News | Party / Movement History - Politics of Memory / Antifascism - German / European History - GK Geschichte Marxistische Geschichtskulturen und soziale Bewegungen während des Kalten Krieges in Westeuropa

Ein Tagungsbericht von Alrun Berger, Institut für soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum

Die Forschung hat in den letzten Jahren verstärkt darauf aufmerksam gemacht, dass der Kommunismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur innerhalb der sozialistischen Staatenwelt, sondern auch in Westeuropa eine beachtliche Breitenwirkung zu entfalten vermochte. Vor diesem Hintergrund führten die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten „Villa Vigoni-Gespräche in den Geistes- und Sozialwissenschaften 2014“ vom 29. September bis 01. Oktober 2014 deutsche und italienische Historiker- und SozialwissenschaftlerInnen für eine Tagung zusammen, die darauf abzielte, die Wirkungsmechanismen und den Einfluss marxistischer Geschichtskulturen auf die Entstehung und die gesellschaftliche Verankerung ausgewählter sozialer Protestbewegungen als westeuropäisches Gesamtphänomen zu untersuchen.

Laut Jörn Rüsen kann Geschichtskultur als „praktisch wirksame Artikulation von Geschichtsbewusstsein im Leben einer Gesellschaft“ begriffen werden.[1] Der Begriff besteht im Grunde genommen aus zwei komplementär zueinander stehenden Teilstücken. Während der erste Teil die historischen Narrative und das geschichtliche Wissen und Bewusstsein umfasst, stellt der zweite den infrastrukturellen Transmissionsriemen zur Vermittlung, Produktion und Rezeption von geschichtlichem Wissen dar.[2] So lautete die der Tagung zugrunde gelegte Hypothese, dass sich die breite soziale Verankerung marxistischer Vergangenheits- und Gegenwartsdeutungen in Westeuropa primär über die Einbindung in lebensweltlich geprägte, marxistische Geschichtskulturen vollzog. Da der Marxismus der sozialen Bewegungen durch soziale und kulturelle Praktiken und Handlungsweisen stark in den Alltag eingebunden war, wie etwa durch die Vermittlung über diverse Kulturangebote und kollektive Aktionsformen, aber auch durch Publikationen, Museen und Ausstellungen, sollte er nicht ausschließlich als ideologisches Gebäude betrachtet werden.[3] Vielmehr schuf sich ein seit der Zwischenkriegszeit entwickelnder westlicher Marxismus Freiräume, in denen der Marxismus nicht mehr als ideologisches Korsett, sondern als gelebte Alternative innerhalb kapitalistischer Gesellschaftsmodelle erschien.

Der komplette Tagungsbericht ist auf HSozKult erschienen und als PDF oder über den folgenden Link einsehbar. Wir danken Frau Berger herzlich für die Erlaubnis zur Zweitveröffentlichung.