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Eva van Santen steht an einem Samstagmittag Mitte April vor dem Haus in der Herengracht 28 in Amsterdam, in dem sie aufgewachsen ist. Mit Leidenschaft erzählt sie vom Leben ihrer Eltern unter der deutschen Besatzung 1940 bis 1945. Ihre Mutter Johanna war Ärztin und Kommunistin. Als der „Sicherheitsdienst“ (SD) 1941 die Wohnung einer hochschwangeren Genossin in Den Haag stürmte, wurde Johanna, die zu diesem Zeitpunkt dort in einem Krankenhaus arbeitete, gerufen. Sie konnte die Frau allein untersuchen, den Schlüssel einer illegalen Druckerei an sich nehmen und durchsetzen, dass ihre Patientin die Apotheke aufsuchen durfte – genug Zeit, um ihren Mann vor der Razzia zu warnen. Eva van Santens Elternhaus in der Herengracht wurde zu einem Zufluchtsort für Menschen aus dem Widerstand, im Dachgeschoss wurde die illegale Zeitung De Vrije Katheder gedruckt.
Dass Eva van Santen an diesem April Samstag nicht allein vor dem Haus steht, sondern mit gut vierzig Menschen, hat jedoch weniger mit dem Widerstand ihrer Mutter während der Besatzung zu tun. Es liegt daran, dass Johanna van Santen schon Jahre früher politisch aktiv war: 1936 reiste sie als Teil einer Delegation des Wuppertal-Komitees in die Bergische Stadt, um einen der Prozesse gegen Wuppertaler Gewerkschafter zu beobachten. Auf den Spuren dieses Komitees ist Mitte April 2026 mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung ein ganzer Reisebus voll Antifaschistinnen und Antifaschisten nach Amsterdam gefahren, um die Geschichten von Eva van Santen und den Mitgliedern des Wuppertal-Komitees kennenzulernen.