News | International / Transnational - Afrika „How to change the World?“

Afrikas und Europas Linke diskutieren anlässlich des 10. Geburtstages der RLS Johannesburg.

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Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Südliches Afrika feierte in ihren Räumlichkeiten in Johannesburg am 21. Juni mit einem kleinen feierlichen Akt und einer anschließenden Diskussionsrunde ihren 10. Geburtstag. Zur Feier kamen Vertreter_innen aus Politik, Nichtregierungsorganisationen, Medien und der deutschen Botschaft sowie Partner_innen der RLS.

Nach der Begrüßung der anwesenden Gäste durch den Büroleiter Dr. Armin Osmanovic blickte Jörg Schultz, stellvertretender Direktor des Zentrums für internationale Zusammenarbeit und Dialog, in seiner Ansprache zurück auf die Anfänge der Stiftungsarbeit vor zehn Jahren. Sein besonderer Dank galt den beiden anwesenden früheren Büroleitern Dr. Arndt Hopfmann, der vor zehn Jahren das Büro in der Innenstadt aufgebaut hatte, und Gerd-Rüdiger Stephan, der 2008 den Bau des neuen Bürogebäudes im Stadtteil Parktown North leitete.

Bodo Ramelow, Mitglied des Vorstandes der RLS, überbrachte die Grüße der Vorstandsvorsitzenden der RLS Dr. Dagmar Enkelmann und des Geschäftsführers Dr. Florian Weis. Ramelow bedankte sich bei den anwesenden Büroleitern und dem gesamten Team in Johannesburg für die hervorragende Arbeit in den vergangenen Jahren. Die Arbeit der Stiftung im Ausland bezeichnete er als eine „Success-Story“. In Johannesburg lobte er vor allem die exzellente Geschichtsarbeit des Büros, die Auseinandersetzung mit den Folgen von Kolonialismus und Apartheid und die tiefe Verankerung des Büros in Politik und Zivilgeselslchaft.

Von Seiten der Partner der RLS würdigten Denis Goldberg, ANC-Freiheitskämpfer und Gefährte Nelson Mandelas und Tendai Makanza von der Nichtregierungsorganisation ANSA (Alternatives to Neoliberalism in Southern Africa) die Arbeit der Stiftung in sechs Ländern (Botswana, Mauritius, Mosambik, Namibia, Simbabwe und Südafrika) im Südlichen Afrika. Beide sprachen von einer engen Partnerschaft mit der RLS und einer hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Büro Johannesburg.

Anschließend diskutierten Prof. Ben Turok (ANC-Parlamentsabgeordneter), Helmut Scholz (EU-Parlamentarier für die Partei Die Linke), Ashok Subron von der RLS-Partnerorganisation CARES (Centre for Alternative Research and Studies), Themba Masondo (South African Students Congress) und Dr. Darlene Miller von der Grahamstown University die Lage der Linken in Afrika und Europa.

Für Turok sind die Probleme der Linken in Afrika und Europa ökonomischer Natur. Seit dem Scheitern des real-existierenden Sozialismus und der neoliberalen Revolution der 1980er Jahre, welche die sozialdemokratische Lenkung der Wirtschaft beendet hat, ist die Linke mangels eigener wirtschaftlicher Entwicklungsstrategien in der Defensive. Einen Ausweg aus dieser Krise, so Turok, werde es nur geben, wenn die Linke neue Wege für mehr Wachstum und Wohlstand finde. „Nur wenn wir ein besseres Leben für alle ermöglichen, werden wir wieder an Attraktivität bei den Menschen gewinnen können.“

Der Ausverkauf der Ideale durch den ANC in der Regierung ist für Themba Masondo der Grund der Krise der Linken. Nur wenn die weichgespülte und neoliberale Politik beendet werde, so Masondo, hat die Linke mit ihren verschiedenen Facetten eine Zukunft im Land. Masondo forderte denn auch eine Rückbesinnung auf die revolutionären Traditionen des ANC.

Helmut Scholz stimmte Turoks ökonomisch begründeten Ausführungen zur Krise der Linken zu. Er beklagte darüber hinaus die anhaltende Fragmentierung der Linken in Europa und rief zu mehr Dialog und Gemeinsamkeit auf. Darlene Miller und Ashok Subron kritisierten in ihren Beiträgen eine nach ihrem Geschmack zu „ökonomistische“ Krisenanlayse Turoks. Angesichts der globalen Umweltzerstörungen müsse die Linke heute andere Antworten als „mehr Wachstum und Wohlstand“ liefern. Miller forderte daher die Linke auf an einem neuen Wohlstandsparadigma zu arbeiten.