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News , : „Revolutionen und Arbeitsbeziehungen in globalhistorischer Perspektive“

Bericht von der 53. Konferenz der ITH in Linz/Österreich

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Author
Dietmar Lange,

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Von Dietmar Lange, Berlin

Im Jubiläumsjahr der Russischen Revolutionen von 1917 widmet sich auch die ITH International Conference of Labour and Social History / Internationale Tagung der HistorikerInnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen) diesem Themenfeld, allerdings mit einem für die Konferenzreihe spezifischen Zugang. Gefragt wurde nach der Wechselwirkung von revolutionären Prozessen mit Veränderungen in den Arbeitsbeziehungen. Damit wurde angestrebt, das erneut erwachte Interesse an Revolution in der Geschichtswissenschaft mit den Debatten auf dem Gebiet der Global Labour History, die nicht zuletzt auf den vergangenen ITH-Konferenzen geführt wurden, zusammenzubringen.

Hatten sich die Konferenzen in den vergangenen Jahren dabei stark sozial- und kulturwissenschaftlichen Ansätzen geöffnet, so war dieses Jahr eine deutliche Politisierung der Fragestellungen und Diskussionen zu beobachten. Dies wurde bereits in der Begrüßung von ITH-Präsident DAVID MAYER deutlich, der das gestiegene Interesse an Revolution nicht nur auf das Jubiläumsjahr zurückführte, sondern auch auf eine weltweite Situation, die an vorrevolutionäre Zustände erinnere. Anknüpfend hieran versuchte IMMANUEL NESS in seinem Eröffnungsvortrag einen historischen Überblick über Formen von Spontanität und Organisation der ArbeiterInnenklasse in revolutionären Situationen zu geben und daraus Lehren für aktuelle Herausforderungen zu ziehen. Die behandelten Beispiele reichten vom Syndikalismus Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, der Rätebewegung und dem Rätekommunismus nach 1917/18 bis hin zu Operaismus und Arbeiterautonomie um 1968 und danach. Aktuell könne eine wachsende globale Ungleichheit und eine Ausbreitung von informellen Arbeitsverhältnissen auch im globalen Norden verzeichnet werden. Zugleich ließe sich ein rapide sinkender gewerkschaftlicher Organisationsgrad bei wieder zunehmender Streikaktivität beobachten. Dennoch hielt Ness starke Organisationen für notwendig, um Kontinuität im Rahmen unbeständiger Arbeitsverhältnisse zu gewährleisten und um politisch-kulturelle Gegenhegemonie aufzubauen. Als Beispiele führte er neue Arbeiterparteien im globalen Süden an, die sich durch eine breite Aktivität in den Stadtteilen und Wohnorten der ArbeiterInnen auszeichnen würden.

Die 15 weiteren Beiträge der zweitägigen Konferenz (das Programm kann hier als PDFeingesehen werden) umfassten einen breiten zeitlichen Rahmen vom Ende des 18. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Die behandelten Regionen erstreckten sich von Südamerika über Europa bis Asien. Neben den Auswirkungen von Revolutionen auf Arbeitsverhältnisse, bzw. den Impulsen, die von diesen für revolutionäre Entwicklungen ausgingen, wurden auch Probleme der Arbeit und der Arbeitsteilung für die Konstruktion revolutionärer Ideologie und Identität (WOLFGANG HÄUSER über den 1848er Revolutionär Ernst Violand und MATTHEW GALWAY über den Mitbegründer der Kommunistischen Partei Kambodschas Hou Yuon) sowie Revolution als Beruf (BERNHARD BAYERLEIN über die Organisation der Komintern) untersucht.

Der komplette Bericht ist als PDF verfügbar.

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