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Die Wohnungskrise macht auch vor einem der reichsten Bundesländer nicht halt. In Städten wie Stuttgart, Freiburg, Tübingen und Heidelberg erreichen die Mieten und Immobilienpreise bundesweite Spitzenwerte. Doch auch der Mangel an Sozialwohnungen ist in Baden-Württemberg besonders groß: Knapp 55.000 Sozialwohnungen stehen 800.000 armutsgefährdeten Haushalten gegenüber. Der Beitrag der Wohnungsforscherin Johanna Betz trägt die wichtigsten Eckdaten zur Wohnungsmarktentwicklung der letzten Jahre zusammen, analysiert wie das Land vorhandene landespolitische Instrumente wie die Mietpreisbremse oder die soziale Wohnungsbauförderung nutzt, und leitet daraus Empfehlungen für die Landespolitik ab.
Bezahlbarer Wohnraum ist im Südwesten Deutschlands schwer zu finden. 85 Prozent der Bevölkerung teilen diese Einschätzung (Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration 2024: 3). Drei Städte in Baden-Württemberg – Stuttgart, Freiburg und Heidelberg – zählen in Erhebungen regelmäßig zu den zehn Städten mit den höchsten Mieten und Kaufpreisen im Bundesgebiet. Zwischen 2015 und 2022 stiegen die inserierten Immobilienpreise in Baden-Württemberg infolge niedriger Zinsen jährlich um durchschnittlich 9,3 Prozent bei Eigentumswohnungen und um 8,5 Prozent bei Eigenheimen. Eine Trendumkehr setzte erst mit dem Zinsanstieg 2022 ein, wodurch die Preise zwischen 2023 und 2025 um durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr sanken, bevor sich der Rückgang abschwächte (empirica ag 2025: 28f.). Angesichts der hohen Nachfrage ist die weitere Entwicklung offen. Gleichzeitig brachen mit dem Zinsanstieg Baufertigstellungen und Auftragseingänge ein, der Neubau geriet in eine Krise.
Auf dem Mietwohnungsmarkt steigen die Preise kontinuierlich, wie etwa 2024 eine Kleine Anfrage der damaligen Bundestagsgruppe der Partei Die Linke gezeigt hat. In vielen Landesteilen liegen die Angebotsmieten (nettokalt) inzwischen bei über 12 Euro/m², während laut Zensus die durchschnittliche Nettokaltmiete 2022 8,10 Euro/m² (bundesweit 7,30 Euro/m²) betrug. Die regionale Bevölkerung wird voraussichtlich nicht nur weiter wachsen, sondern auch deutlich altern, wodurch mehr barrierefreier Wohnraum benötigt wird. Gleichzeitig ziehen Menschen aus ländlichen Regionen in Städte wie Tübingen, Stuttgart, Heilbronn, Ulm oder kleinere Zentren wie Pforzheim, um eine Ausbildung oder ein Studium aufzunehmen oder um eine Stelle anzutreten, während andere wegen fehlendem bezahlbaren Wohnraum in den suburbanen Raum ausweichen. Inzwischen wachsen die Umlandkommunen schneller als die Schwarmstädte selbst. Die höchsten Mietpreissteigerungen zwischen 2013 und 2023 traten sowohl in urbanen Zentren wie Konstanz als auch in stadtnahen Kommunen wie Emmendingen sowie in ländlicheren Kreisen wie dem Ostalbkreis auf. Selbst teils ländlich geprägte Kreise wie der Bodenseekreis verzeichnen mit 8,50 Euro/m² höhere Durchschnittsmieten als etwa Baden-Baden mit 7,80 Euro/m².