News | Staatsgalerie Stuttgart: Drucksache Bauhaus, Berlin 2020

Druckgrafik als ideale Verbindung von Kunst und Handwerk

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Geld damit zu verdienen klappte dann doch nicht, aus verschiedenen Gründen. Als das 1919 gegründete bauhaus in Weimar 1921 beschloss, aufwendige Mappenwerke mit Drucken in begrenzter Auflage herauszugeben, war diese Idee mit mindestens drei Zielen verbunden. Druckgrafik galt als ideale Verbindung von Kunst und Handwerk; man wollte Geld für das bauhaus verdienen und, drittens das bauhaus ebenso bekannt(er) machen wie die enthaltenen KünstlerInnen. Vertreten war die ganze europäische Avantgarde, soweit sie Druckgrafik produzierte. Das Bauhaus erhielt auch viele Absagen, aber die Reihe der insgesamt 45 Künstler ist trotzdem beeindruckend.

Die Staatsgalerie Stuttgart besitzt als eine von nur vier Einrichtungen in Deutschland einen kompletten Satz der bauhaus-Drucke und widmete ihnen im ersten Halbjahr 2020 eine Ausstellung. Der ambitionierte und hochwertige Katalog liefert nun neben jeweils einführenden Texten sehr gute Abbildungen aller Drucke. Ordnungsprinzip des Bandes ist das chronologische Erscheinen der Mappen; selbstverständlich werden die wichtigen Informationen zur Geschichte des Bauhauses in dieser Periode dargestellt. Die bauhaus Drucke erschienen mit dem berühmten Titel «Neue europäische Grafik» von 1921-1923, auch wenn auf allen Ausgaben als Erscheinungsjahr 1921 angegeben ist. Nummeriert sind sie mit 1 bis 5, wobei Nummer 2 nie erschienen ist. Weitere Mappen aus dem bauhaus enthielten z.B. Holzschnitte von Feininger. Auch von Kandinsky (1922), Schlemmer und sogar Moholy-Nagy (beide 1923) wurden eigene Mappenwerke publiziert, die ebenfalls Teil des Bandes sind.

Gerahmt wird dieser Hauptteil des Buches mit Texten über Adolf Hölzel, der im kunstpolitisch konservativen Stuttgart bereits ab 1905 gewirkt hatte und als Lehrer von Johannes Ittenund Oskar Schlemmer als einer (der vielen) «Vorläufer» des Bauhauses gelten kann. Weitere Beiträge bieten Hintergrundinformationen zur Druckwerkstatt am bauhaus, in der die Drucke auch hergestellt wurden (die Mappen in der Buchbinderei). Zum Schluss beschreibt die Kuratorin Corinna Höper, von der die allermeisten der durchweg interessanten Texte stammen, die Besonderheit des Druckes. Im Unterschied zu «Bildern» seien dieses haptisch wahrnehmbarer, schließlich mussten sie ja um betrachtet zu werden, aus der Mappe genommen werden; Drucke seien also persönlicher und «langsamer».

In Dessau wurde dann nicht mehr handwerklich gedruckt, sondern (stattdessen) Typografie und Werbegestaltung gelehrt. Ein Personenverzeichnis schließt den Band ab. Die Staatsgalerie bietet ein umfangreiches digitales Angebot.

Corinna Höper / Staatsgalerie Stuttgart: Drucksache Bauhaus, Verlag Edition Cantz, Esslingen/Berlin 2020, 240 Seiten, 38 EUR