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Wöchentliche Zusammenfassung alternativer Kurznachrichten aus der Türkei (9.1. bis 15.1.2017)

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Infografik von <a href="https://twitter.com/TurkeyUntold/status/820083555569176576" target="_blank">Turkey Untold</a> über staatliche Repression im Netz
Infografik von Turkey Untold über staatliche Repression im Netz

Der linke Journalist und Kommunikationswissenschaftler Kerem Schamberger erzielt mit regelmäßigen Kurznachrichten über die Situation in der Türkei eine große Reichweite für alternative Informationen aus einem Land, in dem die Pressefreiheit immer stärker eingeschränkt wird. Aufgrund seiner kritischen Berichterstattung auf Facebook ist er ständig mit einer Sperrung seines Profils bedroht. Nachdem erst Mitte Dezember die letzte Sperrung von Facebook vorzeitig ohne Begründung aufgehoben wurde, war inzwischen schon der nächste Zensurangriff erfolgt: Seit dem 24.12.16 ist das Facebook-Profil von Schamberger erneut für 30 Tage gesperrt worden. Diesmal für einen 2,5 Jahre alten Post, der bereits vor sechs Wochen von Facebook gelöscht worden war ...
In der nächsten Zeit werden wir auf unserer Themenseite immer Mittwochs eine Zusammenstellung alternativer Kurznachrichten aus der Türkei von Kerem Schamberger veröffentlichen.

Hier präsentieren wir seinen Überblick aus der Woche vom 9. bis 15. Januar 2017.
 

2000 € Strafe für 33 Menschenleben?

Mehmet Yapalıal, der im Juli 2015 diensthabende Polizeichef in Suruç an der Grenze zu Kobane, wurde von einem türkischen Gericht wegen Dienstvernachlässigung zu einer Geldstrafe von 7500 Lira (entspricht ungefähr 2000€) verurteilt. Die «Strafe» ist in 12 Monatsraten zu zahlen.
Yapalıal trug die Verantwortung für die Sicherheit der Kleinstadt, als sich ein Selbstmordattentäter inmitten von dutzenden Jugendlichen der Föderation der sozialistischen Jugendvereine SGDF in die Luft sprengte und 33 Menschen tötete. Normalerweise wurde die Umgebung des Amara-Kulturzentrums, in dem der Anschlag stattfand, täglich von Polizisten kontrolliert. Menschen wurden angehalten und nach ihren Ausweisen gefragt. Am Tag des Anschlags gab es keine Sicherheitsvorkehrung in Suruç. Die sozialistischen Jugendlichen selbst wunderten sich, dass sie an diesem Tag nicht von der Polizei kontrolliert wurden.
Wegen Dienstversäumnis wurde der Polizeichef nun zu einer solch niedrigen Strafe verurteilt. Warum es an dem Tag keine Einlasskontrollen in die Stadt und in das Kulturzentrum gegeben hatte, wird sein Geheimnis bleiben.

Quelle: http://www.etha.com.tr