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Documentation Hermann Henselmann – Ein Architekt für die soziale Stadt

Fachtagung der Hermann-Henselmann-Stiftung zum Wandel städtebaulicher Leitbilder der letzten Jahrzehnte im geteilten und vereinigten Berlin

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Date

18.03.2006

Vor einem Jahr diskutierten über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Vermächtnis Hermann Henselmanns in bezug auf Architektur und Stadtgestaltung. Das große Interesse an diesem 1. Henselmann-Kolloquium zeigte bereits, dass im Umfeld einer zunehmend neoliberal, d. h. ausschließlich an unmittelbaren Verwertungsbedürfnissen orientierten Stadtgestaltung die Frage nach ande - ren Wegen keinesfalls verstummt ist.  Stadtentwicklung ist vor allem durch fortschreitende Privatisierung und durch Einschnitte in die Finanzierung öffentlicher Infrastruktur durch Verlust öffentlicher Räume geprägt.  Öffentlichkeit erscheint bestenfalls noch gebrochen in Einkaufszentren, in zu Kaufhäusern mit Bahnanschluss umgestalteten Bahnhöfen oder partiell zugänglichen Bürokomplexen.  

Henselmann selbst betonte in seinem Buch »Drei Reisen nach Berlin« seine Grundüberzeugung, dass städtebaulich-architektonisches Engagement nicht von gesellschaftlicher Verantwortung zu trennen sei. Dieser Frage nach anderen Wegen soll nun das 2. Henselmann-Kolloquium am 5. Februar konzentrierter am Beispiel aktueller Entwicklungen nachgehen.  Die aktuellen Entwicklungen sollen auf der Veranstaltung vor dem Hintergrund der unter Beteiligung Henselmanns entwickelten Konzepte einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Dies ist in Berlin umso berechtigter, da hier Henselmann ja mit seiner Arbeit entscheidende Spuren hinterlassen hat. Ein Blick auf das Zentrum Ost, auf Alexanderplatz und Alexanderstraße, die Auseinandersetzungen um den Palast der Republik und einen Wiederaufbau des Berliner Schlosses sowie das »Planwerk Innenstadt« generell belegen in der dort praktizierten Zerstörung von architektonischen Lösungen aus DDR-Zeiten, wie sehr Bauen und Politik auch heute zusammenhängen. Es ist durchaus zeitgemäß, in diesem Zusammenhang an Konzepte und Vorstellungen zu erinnern, wie sie die Exponenten des Bauhauses Bruno Taut oder Walter Gropius nach der Novemberrevolution offensiv vertreten hatten und an die Henselmann anknüpfte.  Bruchstellen gesellschaftlicher Entwicklung erweisen sich so immer auch als Bruchstellen im Verständnis von Architektur und Bauen; daran anzuknüpfen soll diese Veranstaltung mit anregen.

Das Kolloquium wird gemeinsam mit der Hermann-Henselmann-Stiftung durchgeführt, die vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde.