «bestenfalls zu einer Art poetisch passiver Sehnsucht». Haug liefert auch einen Kompass, der keine fertige Alternative bietet, aber einen Kompass, um die Richtung immer neu zu bestimmen, die «4in1-Perspektive».
  • Anke Domscheit-Berg, Publizistin, Aktivisten, Ex-Piratin, fragt, wie die 3. Industrielle Revolution unser Leben verändert und wie wir dafür sorgen können, dass die Chancen Zukunft werden und nicht die Risiken? Was tun gegen einen Überwachungsstaat 2.0? Welche Potenziale bringt die 3D Druck-Technologie? Und was passiert mit den Arbeitsplätzen in einer Roboter-und-Algorithmen-Gesellschaft? Wie können wir dafür sorgen, dass digitale Spaltungen überwunden werden? Es braucht Technopolitics, damit aus Zukunftsträumen keine Albträume werden.
  • Katja Kipping moderiert den Abend und ist Parteivorsitzende DIE LINKE, Bundestagsabgeordnete und sozialpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Geschichte ist ein rauchender Revolver

Stand-up Performance mit Margarita Tsomou mit Giorgos Kakanakis und Sotiris Mitsios vom Performance-Kollektiv "The Erasers" (Athen/Berlin)

Auf der Suche nach einer autonomen Raum-Zeit-Zone irgendwo zwischen Walter Benjamins Engel der Geschichte und Kafkas Freiheitsstatue, die die Schwerter schwingt. Jenseits der begrenzten Visionen von Utopie und Dystopie denken wir die Zukunft als einen Ort, in dem vielfältige Heterotopien Platz haben. Ein Bruch mit der linearen Zeit der Geschichte, ein Jonglieren mit Zeitkapseln, ein Versuch, die Aufopferung des Lebens für die ökonomische Rationalität aufzuhalten. Die hässliche Fratze des wahnhaften Rationalismus lächelt uns an – ein Bild aus der Zukunft.
Bewegte Bilder, Standbilder, Action, Lesung, Übersetzung, Fakten, Affekte, Propaganda, Musik, Biographien, Körper unter Strom – das ist das Werkzeug für die offene Erzählstruktur von HISTORY IS A WARM GUN.
Die Kapitel: DIE ZUKUNFT DER GEGENWART/ DIE ZUKUNFT DES UNSICHTBAREN/DIE ZUKUNFT DER ZAHLEN/DIE ZUKUNFT DER MASSEN/DIE ZUKUNFT DER ZUKUNFT

Margarita Tsomou scheut sich nicht vor vermeintlich heißen Eisen. Die 1977 in Thessaloniki/Griechenland geborene Journalistin schreibt und organisiert Veranstaltungen zum Thema Sexarbeit oder fordert kämpferisch das Griechenlandbild der bürgerlichen Medien heraus. Als Kulturwissenschaftlerin ist sie nicht nur Mitherausgeberin des «Missy Magazines» und kuratiert Ausstellungen, sondern tritt auch als Performerin auf. Margarita ist Stipendiatin der RLS. Sie lebt und arbeitet Berlin.
 

Dath liest

Dietmar Dath kennt sich aus mit Zukünften. Er schafft selber welche, im Roman. Maschinenwinter oder Implex, um nur zwei zu nennen. Er spinnt nicht nur technologische Entwicklung in eine ferne Jetztzeit, sondern blickt mit gesellschaftstheoretisch geschärften Blick auf Mögliches. Herrschaftskritisch und zugleich in der Perspektive eines «Systems der gemeinschaftlichen, arbeitsteiligen, demokratischen Produktion auf dem Stand der höchstentwickelten Technik». An diesem Abend liest er aus seinen Werken.

Es ist leichter, zu beschreiben, was Dietmar Dath (1970 geboren in Rheinfelden) nicht tut, als zusammenzufassen, was er tut. Der Autor, Journalist und Übersetzer schreibt Sachbücher über Rosa Luxemburg oder Romane über Zombies. Er veröffentlicht Gedichte darüber, «wie es sein sollte» oder rackert sich an Lenin ab. Er war Chefredakteur der Musikzeitschrift Spex und Feuilletonredakteur der ultrabürgerlichen FAZ. Doch der Planet Erde scheint ihm nicht mehr genügend Betätigungsfelder zu geben, sein neues Buch spielt auf der Venus.

Wer kann die neue Zukunft machen?

Soiree mit Kunst, Politik, Performance und Poetik. Eröffnung der «Linken Woche der Zukunft» mit Volker Braun, Katja Kipping, Frigga Haug, Anke Domscheit-Berg, Dietmar Dath u.a.

Eröffnung der Linken Woche der Zukunft

Berlin, 23.4.2015. Linke Woche der Zukunft, 23. bis 26.4.2015: 81 Veranstaltungen, 200 ReferentInnen, 1000 Gäste

Zukunftsrede von Volker Braun

Mitwirkende

Volker Braun,

Eröffnungsabend der Linken Woche der Zukunft, 23.4.2015

Womit zieht die neue Zeit?

Commons, Share-Economy und 4in1 – Alternativen zum Kapitalismus. Eine politische Debatte, moderiert von Katja Kipping. Sie diskutiert mit Evgeny Morozov, Frigga Haug und Anke Domscheit-Berg.

Geschichte ist ein rauchender Revolver

Mitwirkende

Margarita Tsomou,

History is a warm gun - Stand-up Performance mit Margarita Tsomou mit Giorgos Kakanakis und Sotiris Mitsios vom Performance-Kollektiv "The Erasers" (Athen/Berlin).

Dath liest

Lesung mit Dietmar Dath

Fotogalerie: Linke Woche der Zukunft 2015

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung organisierte im Rahmen der «Linken Woche der Zukunft» vom 23. bis 26. April 2015 in Berlin über 30 Veranstaltungen in unterschiedlichen Formaten: Ausstellungen, Performances, Filme, Lesungen, Salon-Gespräche, internationale Podien und strategische Debatten.