Dokumentation Fritz Bauer und der Unrechtsstaat

«Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.» Szenische Lesung und Diskussion auf dem Fest der Linken.

Information

Zeit

12.09.2015

Veranstalter

Michaela Klingberg,

Themenbereiche

Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Kultur / Medien, Kunst / Performance, 70 Jahre. Befreiung! Neuanfang?

Zugehörige Dateien

Vor 50 Jahren, im August 1965, ging vor dem Frankfurter Landgericht nach 20 Verhandlungsmonaten und 183 Verhandlungstagen der Auschwitz-Prozess zu Ende, der größte Prozess in der Geschichte der deutschen Strafjustiz.

Der Hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hatte diesen Prozess gegen den allgemeinen Widerstand von Politik und Justiz der damaligen Bundesrepublik durchgesetzt, damit «wir Gerichtstag halten über uns selbst, über die gefährlichen Faktoren unserer Geschichte.»

Das ist der Anlass, uns ein halbes Jahrhundert danach mit diesem Ereignis und seinem Initiator zu befassen. 1952 formulierte Fritz Bauer den Begriff «nazistischer Unrechtsstaat» und versuchte inmitten einer Justiz, die von braunen Seilschaften geprägt war und umgeben von einer Bevölkerung, für die Wegschauen, Verschweigen, Lügen, dreistes Unrechtsbewusstsein an der Tagesordnung waren, Erinnerung und Aufklärung zu ermöglichen. Sein Credo: «Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.»

Aus Plädoyers, Aufsätzen, Vorträgen, Essays, Interview-Antworten von Fritz Bauer ist diese Szenische Lesung zusammengefügt, kommentiert und kontrastiert von Zeitdokumenten und erweitert und vertieft durch «filmische Erinnerungen» an Fritz Bauer und seine Zeit. Eine Collage, die «die gefährlichen Faktoren unserer Geschichte» aufzeigt. In der anschließenden Diskussion geht es um das Fortwirken des Vergangenen in unserer Gegenwart.

Es lasen:

  • Rolf Becker
  • Michel Friedman
  • Gregor Gysi
  • Hannes Heer
  • Luc Jochimsen
  • Jan Korte
  • Franz Sodann

Textbuch: Luc Jochimsen, Regie: Franz Sodann

Es diskutierten:

  • Erardo Cristoforo Rautenberg, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg
  • Volkmar Schöneburg, MdL, Justizminister a.D. des Landes Brandenburg
  • Michel Friedman, Rechtsanwalt und Publizist
  • Hannes Heer, Kurator der ersten Wehrmachtsausstellung
  • Jan Korte, MdB, Autor zum Thema Rehabilitierung von Kriegsverrätern

Moderation: Luc Jochimsen, Florian Weis

Fritz Bauer und der Unrechtsstaat

Das Fest der Linken am Samstag den 12. September 2015 bei strahlendem Sonnenschein auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor der Volksbühne. Höhepunkt der Veranstaltung war die szenische Lesung «Auschwitz-Prozess: 50 Jahre danach - Fritz Bauer und der Unrechtsstaat» mit Rolf Becker, Michel Friedman, Gregor Gysi, Hannes Heer, Jan Korte, Regie: Franz Sodann, die Veranstaltubg fand in der Kalkscheune statt.

© Uwe Steinert, Berlin. www.uwesteinert.de

In der Ausgabe 4/2015 («Menschenrechtsbewegung in Deutschland und Politik der Menschenrechte«) des «Forschungsjournals Soziale Bewegungen» ist ein Beitrag von Erardo Cristoforo Rautenberg veröffentlicht worden:
«Die Bedeutung des Generalstaatsanwalts Dr. Fritz Bauer für die Auseinandersetzung mit dem NS-Unrecht». In seinem Beitrag geht Rautenberg auch auf die Diskussion über die DDR als «Unrechtsstaat» ein (S. 3). 
In dem Heft gibt es einen Sonderschwerpunkt zu Fritz Bauer. Folgende Beiträge aus diesem Heft sind ebenfalls online abrufbar:
«Offizielles Gedenken und politische Wirklichkeit» von Kurt Nelhiebel und «Nach den Wurzeln des Bösen fragen» von Fritz Bauer (bisher unveröffentlicht)