«Die Todesmärsche 1944/45»

Lesungen

Im Oktober führte die Rosa Luxemburg Stiftung gemeinsam mit dem Rowohlt Verlag aus Hamburg und weiteren örtlichen Trägern und Initiativen eine Leserreise durch, die den israelischen Historiker und Autor Daniel Blatman durch zwölf verschiedene Orte in ganz Deutschland führte. Von Berlin ging es über Dresden und Halle/Saale weiter nach Weimar, sodann folgten Saarbrücken und Bonn, schließlich wurden mit Celle, Bremervörden, Hamburg, Bremen und Lübeck verschiedene Stationen in Norddeutschland besucht. Ihren Abschluss fand die Leserreise in Oranienburg, in der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen. Vorgestellt wurde das Buch «Die Todesmärsche 1944/45. Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords», dessen deutschsprachige Ausgabe in diesem Jahr in dem Hamburger Verlagshaus herausgegeben wurde. Zuvor erschien das Buch bereits in Frankreich (2008), in Israel (2010) und in den USA (2011). Dem Autor Daniel Blatman gelang es mit diesem Buch, das Thema des letzten Kapitels der Massenmorde unter dem deutschen Nationalsozialismus für eine breitere Öffentlichkeit offenzulegen, er stellte erstmals einen repräsentativen Aus- oder Querschnitt dieses mitunter unterbelichteten Abschnittes im Terrorsystem Nazideutschlands vor. In den Rezensionen im deutschen Feuilleton wurde das Buch nahezu einhellig gelobt und als ein wichtiger, gar unerlässlicher Beitrag für das Verständnis des Schlusskapitels der deutschen Schreckensjahre gewürdigt.

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Der Vortrag

Berlin, 18.10.2011, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Die Todesmärsche:

Im Winter 1944/45 lässt die SS alle Konzentrationslager evakuieren, die alliierten Truppen in die Hände zu fallen drohen. Schwache und kranke Insassen werden zurückgelassen oder getötet, alle anderen zu Fuß oder per Eisenbahn in Lager auf dem Reichsgebiet gebracht. Wer unterwegs zusammenbricht oder zu fliehen versucht, wird auf der Stelle ermordet; viele erfrieren oder verhungern. Von den über 700 000 Häftlingen, die Anfang Januar 1945 registriert sind, kommen bei den Todesmärschen mindestens 250 000 ums Leben.
Daniel Blatman stellt dieses letzte Kapitel der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum ersten Mal umfassend dar. Anderes als zuvor spielten sich die Ereignisse nicht mehr im fernen Osteuropa ab, sondern auf deutschen Straßen und Feldern. Und die Mörder stammten nicht mehr nur aus den Reihen der SS, Polizei und Wehrmacht. Brutalisiert durch den Krieg und die NS-Propaganda, beteiligen sich nunmehr auch Zivilisten an Massakern und der erbarmungslosen Hatz auf „Volksfeinde“. So ist dieses Standardwerk auch ein erschreckendes Porträt der deutschen Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkrieges.
Dieses Buch lässt einen fassungslos zurück. Der israelische Historiker Daniel Blatman hat das letzte Kapitel der NS-Schreckensherrschaft so akribisch erforscht wie niemand vor ihm, das Ergebnis ist verstörend: Für die in Richtung Westen aus den Konzentrationslagern Evakuierten gab es keinen Fluchtort; die Häftlingstrecks gerieten mitten hinein in den allgemeinen Rückzug Millionen Deutscher aus den von der Roten Armee überrollten Ostgebieten und die Auflösung der Wehrmacht. Bei Massakern an den ausgehungerten Juden, Kriegsgefangenen, Sinti und Roma oder Kommunisten mischten auch viele «normale Bürger» tatkräftig mit. Außerhalb von Lagerzaun und Stacheldraht wirkten die abgerissenen Elendsgestalten auf viele Zivilisten offenbar so irritierend «anders» und «beängstigend», dass der Impuls übermächtig war, an ihrer Beseitigung mitzuwirken – wobei es nicht einmal des von Daniel Jonah Goldhagen konstatierten «eliminatorischen Antisemitismus» bedurfte.

Text: Rowohlt Verlag

Der Autor:

Daniel Blatman, geboren 1953 in Israel, ist Direktor des Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry der Hebrew University of Jerusalem. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der polnischen Juden und der Shoah vorgelegt. Für sein Buch über die Todesmärsche hat er zehn Jahre geforscht.

Das Buch:

Daniel Blatman:
Die Todesmärsche 1944/45
Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords
Rowohlt, 2011
Hardcover, 864 S.
34,95 €
ISBN 978-3-498-02127-6

Mehr Informationen auf der Seite des Rowohlt Verlages.

Die OrganisatorInnen:

  • Rosa-Luxemburg-Stiftung
    Franz-Mehring-Platz 1
    10243 Berlin
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    Telefon: 030 44 310 161, Fax 030 44 310 230
    bey@rosalux.de
    Mitwirkung:
    Dr. Holger Politt
    Telefon: 0171 12 97 287
    politt@dietzberlin.de    
  • Rowohlt Verlag GmbH
    Hamburger Str. 17, 21465 Reinbek
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Copyright Buch-Cover und Karte: Rowohlt Verlag, Zeichnung: Peter Palm