Jump to main content

27 January 2026: Discussion/Lecture : Klimakrise exportiert ?

Gas, Neo-Kolonialismus und der Kampf um Klimagerechtigkeit im Senegal

Key facts

Event location

W3 - Werkstatt für internationale Kultur und Politik
Nernstweg 32-34
22765 Hamburg

Date
27.01.2026, 19:00 - 21:00 Hr
Themes
Socio-ecological Transformation, Analysis of Capitalism, Economic / Social Policy, West Africa

Description

Klimakrise exportiert ?
Bereits jetzt beklagen die Fischer eine Verknappung der Fischprodukte. Vor der Küste von Saint Louis, Senegal, Januar 2023: Fischer auf einem traditionellen Boot, der Piroge. Am Horizont ist ein Offshore-Gas-Terminal zu sehen. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Leo Correa

Vor der Küste von Saint-Louis im Norden Senegals wird seit Kurzem Erdgas gefördert – ein milliardenschweres fossiles Großprojekt, an dem internationale Konzerne wie BP maßgeblich beteiligt sind. Die senegalesische Regierung verbindet damit Hoffnungen auf wirtschaftliches Wachstum und staatliche Einnahmen. Gleichzeitig wächst in den betroffenen Küstengemeinden die Sorge über soziale, ökologische und klimapolitische Folgen. Die zentrale Frage lautet: Wer profitiert von der Förderung fossiler Ressourcen – und wer trägt die Risiken und Kosten?

Die Gasförderung steht dabei in einer langen Geschichte extraktiver Wirtschaftsmodelle, die bis in die koloniale Vergangenheit Westafrikas zurückreichen. Rohstoffe werden überwiegend für externe Märkte erschlossen, während ökologische Zerstörung, soziale Verwerfungen und wirtschaftliche Abhängigkeiten vor Ort verbleiben. Viele Kritiker:innen sprechen daher von neo-kolonialen Kontinuitäten in der internationalen Energiepolitik: Globale Konzerne und Staaten des Globalen Nordens sichern sich Zugang zu Ressourcen, während demokratische Mitbestimmung, Umwelt- und Sozialstandards für die lokale Bevölkerung eine nachgeordnete Rolle spielen.
Besonders deutlich zeigt sich dies in der Küstenregion um Saint-Louis. Der Fischfang ist für viele Menschen existenziell, doch sensible Meeresökosysteme geraten durch industrielle Gasförderung unter Druck. Sperrzonen und Umweltbelastungen gefährden Lebensgrundlagen, während die versprochenen Entwicklungsgewinne ungleich verteilt bleiben. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit ist hier untrennbar mit Fragen von Macht, Eigentum und politischer Kontrolle über natürliche Ressourcen verbunden.

Zugleich ist die Gasförderung Teil einer globalen energiepolitischen Neuordnung. Europa und Deutschland diskutieren Gasimporte aus Westafrika als Baustein ihrer Energieversorgung – auch im Kontext geopolitischer Krisen. Damit verschärft sich ein grundlegender Widerspruch: Während im Globalen Norden der Ausstieg aus fossilen Energien propagiert wird, werden im Globalen Süden neue Förderprojekte vorangetrieben. Klimapolitische Lasten werden ausgelagert, während Profite und Energiesicherheit im Norden konzentriert bleiben.

Dabei verfügt Senegal über ein enormes Potenzial für erneuerbare Energien, insbesondere Solar- und Windkraft. Viele Stimmen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik betonen, dass eine sozial gerechte Energiewende auf erneuerbarer Basis langfristig mehr Stabilität, Teilhabe und Klimaschutz ermöglichen würde. Eine solche Wende stellt jedoch bestehende Machtverhältnisse und wirtschaftliche Interessen infrage – sowohl national als auch international.
Die Veranstaltung versteht die Gasförderung vor Saint-Louis daher als Teil eines globalen Konflikts um Klimagerechtigkeit. Gemeinsam mit den eingeladenen Expert:innen wollen wir diskutieren, wie Kämpfe gegen Klimaungerechtigkeit in Senegal, in Deutschland und international miteinander verbunden sind. Welche gemeinsamen Interessen, Verantwortlichkeiten und Handlungsmöglichkeiten gibt es? Wie können solidarische Allianzen zwischen Bewegungen im Globalen Süden und Norden entstehen, um fossile Abhängigkeiten zu überwinden und eine gerechte Energiezukunft durchzusetzen?

Wir freuen uns diese und weitere Fragen mit unseren Gästen zu diskutieren:

  • Dr. Ibrahima Thiam arbeitet zum Thema Klimawandel und natürliche Ressourcen im Westafrika-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dakar, Senegal.
  • Neelke Wagner ist Referentin für Klima- und Ressourcengerechtigkeit bei PowerShift. Arbeitsschwerpunkte: Energiewende, Gasausstieg, klimagerechte Wasserstoffwirtschaft.
  • Dr. Claus-Dieter König ehemaliger Leiter des Regionalbüros Westafrika (bis 2025), Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dakar, Senegal.


Die Veranstaltung bietet Raum für kritische Diskussion, Austausch und Vernetzung.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.


Weitere Hintergrund Beiträge zum Thema:

Saint-Louis und die Herausforderung der Gasförderung im Senegal

Europas Jagd nach Gas befeuert grünen Kolonialismus

Stop Faking Green! - Doing Climate Justice


Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Location

Contact

Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg

Phone: 040 28003705

Similar events

Klimakolapps und soziale Kämpfe, 13 February 2026

: Discussion/Lecture

Halle (Saale)18:00 Hr

mit der Autorin Lisa Pöttinger

Normal. Eine Besichtigung des Wahns, 13 February 2026

: Exhibition/Culture booked up

Hamburg19:30 Hr

Ein Abend gegen Irrationalismus und instrumentelle Vernunft - von und mit Thomas Ebermann, Thorsten…

Mission to Marsh - Moore schützen , 25 February 2026

: Movie

Hamburg18:30 Hr

Filmvorführung und Diskussion