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Die Sea-Eye Lokalgruppe Rostock lud am 09.07. zu den „Mittelmeer-Monologen“ ein.
Das dokumentarische Theaterstück des Netzwerks „Wort und Herzschlag“ erzählt eindrucksvoll die Geschichten von Geflüchteten auf dem Mittelmeer sowie von Aktivist*innen der zivilen Seenotrettung.
Die Inszenierung basiert auf Interviews, die wortgetreu verdichtet wurden. Aus diesem Material entstanden nicht nur die gesprochenen Szenen, sondern auch drei Songtexte, inspiriert von den Berichten der Interviewten.
Erzählt werden die Geschichten von Yassin, Naomi, Selma und Joe:
Yassin floh aus Libyen, nachdem er ins Visier des Militärführers Haftar geraten war.
Selma verließ Kamerun auf der Suche nach einem besseren und sicheren Leben für sich und ihre Tochter.
Joe berichtet als Kapitän des Seenotrettungsschiffs „Sea-Watch“ von schwierigen Entscheidungen und dramatischen Momenten bei den Einsätzen auf dem Mittelmeer.
Naomi ist ehrenamtlich beim Alarmphone aktiv und schildert Telefongespräche mit Menschen in akuter Seenot sowie den Druck, der auf die Küstenwachen ausgeübt werden muss, um rechtzeitig Hilfe zu erzwingen.
Das Stück war sehr bewegend und vermittelte auf eindrucksvolle Weise die Schicksale der Menschen auf See. Zugleich wurde deutlich, wie lebenswichtig sichere Fluchtrouten und die zivile Seenotrettung sind.
In allen Erzählungen spiegelt sich eine zentrale Erkenntnis wider: Ohne die Arbeit der zivilen Seenotrettung würden noch mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken – und die Küstenwachen europäischer Staaten nehmen das offenbar in Kauf. Mehr noch: Die Seenotrettung wird systematisch behindert, und viele Geflüchtete müssen fürchten, von der italienischen Küstenwache zurück nach Libyen verschleppt zu werden.
Gerade jetzt ist es besonders alarmierend, dass das Auswärtige Amt die finanzielle Unterstützung für zivile Seenotrettung im Mittelmeer eingestellt hat. Umso wichtiger ist es, auf vielfältige Weise auf die Relevanz dieser Hilfsorganisationen und auf die Schicksale geflüchteter Menschen aufmerksam zu machen.