Dokumentation «Bilder der Solidarität»

Internationale Perspektiven auf den Spanischen Bürgerkrieg. Reihe zum Spanischen Bürgerkrieg startet mit der Eröffnung einer Ausstellung mit Fotos von Gerda Taro und Texten von Alfred Kantorowicz.

Information

Zeit

06.09.2016

Veranstalter

Henning Obens,

Mit

Walther L. Bernecker (Auslandswissenschaftler Nürnberg)

Themenbereiche

Geschichte, Parteien- / Bewegungsgeschichte, Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Spanischer Bürgerkrieg

Zugeordnete Dateien

«Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran»
Robert Capa

Seit dem 6. September hängen mehrere Bilder von dem Schriftsteller Alfred Kantorowicz und der Kriegsfotografin Gerda Taro aus dem Spanischen Bürgerkrieg, welcher oft in Vergessenheit geraten ist, im Foyer der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Veranstaltungsreihe und Fotoausstellung «Zwischen Grauen und Hoffnung» ist anlässlich der Erinnerung an den Putsch von Franco von vor 80 Jahren gegen die rechtmäßig 1936 gewählte Volksfront und dem daraufhin entflammten Bürgerkrieg in Spanien, in dem hunderttausende SpanierInnen Widerstand leisteten.

Die Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung Dr. Dagmar Enkelmann und der Kurator der Ausstellung Dr. Benedikt Behrens eröffneten den Abend im Foyer. Während Enkelmann vor allem auf die aufeinander treffende internationale Solidarität in Spanien gegen den aufziehenden Faschismus in Europa einging, welche sich thematisch durch den Abend und die Diskussionen zog, erläuterte der Kurator vor allem die Hintergrundgeschichte von Taro und Kantorowicz. Beide machten sich durch ihre moderne Kriegsfotografie einen bedeutenden Namen, wobei Taro neben ihrem berühmten Fotografen-Freund Robert Capa oft unterging, bis 2007/2008 ihre Bilder in einem Koffer in Mexico wiederentdeckt wurden. Taro zeichnete sich vor allem durch ihr Engagement und ihre Risikobereitschaft aus. Keine Frau hatte vorher so nah am Kriegsgeschehen dokumentiert wie sie. Jedoch kosteten sie ihr Engagement und Kühnheit am Ende das Leben, als sie bei einem Rückzug durch einen deutschen Bombenangriff von einem republikanischen Panzer überrollt wurde.

Neben den Schwarz-Weiß-Fotografien liegen beispielsweise Postkarten aus dem Spanischen Bürgerkrieg aus sowie die Originalausgabe von 1938 vom «Tschapaiew. Das Batalillon der 21 Nationen. Dargestellt in Aufzeichnungen seiner Mitkämpfer. Redigiert von Alfred Kantorowicz», außerdem wird ein zwanzigminütiger Dokumentar-Stummfilm von Henri Cartier-Bresson über den Spanischen Bürgerkrieg gezeigt.

Es folgte ein spannender Vortrag von Walther L. Bernecker, emeritierter Professor und profunder Kenner des Spanischen Bürgerkrieges, der vor allem die internationale Dimension des Konfliktes hervorhob. Neben der einmaligen internationalen Solidarität, welche sich durch den gemeinsamen Kampf verschiedener Nationalitäten in Internationalen Brigaden äußerte, ging es unter anderem auch um das Nichteinmischen-Komitee unter der Ägide von England und Frankreich. Während Hitler-Deutschland und Italien unter Mussolini trotz der formalen Mitgliedschaft im Nichteinmischungs-Komitee Franco in Spanien militärisch unterstützten, hielten sich Frankreich und England gezielt zurück. Zumal hatte die Spanische Republik eine schlechte Presse in Europa, sie galt als kirchen- und unternehmerfeindlich, außerdem waren England und Frankreich ihre Auslandsbeziehungen wichtig zueinander und es war Teil der damaligen Appeasement-Politik gegenüber Hitler und Mussolini. Bernecker hebt diesen Punkt speziell hervor, da diese Strategie Franco sehr in die Karten spielte und Bernecker der Überzeugung ist, dass der Bürgerkrieg ein anderes Ende hätte finden können, hätten England und Frankreich interveniert oder die Sowjetunion frühere Waffenlieferungen an die Spanische Republik getätigt.

In der anschließenden Diskussion kam schnell das Thema der geschichtlichen Verarbeitung des Franco-Putsches, des Spanischen Bürgerkrieges und der Franco-Diktatur auf. Kritisiert wurde an einer Stelle die uneinheitliche Aufarbeitung der Franco-Diktatur sowie unter anderem die anhaltende Finanzierung des Franco-Grabes vom Staat und dass sich bis jetzt nur zivile Organisationen für die Verlegung in Familiengräber der 20.000 standesrechtlich erschossenen SpanierInnen einsetzen. Walther L. Bernecker bemerkte dazu an dieser Stelle, dass es anders als in Deutschland beispielsweise nie einen Bruch mit der Franco-Diktatur gab; der Diktator herrschte ausnahmslos bis zu seinem Tod. Insbesondere diese Diskussion zeigte, dass die Erinnerung und das Gedenken an den Spanischen Bürgerkrieg sowie ihren KämpferInnen immer noch wichtig ist.

Die Veranstaltungsreihe beinhaltet drei weitere Veranstaltungen. Am 16. September wird die Taro-Biografin Irme Schaber in der Stiftung zu Gast sein und einen Vortrag über die Kriegsfotografin halten. Des Weiteren werden am 26. September der Literaturwissenschaftler Jürgen Schutte, Stefan Nadolny vom Peter-Weiss-Haus aus Rostock sowie die Schauspielerin Nina West anwesend sein. An diesem Abend wird es um Die Darstellung des Spanischen Bürgerkrieges in der «Ästhetik des Widerstandes» von Peter Weiss gehen. Die letzte Veranstaltung findet am 27. September im Seminarraum 1 der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt, geladen sind die Historikerin Ulrike Capdepón und der Historiker Alexandre Froidevaux, die unter dem Titel «Versteinerte Geschichte – Umkämpfte Gegenwart?» Debatten zum Spanischen Bürgerkrieg in BRD, DDR und Spanien diskutieren werden.

Lina Büßelmann, September 2016

Mehr zur Veranstaltungsreihe

«Einzigartige Fotos aus dem Spanienkrieg» neues deutschland, 8.9.2016

Gerda Taro – the First Woman Photographer on the Frontline Georgia Today, 29.9.2016

Mediathek

Dagmar Enkelmann: «Bilder der Solidarität»

Mitwirkende

Dagmar Enkelmann,

Benedikt Behrens: «Bilder der Solidarität»

Freiheit im Fokus