Documentation Ein weites Feld: Die Linke und Bourdieu

Aus Anlass des 5. Todestages von Pierre Bourdieu ehrt die Rosa-Luxemburg-Stiftung den linken Denker mit einem zweitägigen deutsch-französischen Kolloquium.

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Date

26.01.2007 - 27.01.2007

Themes

Inequality / Social Struggles

Effi Böhlke: Ein weites Feld. Die Linke und Bourdieu (Tagungsbericht)

Pierre Bourdieu (1930-2002), einer der wichtigsten Vertreter der modernen Sozialwissenschaften, hat mit seinem umfangreichen Œuvre Wissenschaftsgeschichte geschrieben: Wesentliche Begriffe, wie das Feld, der Habitus oder auch die symbolische Macht sind durch ihn um- oder neugeprägt worden.

Seine Analysen unterschiedlichster Felder der heutigen Gesellschaften – seien es das ökonomische, das politische oder das kulturelle Feld – zielten immer auch auf die Aufdeckung der verborgenen Widersprüche, Ungleichgewichte und Herrschaftsverhältnisse ab. Analyse und Kritik des Bestehenden gingen insofern Hand in Hand. Gegen Ende seines Lebens trat Bourdieu mehr und mehr als engagierter Intellektueller auf, unterstützte mit Wort und Tat linke soziale Bewegungen in Frankreich selbst sowie im globalen Kontext.

In einem zweitägigen deutsch-französischen Kolloquium möchte die Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin diesen linken Denker mit einer kritischen Diskussion ehren und seiner komplizierten Beziehung zur Linken nachgehen. Zur Debatte stehen solche Fragen wie: (Wie) sind exakte Analyse der modernen Gesellschaften und deren Kritik zu verbinden? Wo ist der Platz des linken Intellektuellen im Spannungsfeld von Wissenschaft und praktisch-politischem Engagement zu verorten? Gibt es typisch linke Perspektiven auf Bourdieu? Worin besteht ein sinnvolles Weiterarbeiten mit Bourdieu’s Oeuvre im 21. Jahrhundert?

Wir freuen uns, ReferentInnen vor allem aus Frankreich und Deutschland gewonnen zu haben, die in der wissenschaftlichen und politischen Tradition Bourdieus stehen. Die an Werk und Wirkung dieses französischen Intellektuellen interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, sich aktiv an der Debatte zu beteiligen.

Ablauf

Freitag, 26. Januar 2007

14.00 Eröffnung des Kolloquiums

Rainer Rilling

14.15 Wissenschaftliche Autonomie und gesellschaftliche Parteilichkeit – Pierre Bourdieu als engagierter Intellektueller

Lothar Peter

15.00 Was heißt es, linker Intellektueller zu sein? Reflexionen a propos Pierre Bourdieu („Comment être un intellectuel de gauche? Réflexions à propos de Pierre Bourdieu“)

Louis Pinto

15.45 Kaffeepause

16.15 Das politische Feld

Der herrschaftskritische Gehalt der theoretischen Kategorien Pierre Bourdieus

Margareta Steinrücke

Das Konzept der symbolischen Macht oder: (Wie) Ist Autonomie nach Bourdieu möglich?

Effi Böhlke

17.15 – 17.30 Kleine Kaffeepause

Über die Repräsentation der unterdrückten Klassen: soziologische Analyse und kämpferisches Engagement („Sur la représentation des classes dominées: analyse sociologique et engagement militant“)

Gerard Mauger

Was kann die Linke mit Bourdieus Ablehnung des Marxismus anfangen?

Manfred Lauermann

Bourdieus praxeologische Soziologie – Anregungen für eine kritische Geschlechtersoziologie

Irene Dölling

19.30 – 20.00 Pierre Carles: „La sociologie est un sport de combat“ (« Die Soziologie ist ein Kampfsport »). Ein Film über Bourdieu

20.30 Empfang

Sonnabend, 27. Januar 2007

9.15 Das ökonomische Feld

Die Ökonomie in der wissenschaftlichen Laufbahn Bourdieus („L’économie dans la trajectoire scientifique de Bourdieu“)

Frédéric Lebaron

Die Modernisierung der Arbeit und ihrer Zwänge („La modernisation du travail et de ses contraintes“)

Danièle Linhart

10.30-10.45 Kaffeepause

Symbolische Gewalt und Habitus-Struktur-Konflikte. Mit Bourdieu Konflikte analysieren und bearbeiten?

Lars Schmitt

Von Algerien in die Banlieue: Pierre Bourdieus Soziologie der Prekarität

Franz Schultheis

Zum Revival des Klassenkonzepts

Beate Krais

12.30 Mittagspause

13.15 Das kulturelle Feld

Potentiale und Probleme einer soziologischen Literaturkritik

Joseph Jurt

Der Beitrag des Sports zur Kultur und zum kulturellen Kapital

Gunter Gebauer

14.30-14.45 Kaffeepause

Die PISA-Problematik im Lichte der bildungssoziologischen Analysen von Pierre Bourdieu

Gerhard Schäfer

Bourdieu und die Postmoderne

Stephan Moebius

16.15 Resümee und Abschluss des Kolloquiums

Die politische Repräsentation

Loïc Wacquant (to be confirmed)

ReferentInnen:

Effi Böhlke ist Philosophin und freie Mitarbeiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin

Irene Dölling ist Professorin für Frauenforschung /Soziologie der Geschlechterverhältnisse an der Universität Potsdam

Gunter Gebauer ist Professor für Philosophie und Sportsoziologie an der Freien Universität Berlin

Joseph Jurt ist Professor em. für französische Literaturwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Beate Krais ist Professorin für Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt

Manfred Lauermann ist Soziologe und lebt in Hannover

Frédéric Lebaron ist Professor für Soziologie an der Université de Picardie, Amiens

Danièle Linhart ist Forschungsdirektorin im Laboratorium „Geschlecht, Arbeit, Mobilität“ des CNRS, Paris

Gérard Mauger ist Forschungsdirektor am CNRS und Stellvertretender Direktor des Centre de Sociologie Européene (CSE) der EHESS, Paris

Stephan Moebius ist als Soziologe und Kulturwissenschaftler Privatdozent an der Universität Bremen und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Freiburg

Lothar Peter ist Professor für Soziologie an der Universität Bremen

Louis Pinto ist Forschungsdirektor am Centre de Sociologie Européene (CSE) der EHESS, Paris

Rainer Rilling ist Soziologe und arbeitet als wissenschaftlicher Referent im Bereich Politikanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin

Gerhard Schäfer ist Sozialwissenschaftler und arbeitet als Lehrer in einer Gesamtschule in Bremen

Lars Schmitt ist Soziologe und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Konfliktforschung der Universität Marburg tätig

Franz Schultheis ist Professor für Soziologie an der Université de Genève und Präsident der Stiftung Pierre Bourdieu

Margareta Steinrücke ist Soziologin und Referentin für Gleichstellungs- und Geschlechterpolitik der Arbeitnehmerkammer Bremen

Loïc Wacquant  ist Professor für Soziologie an der University of California in Berkeley

Organisatorische Hinweise:

Konferenzort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1 10243 Berlin

Konferenzraum 1. Stock

Information und Kontakt:

Dr. Effi Böhlke, boehlke@rosalux.de

Prof. Dr. Rainer Rilling, rilling@rosalux.de

Anmeldung:

Um Anmeldung wird gebeten bei Frau Ellen Glaser, Bereich Politikanalyse der RLS 

e-mail: glaser@rosalux.de | Tel. 030/44 310-160 | Fax: 030/44 310-184

Die Teilnahme ist kostenlos.