30 September 2021 Film MARKT MACHT MEDIZIN - Das ungesunde Geschäft mit unseren Krankenhäusern

Filmvorführung mit Diskussion

Information

Event location

Bürgerzentrum Herzberg
Uferstraße 6
04916 Herzberg

Date

30.09.2021, 17:00 - 19:00 Hr

Themes

Arbeit / Gewerkschaften, Soziale Bewegungen / Organisierung, Commons / Soziale Infrastruktur

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MARKT MACHT MEDIZIN - Das ungesunde Geschäft mit unseren Krankenhäusern

Vorführung der Dokumentation „Markt macht Medizin“ (von Markus Pohl, Ursel Sieber und Lisa Wandt, rbb 2020) und anschließende Diskussion mit
* Anita Tack (Gesundheitsministerin des Landes Brandenburg a.D., Vorsitzende der Untersuchungskommission zum Corona-Ausbruch im Ernst-von-Bergmann-Klinikum Potsdam) und
* Dr. Dieter Korczak (Soziologe, Volkswirt, Autor, zuletzt „Gesundheit in Gefahr“ und „Digitale Heilsversprechen. Zur Ambivalenz von Gesundheit, Algorithmen und Big Data“)

in Kooperation mit dem kommunalpolitischen forum Land Brandenburg e.V.


Kostendruck, Zeitmangel, fehlendes medizinisches Personal vom Arzt bis zum Pfleger – die Ökonomisierung des Gesundheitswesens wird von Patienten und Medizinern gleichermaßen beklagt. Der Film MARKT MACHT MEDIZIN schaut hinter die Kulissen und stellt fest: Die Gesetze von Wettbewerb und knallhartem betriebswirtschaftlichem Kalkül sind aus dem deutschen Klinikalltag auch durch Corona nicht verschwunden. Im Gegenteil: Findige Geschäftsführer nutzen die Corona-Krise aus und setzen die staatlichen Zuschüsse so ein, dass sie Profite abwerfen.

Fakt ist: Ohne massive staatliche Zuschüsse hätten die Kliniken der Corona-Krise nicht stand-gehalten. Und die alten Probleme bleiben: die Eltern, deren Kind an einer Hirnhautentzündung fast gestorben wäre, weil die Kinderklinik vor Ort geschlossen wurde und der Weg des nachts zum nächsten großen Krankenhaus einfach zu weit ist; Geschäftsführer fahren wenig lukrative Abteilungen herunter oder machen diese ganz dicht und bauen stattdessen Bereiche aus, die Geld bringen. Und das sind, auch nach Corona, vor allem operative Eingriffe und Prozeduren, mit allen Nebenwirkungen: Der junge Mann etwa, der nach einem unnötigen Eingriff zum Pflegefall geworden ist. Endlich hatten wir einmal Zeit für unsere Patienten, freuten sich Ärzte und Pfleger, als während der Corona-Krise das sogenannte „operative Geschäft“ abgesagt und verschoben wurde. Jetzt kehrt der Alltag langsam in die Kliniken zurück: die Arbeitsverdichtung, im Laufschritt über die Station, volle OP-Säle, die bis auf die Minute genau durchgetaktet sind, zu wenige Pflegekräfte für zu viele Patienten. Auf dem privaten Krankenhausmarkt bahnt sich die nächste große Fusion an und öffentliche Häuser sorgen sich vor der nächsten Privatisierungswelle – falls Corona-bedingte Einnahmeverluste von notleidenden Kommunen nicht aus-geglichen werden. Immer mehr Ärztinnen und Ärzte verlangen nach der Corona-Krise ein grundsätzliches Umsteuern. Im Film kommen Politiker und Landräte zu Wort, die sich für einen Weg zurück stark machen: weg von einem betriebswirtschaftlichen Kalkül, das Ärzte und Pflegekräfte vergrault und die Gesundheit der Patienten in Gefahr bringt.

In der Diskussion mit den Teilnehmenden und den beiden Expert*innen soll es nicht nur um eine Bestandsaufnahme, sondern auch um Ursachen und Alternativen gehen.


Eintritt ist frei. Es gelten die am Tag gültigen Auflagen der Corona-Umgangsverordnung des Landes Brandenburg.

Foto: Collage von Gerd Altmann bei pixabay

 

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