News | International / Transnational - Krieg / Frieden - Türkei Der Schamberger-Report IV

Wöchentliche Zusammenfassung alternativer Kurznachrichten aus der Türkei (26.12.2016 bis 2.1.2017)

Information

Plakat: «Wir sind Moslems. Nein zu Weihnachts- und Neujahrsfeiern»
Plakat: «Wir sind Moslems. Nein zu Weihnachts- und Neujahrsfeiern»

Der linke Journalist und Kommunikationswissenschaftler Kerem Schamberger erzielt mit regelmäßigen Kurznachrichten über die Situation in der Türkei eine große Reichweite für alternative Informationen aus einem Land, in dem die Pressefreiheit immer stärker eingeschränkt wird. Aufgrund seiner kritischen Berichterstattung auf Facebook ist er ständig mit einer Sperrung seines Profils bedroht. Nachdem erst Mitte Dezember die letzte Sperrung von Facebook vorzeitig ohne Begründung aufgehoben wurde, ist inzwischen schon der nächste Zensurangriff raus: Seit dem 24.12.16 ist der Facebook account von Schamberger erneut für 30 Tage gesperrt worden. Diesmal für einen 2,5 Jahre alten Post, der bereits vor sechs Wochen von Facebook gelöscht worden war ...
In der nächsten Zeit werden wir auf unserer Themenseite immer Mittwochs eine Zusammenstellung alternativer Kurznachrichten aus der Türkei von Kerem Schamberger veröffentlichen.

Hier präsentieren wir seinen Überblick aus der Woche vom 26. Dezember bis 2. Januar 2017.
 

Innenminister Soylu: Im März ist die PKK geschlagen

Es ist nicht das erste Mal, dass ein türkischer Politiker in dem 32 Jahre andauernden Bürgerkrieg zwischen dem türkischen Staat und der PKK das Ende der Guerillaorganisation ankündigt. Diese Woche hat es Innenminister Süleyman Soylu wieder getan: «Ost- und Südostanatolien sollten keine Regionen sein, bei denen man an Terror denkt. Die PKK wird ab Beginn des kommenden März erneut sehen, dass man mit diesem Land nicht spielt.»
Die Ankündigung, die PKK militärisch zu besiegen, wiederholen türkische Minister seit Jahrzehnten wie ein Mantra. Was diese Politiker nicht verstehen: So lange die sozialen,  gesellschaftlichen Grundlagen für die Existenz der Arbeiterpartei Kurdistans nicht geändert werden, werden immer wieder solche Organisationen entstehen. In Zukunft werden diese aber vermutlich nicht so auf einen Friedensprozess ausgerichtet agieren, wie die PKK. Kurdische Jugendliche, geboren in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, tragen so viel Wut in sich, dass die zukünftigen Organisationen eher den Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) ähneln werden. Dessen sollte sich der türkische Staat bewusst sein und erneute Friedensverhandlungen mit der PKK beginnen. Ob das allerdings mit Erdoğan zu machen ist, darf bezweifelt werden.

Quelle: http://www.diken.com.tr


Festnahmewelle gegen Journalisten

Am Sonntag, den 25.12.16 ging die Festnahmewelle gegen kritische Journalisten in die nächste Runde. Nachts um drei Uhr stürmte die türkische Polizei die Wohnung des Journalisten Tunca Öğreten und durchsuchte seine Bleibe für drei Stunden. Anschließend wurde er wegen «Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation» in Untersuchungshaft genommen. Zuletzt war Öğreten Redakteur der Nachrichtenseite Diken, einer der letzten unabhängigen journalistischen Seiten in der Türkei.
Auch der Journalist Metin Yoksu wurde festgenommen, genauso wie der frühere Nachrichtenchef der kurdischen Nachrichtenagentur DIHA, die im Oktober verboten wurde, Ömer Çelik, sowie der BirGün-Journalist Mahir Kanaat.
Ömer Çelik wurde frühmorgens in seiner Wohnung in Diyarbakır in Haft genommen. Um vier Uhr früh drangen die Polizisten in seine Wohnung ein, in der sich zu diesem Zeitpunkt der Journalist, seine Ehefrau, sowie seine Mutter aufhielten. Sie mussten sich auf den Boden legen und die Polizisten schlugen den Journalisten vor den Augen seiner Familie zusammen. Dabei schrien sie: «Du schreibst also Nachrichten? Dann berichte doch auch darüber. Ihr seid alles armenische Bastarde.» Einer der Polizisten richtete eine Waffe auf den Kopf von Çeliks Mutter und rief «Warum hast du zugelassen, dass er Journalist wird?» Die Polizisten durchsuchten seine Wohnung für zwei Stunden und nahmen ihn anschließend auf die Polizeiwache mit.

Quellen: https://haber.140journos.com, https://twitter.com/hayriituncc, https://twitter.com/TurkeyUntold