Documentation Samir Amin: Kapitalismus am Ende? Alternativen denken!

Luxemburg Lecture von Samir Amin zur fortwährenden Krise des kapitalistischen Weltsystems

Information

Event location

Pfefferberg | Haus 13
Schönhauser Allee 176
10119 Berlin

Date

28.09.2016

Organizer

Michaela Klingberg,

With

Samir Amin, Heike Hänsel, Wolfgang Gehrcke

Themes

Alternatives to Society, Social Theory, Analysis of Capitalism

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Heike Hänsel, Samir Amin, Wolfgang Gehrke
Heike Hänsel, Samir Amin, Wolfgang Gehrke (Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Flickr, CC BY 2.0)

Krieg und Terror, globale Wirtschafts- und Finanzmarktkrisen, bittere Armut und unermesslicher Reichtum, Flucht und Abschottung, sozialer Widerstand und reaktionäre Bewegungen. Zerschellt das kapitalistische System, wie wir es kannten, an seinen Widersprüchen? Aber was käme danach? Oder wird der Kapitalismus nur noch barbarischer, löst sich von seinen zivilisatorischen Fesseln? Was kann und was muss die Linke weltweit tun, um der vermeintlichen Alternative von entfesseltem Markt und reaktionärer Barbarei einen fortschrittlichen Gesellschaftsentwurf entgegenzustellen?

Seit nunmehr sechs Jahrzehnten gehört Samir Amin zu den bedeutendsten Theoretikern und öffentlichen Intellektuellen der globalen Linken. 1931 in Ägypten geboren ist er in diesem Monat 85 Jahre alt geworden. als Theoretiker von ungleicher Entwicklung und Unterentwicklung im kapitalistischen Weltsystem und streitbarer Kritiker der imperialistischen Ausbeutung des globalen Südens gilt er neben anderen als Begründer der Dependenz- und Weltsystemtheorie. Nach Jahren der Arbeit an verschiedenen Universitäten oder als Wirtschaftsberater mehrerer afrikanischer Linksregierungen, ist er heute Direktor des Dritte-Welt-Forums in Dakar im Senegal. Amin wendet sich stets vehement gegen die Vorstellung, die Entwicklung des globalen Südens aus seiner Abhängigkeit und Ausbeutung durch den globalen Norden sei auf dem Weg einer Reform zu erreichen. Vielmehr bedarf es einer radikalen Überwindung des kapitalistischen Weltsystems. Der Aufstieg des politischen Islam und der permanente Krieg des «Westens» im globalen Süden erscheinen ihm als komplementäre Folgen eines sich barbarisierenden Krisenkapitalismus, dessen Abschaffung überfällig ist, soll die Menschheit eine Zukunft auf diesem Planeten haben. Dabei gelingt es Amin als scharfer Kritiker des westlichen Eurozentrismus und des Kulturalismus zugleich den politischen Islam klassenanalytisch als eine Kraft zu begreifen und zu kritisieren, die, weil grundsätzlich prokapitalistisch orientiert, nur scheinbar eine Alternative zum bestehenden sozialen und politischen Elend, aus dem er seine Kraft zieht, anbietet.


Samir Amin nahm teil am Weltkongress des Internationalen Friedensbüros Ende September in Berlin.

 

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