News | International / Transnational - Afrika Was können wir von François Hollande in Afrika erwarten?

Ein RLS Round Table in Johannesburg diskutierte die Bedeutung des Präsidentschaftswechsels für die französisch-afrikanischen Beziehungen.

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„Kein anderes Land hat ein so schlechtes Image in Afrika wie Frankreich, nicht einmal die USA“, so Professor Paul-Simon Handy vom Institut für Security Studies in Pretoria. Ob der neue französische Präsident das Bild Frankreichs in Afrika mit einer neuen Politik korrigieren wird war Thema eines Round Tables der RLS Südliches Afrika. An dem Gespräch am 29.6.2012 in Johannesburg nahmen 30 Diskutanten aus Politik, Diplomatie, Medien, Zivilgesellschaft und Wirtschaft  teil.

„Viele Afrikaner beschuldigen Frankreich der politischen und wirtschaftlichen Einflussnahme auf dem Kontinent, vor allem der Ausbeutung der Ressourcen, aber auch der Unterstützung von autoritären Regimen. Beklagt wird aber gleichzeitig auch die Vernachlässigung Afrikas durch Frankreich, etwa im Fall des Völkermords in Ruanda, wo französische UN-Soldaten dem Morden tatenlos zusahen“, meinte Handy.

Frankreichs neuer Präsident François Hollande trifft in Afrika auf große Erwartungen. Sein Credo ein „normaler Präsident“ sein zu wollen, sei auch mit Blick auf die afrikanisch-französischen Beziehungen gut, so Handy. Nach seiner Einschätzung haben sich die Beziehungen zwischen der ehemaligen Kolonialmacht und Afrika bereits gewandelt. Zwar bestünden die engen klientelistischen Netzwerke weiter, die Politik und Wirtschaft beeinflussen, doch es sei nicht zu übersehen, dass sich das Verhältnis normalisiere.

Frankreich sei nicht mehr der alte Gendarm Afrikas, wie noch zu Zeiten des kalten Krieges. Der Staat pflege heute gute Beziehungen zu den großen anglophonen Ländern Südafrika, Nigeria und Kenia, denn hier spielt wirtschaftlich die Musik. Und Frankreich sei heute, wegen eigener wirtschaftlicher Probleme in Zeiten der Krise, viel mehr als früher auf Europa orientiert. Afrika spiele eine geringere Rolle.

Die jüngsten militärischen Interventionen Frankreichs in der Elfenbeinküste und in Libyen haben aber dem Image des Landes geschadet, meinte Handy. In Südafrika betrachtet man Frankreich weiterhin skeptisch, so der Wissenschaftler, der hierzu eine Studie verfasst hatte. Grund sei auch die politische und wirtschaftliche Konkurrenz zwischen beiden Ländern auf dem Kontinent.

Südafrika sieht sich als afrikanische Führungsmacht und strebt an, dass Afrika seine Konflikte ohne Einmischung von außen selbst löst. Frankreichs enge Bindungen zu seinen Ex-Kolonien sind den Südafrikanern ein Dorn im Auge. Aber auch die wirtschaftlichen Interessen großer südafrikanischer Unternehmen in Afrika führen zu Problemen mit Frankreich.

Professor Stefan Brüne, GIZ-Berater am Horn von Afrika und ehemals Alfred-Grosser-Professor in Paris, bezweifelte die Fähigkeit Afrikas, seine Probleme selbst lösen zu können. Dafür seien die Interessensunterschiede zwischen vielen afrikanischen Ländern weiterhin zu groß. Brüne plädierte in der Diskussion dennoch für mehr afrikanisches Selbstbewusstsein gegenüber Frankreich, aber auch anderen wichtigen Akteuren wie China. Afrikas Zukunft hängt vor allem davon ab, wie es sich selbst positioniere, denn die Zeit der neokolonialen Abhängigkeit sei vorbei.