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Presse release | Kritische Aufarbeitung ist ein verpflichtendes Anliegen

Erklärung der RLS zur Debatte um die Teilnahme am Graduiertenprogramm der »Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur« (Medieninformation PE 1007/13)

Für die Rosa-Luxemburg-Stiftung war und ist die Teilnahme an der gesamtgesellschaftlichen Diskussion zu Aufarbeitung der Geschichte immer ein verpflichtendes Anliegen. Deshalb haben wir uns bewusst entschieden, uns an dem Graduiertenprogramm der »Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur« zu beteiligen, um aktiv an einer pluralistisch orientierten Aufarbeitung der DDR-Geschichte auch in dieser Form teilzunehmen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung stellt ein Stipendium zur Verfügung und der Auswahlausschuss der Rosa-Luxemburg-Stiftung wird – wie die anderen politischen Stiftungen auch - unter den Bewerbern eine/n auswählen, der/die das Stipendium erhält.

Seit der Gründung unserer Stiftung nimmt die Beschäftigung mit der deutschen Zeitgeschichte seit 1945 einen gewichtigen Platz ein. Die Spaltung Deutschlands, die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR waren Resultat des Zweiten Weltkrieges. Im Osten Deutschlands haben viele Menschen daraus den Schluss gezogen, dass nur der Sozialismus mit Krieg dauerhaft bricht und unterstützten die Entwicklung in der DDR. Die Ursachen des Scheiterns dieses Versuches schonungslos zu analysieren, gehörte und gehört zu den Aufgaben der Geschichtsarbeit in der RLS. Ausgangspunkte waren der antistalinistische Grundkonsens in unserer Stiftung und zugleich die Kritik Rosa Luxemburgs an der diktatorischen Herrschaftsausübung der Bolschewiki.

In einer Vielzahl von Veranstaltungen sowie in Publikationen hat sich die Rosa-Luxemburg-Stiftung einer prinzipiell kritischen Aufarbeitung der DDR-Geschichte verpflichtet gefühlt und dies auch in allen Formen der politischen Bildung praktiziert. Das trifft auch zu auf die Arbeit zur Geschichte beider deutscher Staaten. Es ging und geht uns darum, eine Schwarz–Weiß-Sicht auf die Geschichte der deutschen Zweistaatlichkeit nicht zuzulassen. Für die Rosa-Luxemburg-Stiftung war und bleibt die Geschichte offen. Zugleich gehen wir davon aus, dass mit der deutschen Vereinigung 1990 nicht das Ende der Geschichte erreicht ist. Wir werden auch die Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 und dem Weg zur staatlichen Vereinigung beider deutscher Staaten als Gegenstand zeithistorischer Forschung in unsere Diskurse einbeziehen. Die Beschäftigung mit der DDR-Geschichte kann nicht als ex Post-Sicht auf den historischen Kontext betrieben werden. Vielmehr gehört es zur Offenheit der Geschichte und der Methode des historischen Vergleichs, die Geschichte der DDR und der Bundesrepublik auf gleicher Augenhöhe ergebnisoffen zu untersuchen.

Bei der Beschäftigung mit der DDR-Geschichte ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Repressions- und Unterdrückungsapparat des MfS ein wichtiges Thema. Allerdings darf die Geschichte der DDR nicht ausschließlich darauf reduziert werden. In zahlreichen Veranstaltungen hat sich die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit der Rolle und den Auffassungen von Dissidenten und Regimekritikern in der DDR beschäftigt. So fanden Veranstaltungen mit und über Rudolf Bahro, Wolfgang Harich, Robert Havemann, Walter Janka, Gustav Just u. a. statt. Sehr unterschiedliche Auffassungen kamen bei Veranstaltungen zu Rechtsstaatlichkeit zu Wort. Auch künftig werden wir in unserer politischen Bildungsarbeit solche Themen pluralistisch behandeln.

Mit Blick auf das Jahr 2009 beabsichtigt die Rosa-Luxemburg-Stiftung die Jubiläen der »doppelten Staatsgründung« (1949) und der friedlichen Revolution (1989) zum Gegenstand von politischen Bildungsveranstaltungen und Publikationen zu machen. Dabei wird es vor allem um eine kritische Sicht auf die deutsche Zeitgeschichte der letzten 60 Jahre sowie eine internationale Einordnung der deutsch-deutschen Entwicklung gehen.

Nachfolgend wird eine Auswahl von Projekten und Publikationen der Rosa Luxemburg Stiftung aufgeführt, die zu Themen der deutsch-deutschen Geschichte, insbesondere der DDR-Geschichte vorgelegt wurden.

Für weitere Informationen:

Murat Cakir, Pressesprecher, Tel.: 030 44310-130, 0173 600 31 60, E-Mail: cakir@rosalux.de

Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Publikationen der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu Geschichte des Realsozialismus

I. Im Karl Dietz Verlag erschienen mit Förderung der Rosa-Luxemburg-Stiftung:

Klaus Kinner (Hrsg.)

Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus

Reihe, bisher 5 Bände

Clemens Burrichter, Detlef Nakath, Gerd-Rüdiger Stephan (Hrsg.)

Deutsche Zeitgeschichte von 1945 bis 2000

Gesellschaft – Staat – Politik. Handbuch

Hermann Weber, Andreas Herbst (Hrsg.)

Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945

Gerd-Rüdiger Stephan (Hrsg.)

Die Parteien und Organisationen der DDR. Handbuch

Evemarie Badstübner (Hrsg.)

