Bildungsmodul «Linke Perspektiven auf den Nahostkonflikt»

Das Bildungsangebot

Kein anderer internationaler Konflikt wird so kontrovers und emotional in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit seitens der gesellschaftlichen und organisierten Linken diskutiert wie der Konflikt um Israel und Palästina. Die Konfliktlinien im Nahen Osten erscheinen allzu gefestigt und etabliert in der jeweiligen Wahrnehmung, was zu einfachen Antworten und generalisierenden Schlussfolgerungen verleiten kann. In der Realität stellt sich der Konflikt hingegen als vielschichtiger und komplexer dar, als es die Diskussionen in der politischen Linken hierzulande bisweilen nahelegen. 

Vor diesem Hintergrund ist der Nahostkonflikt ein wichtiges Thema für linke politische Bildungsarbeit. Die Rosa Luxemburg Stiftung hat hierzu für die bundesweite Arbeit ein auf Langfristigkeit angelegtes systematisches Veranstaltungsangebot entwickelt und hierbei Anregungen aus den Landesstiftungen aufgegriffen. Die Seminarreihe, die verschiedene Veranstaltungsformate inhaltlich und didaktisch miteinander verbindet, will Basiswissen und vertiefende Diskurse rund um den Konflikt im Nahen Osten vermitteln und ermöglichen. Hierzu werden methodische und inhaltliche Zugänge erarbeitet, die eine sachlich fundierte und wissenschaftlichen Kriterien entsprechende Annäherung und Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen sollen.

Das Angebot reflektiert besonders die Komplexität des Konfliktszenarios sowie den Pluralismus an Standpunkten im politischen und gesellschaftlichen Umfeld der Stiftung. Demgemäß wurde das weite Themenfeld in fünf Sachkapitel untergliedert, die für eine ergebnisoffene und Erkenntnis fördernde  Auseinandersetzung mit der Problematik sinnvoll erscheinen. Die Kapitel lauten:

  1. Israel und Palästina: Zionismus und Nakba
  2. Gesellschaft und Politik in Israel und Palästina.
  3. Die deutsche Linke und der Nahostkonflikt.

Die Kapitel des erarbeiteten Moduls beinhalten einen abwechslungsreichen Mix aus Vorträgen, Diskussionsrunden, Gruppenarbeit, Filmvorführung, Rollenspielen u. v. m.

1. Israel und Palästina: Zionismus und Nakba

Workshop 1 (1-Tages-Workshop)
Israel und Palästina: Zionismus und Nakba. Zwei Narrative, die einander ausschließen?

In der Geschichtswissenschaft beschreibt der Begriff der Meistererzählung (Masternarrative) den Prozess der Konstruktion sozialer, politischer, kultureller und besonders nationaler Identitäten. Es handelt sich um die großen, zusammenhängenden und auf den Nationalstaat orientierten Darstellungen von Historie zum Zwecke ihres öffentlichen Gebrauchs. Auf diese Weise bestimmen Meistererzählungen die öffentlichen Debatten wie auch die Ausrichtung der Staatsräson – sie stellen gleichsam eine Legitimationsgrundlage für vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Handeln her. Für Israel und Palästina kommen zwei und mit der deutschen Perspektive sogar drei, zueinander in Bezug stehende aber wenig kommensurable und konfliktäre Masternarrative in Betracht. Diese Masternarrative bilden die Matrix für die Wahrnehmung des Nahostkonflikts auch in der deutschen Linken.

Die Veranstaltung will die Konstruktionen der konkurrierenden israelischen und palästinensischen Masternarrative in ihrer Entstehung, Entwicklung und Bedeutung nachzeichnen und analysieren und auf diese Weise einen Beitrag zu einer sachlich-kritischen Debattenkultur leisten.

2. Gesellschaft und Politik in Israel und Palästina:

Workshop 2 (1,5 Tages-Workshop)
Gesellschaft und Politik in Israel und Palästina

Im Sommer 2011 erreichte der gesellschaftliche Protest gegen die neoliberale Sozialpolitik der israelischen Regierung zuvor ungekannte Ausmaße. Eine neue soziale Bewegung entstand, die eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums und eine Demokratisierung des Landes forderte. Hoffnung auf eine Politikwende keimte auf, von welcher auch Impulse für die Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina ausgehen könnten. Zugleich steht die einseitige Ausrufung eines palästinensischen Staates durch die Autonomiebehörde im Raum. Seit dem Frühjahr schon sind die arabischen Nachbarstaaten in Bewegung, in Aufruhr oder stehen inmitten revolutionärer Prozesse. Der Nahe Osten verändert sich rasant. Der Workshop möchte Grundlagen der Sozialstruktur und Politikgestaltung Israels und Palästinas vermitteln und daraus ableitend die Frage erörtern, welchen Handlungs- und Gestaltungsspielraum zivilgesellschaftliche Akteure bei der politischen Partizipation haben. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Veranstaltung bilden:

  • Analyse der sozialen Struktur Israels und Palästinas.
  • Die Zivilgesellschaft als demokratischer Faktor.
  • Zivilgesellschaftliche Akteure in Israel und Palästina.
  • Rollenspiel zu „Konflikt und Dialog zwischen israelischen und palästinensischen Akteur_innen.
  • Perspektiven für ein israelisch-palästinensisches Masternarrativ.

3. Die deutsche Linke und der Nahostkonflikt

Workshop 3 (1-Tages-Workshop)
Die deutsche Linke und der Nahostkonflikt

Ziel der Veranstaltung soll es sein, Kontinuitäten und Brüche in der Befassung mit dem Thema, die unterschiedlichen Rezeptionsweisen und –bedingungen  des Nahostkonflikts in der politischen Linken in der BRD und der DDR vor und nach 1967/68 und 1989/90 zu analysieren und die hieraus resultierenden Positionierungen versteh- und diskutierbar zu machen.