Befremdlich anders. Leben in der DDR

Peter Alheit, Hanna Haack

Die vergessene »Autonomie« der Arbeiter

Eine Studie zu frühen Scheitern der DDR am Beispiel der Neptunwerft

Hendrik Thoß

Gescheitert in den Untergang. Die Geschichte der DDR-Westgrenze

II. Eigene Publikationen der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Stefan Bollinger (Hrsg.)

Das letzte Jahr der DDR

Zwischen Revolution und Selbstaufgabe

ISBN: 3-320-02047-1, 528 S., 29,80 €

Gunther Kohlmey

Sozialismus als Alternative. Texte von 1947 bis 1993

Hrsg. von Wolfram Adolphi und Jörn Schütrumpf

ISBN: 3-320-02966-5, 175 S., 4,90 €

Helmut Bock

Wir haben erst den Anfang gesehen

Selbstdokumentation eines DDR-Historikers 1983 bis 2000

ISBN: 3-320-02037-4, 384 S., 19,90 €

Wilfriede Otto

Die SED im Juni 1953. Interne Dokumente

ISBN: 3-320-02045-5, 304 S., 14,90 €

Felix Mühlberg

Bürger, Bitten und Behörden

Geschichte der Eingabe in der DDR

ISBN: 3-320-02947-9, 329 S., 14,90 €

Wolfram Adolphi (Hrsg.)

Michael Schumann: Hoffnung PDS

Reden, Aufsätze, Entwürfe 1989 – 2000

ISBN: 3-320-02948-7, 283 S., 14,90 €

Michael Brie

Die witzige Dienstklasse

Der politische Witz im späten Staatssozialismus

ISBN: 3-320-02952-5, 63 S., 4,90 €

Ulla Plener (Hrsg.)

Max Hoelz: »Ich grüße und küsse dich – Rot Front!«

Tagebücher und Briefe, Moskau 1929 bis 1933

ISBN: 3-320-02053-6, 483 S., 29,90 €

Ursula Schröter, Renate Ullrich

Patriarchat im Sozialismus?

Nachträgliche Entdeckungen in Forschungsergebnissen aus der DDR

ISBN: 3-320-02900-2, 169 S., 9,90 €

Ulla Plener, Natalia Mussienko (Hrsg.)

Verurteilt zur Höchststrafe: Tod durch Erschießen

Todesopfer aus Deutschland im Großen Terror in der Sowjetunion 1937/38

ISBN: 3-320-02080-3, 168 S., 12,90 €

Wladislaw Hedeler (Hrsg.)

Der Tod des Diktators. Hoffnungen und Enttäuschungen

ISBN: 3-320-02940-1, 104 S., 9,90 €

III. Zeitschrift UTOPIE kreativ

Seit September 1990 intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Realsozialismus; zahlreiche Beiträge, u. a.:

Sonderheft 1997 (Konferenzband)

Realsozialistische Kommunistenverfolgung.

Von der Lubjanka bis Hohenschönhausen

Mit Beiträgen von: Wolfgang Gehrcke; Wladislaw Hedeler; Christiane Reymann; Reinhard Müller; Alexander Watlin; Sorja Serebrjakowa; Manfred Behrend; Gerhard Zwerenz; Thomas Klein; Herbert Mayer; Jörn Schütrumpf; Volkmar Schöneburg; Jürgen Hofmann; Michael Schumann; Wolfgang Hartmann; Meinhard Stark und Mario Kessler.

Ausgewählte Promotionsvorhaben, die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert wurden bzw. werden:

Thema

Machtergreifende Prozesse in der Provinz Brandenburg

Zur Strafbarkeit von Mauerschützen

Von der Freiheit in der Unfreiheit

Zur Fremdenfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft Jugendlicher in den neuen Bundesländern

Die Ungarische Revolution und der totalitäre Imperialismus –Hannah Arendt- und Ungarn 1956. Die Anatomie einer politischen Revolution – Ferenc Fehér/ Agnes Heller – Ein Vergleich

Identitätsprobleme der ostdeutschen Bevölkerung nach 1989/1990

Die osteuropäischen Beitrittsstaaten im europäischen Integrationsprozess auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik

Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und der DDR. Eine politikgeschichtliche Studie

Sozialistische Einheitspartei? Sozialdemokraten und Kommunisten

Rudolf Bahro – Ein deutsch-deutscher Denker zwischen vorgestern und übermorgen

Die Entwicklung des Lutherbildes in der DDR anhand ihrer Darstellung in audiovisuellen Medien

Empirische Analyse zum Arbeitsangebotsverhalten im polnischen Agrarsektor während des Transformationsprozesses

Journalistenausbildung in der DDR. Das »Rote Kloster« an der Karl-Marx-Universität Leipzig

Sozialistische Platzierungsversuche – Diskursanalytische Betrachtung zur Wissenschaftsgeschichte der DDR-Sprachwissenschaft in den 60er Jahren

Die bulgarische Verfassungsordnung zwischen dem klassischen Konstitutionalismus und den Forderungen des europäischen Integrationsprozesses

Sozialistische Landeskultur? Eine Rekonstruktion landschaftsgestalterischer und umweltplanerischer Konzeptionen im Prozess der Etablierung eines Leitbildes moderner Umweltplanung in der DDR bis 1970

Vom Underground zum Untergrund und zurück. Illegale Gruppen der DDR-Opposition in den 70er Jahren im Raum Berlin-Brandenburg

China – Vom Sozialismus zur wirtschaftlichen Öffnung

Vergleich der soziokulturellen Potentiale bei Transformation ländlicher Räume in D und CZ

Die deutsche Frage in der sowjetischer Außenpolitik. 1945 – 1955

Entwicklung der Links-Parteien in Deutschland in der Ära nach dem Kalten Krieg

Transformationsprozesse am Beispiel der Umweltbewegung in Ost- und Mitteleuropa

Linke Parteien in Europa, besonders SPD und PDS in Deutschland

Antisemitismus in den Nachkriegsjahren der DDR