Publication Geschichte - International / Transnational - Deutsche / Europäische Geschichte - Europa Osteuropa in Tradition und Wandel - Band 8(1)

Leipziger Jahrbücher: Osteuropakunde an der Leipziger Universität und in der DDR. Autor*innen: Wolfgang Geier, Volker Hölzer, Ernstgert Kalbe, Eckart Mehls, Horst Schützler, Sonja Striegnitz, Willi Beitz, Adelheid Latchinian, Sarkis Latchinian, Horst Richter, Jörg Roesler, Gerd Neumann, Eva Müller, Olaf Kirchner, Erhard Hexelschneider

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January 2006

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1. Halbband enthält:

  • Editorial (S. 9-16)
  • I Aufsätze und Studien:
    • Wolfgang Geier: Slawen- und Ost-/Südosteuropakunde im 18. und 19. Jahrhundert. Zum 600jährigen Bestehen der Universität Leipzig im Jahre 2009 (S. 19-46)
    • Volker Hölzer: Zur Entwicklung der historischen Osteuropawissenschaft an der Universität Leipzig Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert bis 1945 (S. 47-68)
    • Ernstgert Kalbe: Zur historiographischen Osteuropadisziplin in Leipzig von 1945 bis zum Ende der DDR (S. 69-98)
    • Eckhart Mehls/Horst Schützler/Sonja Striegnitz: Seminar – Institut – Fachbereich. Die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin: Blick auf ein halbes Jahrhundert (S. 99-131)
    • Willi Beitz: Slawistische Literaturwissenschaft an der Leipziger Universität (S.133-152)
    • Adelheid Latchinian: Armin T. Wegner – ein deutscher Dichter im »Zeitalter der Extreme«, totgesagt, totgeschwiegen, maßstabsetzend (S. 153-184)
    • Sarkis Latchinian: Der Völkermord an den Armeniern: Hintergründe für seine Leugnung durch die Türkei und für die Mitschuld Deutschlands (S. 185-209)
  • II Kritik und Information
    • Horst Richter: Persönliches zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Ökonomen der UdSSR (S. 213-223)
    • Jörg Roesler/Gerd Neumann: Wissenschaftliche Zusammenarbeit in der RGW-Forschung – Zwei Interviews (S. 225-246)
    • Eva Müller: Von der Mittelschule in Iwanowo, UdSSR (1936 bis 1946) zum Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität in Leipzig (1947 bis 1951). Erinnerungen (S. 247-288)
    • Olaf Kirchner: Historiographie im Wandel – Reflexionen der sowjetischen Geschichte in der Bundesrepublik Deutschland (S. 289-309)
    • Erhard Hexelschneider: Als Michail Scholochow Ehrendoktor der Philologischen Fakultät der Karl-Marx-Universität Leipzig wurde (S. 311-335)
    • Erhard Hexelschneider: Migranten aus Rußland im heutigen Leipzig. Statistisches – Auswanderungsmotive – Situation – Probleme (S. 337-368)
    • Ernstgert Kalbe: Zum »Lexikon zur Geschichte Südosteuropas«. Hrsg. Edgar Hösch, Karl Nehring und Holm Sundhaussen. Böhlau-Verlag 2004. (S. 369-376)

2. Halbband: Osteuropakunde an der Leipziger Universität und in der DDR

Editorial:
»Im Herbst 2009 begeht die Leipziger Universität das 600jährige Jubiläum ihrer Gründung, die als Reaktion auf das Erwachen des Nationalbewußtseins der slawischen Völker erfolgte, das seinen sichtbaren Ausdruck in der revolutionären Hussitenbewegung in Böhmen gefunden hatte. ... Nach der Zerschlagung des Faschismus wurde die Leipziger Universität auf der Grundlage des Befehls Nr. 12 der SMAD vom 15. Januar 1946 am 5. Februar desselben Jahres mit der Verpflichtung zur humanistischen und demokratischen Erneuerung dieser höchsten Bildungsstätte neu eröffnet, was die Brechung des Bildungsprivilegs bislang herrschender Klassen, die Gewinnung antifaschistischer Lehrkräfte und die Ausbildung eines demokratischen wissenschaftlichen Nachwuchses verlangte, wozu die Einrichtung von Vorstudienanstalten bzw. später von Arbeiter- und Bauernfakultäten für die Kinder werktätiger Klassen und Schichten einen wichtigen Beitrag leistete. Dieser Umbruch war mit dem Wirken solcher antifaschistischer Hochschullehrer wie Fritz Behrens, Werner Krauss, Ernst Bloch, Hans Mayer, Walter Markov, Emil Fuchs und Joseph Schleifstein verbunden.
Dabei kam der Lehre und Forschung auf dem Felde der Geschichtswissenschaft, vor allem zu den geschichtlichen Traditionen der progressiven und demokratischen Kräfte des deutschen Volkes, zur Geschichte der Völker der UdSSR wie der östlichen Nachbarvölker Deutschlands eine besondere Rolle zu, die von bewährten Antifaschisten, in Leipzig u. a. von Walter Markov, Ernst Engelberg und dann Walter Bartel, ausgefüllt wurde. Analogien dazu lassen sich auch über die Aufgaben und die Entwicklung anderer geisteswissenschaftlicher Fächer, darunter der osteuropakundlichen Nachbardisziplinen – der Slawistik, der Sprach-, Literatur- und Wirtschaftswissenschaft – herstellen.
Der Beschluß des ZK der SED von 1955 über die Entwicklung der Geschichtswissenschaft in der DDR erklärte die Untersuchung der Osteuropapolitik des deutschen Imperialismus, die Pflege der revolutionären und demokratischen Beziehungen zwischen dem deutschen Volk und den Völkern Osteuropas sowie die Verbreitung eines humanistischen Geschichtsbildes über die Entwicklung der osteuropäischen Völker zu zentralen wissenschaftspolitischen Anliegen. Dazu leisteten die historischen Institute und Lehrstühle für osteuropäische Geschichte in Leipzig, Berlin, Halle und Jena einen angemessenen Beitrag, auch durch die Entwicklung von fruchtbaren Kooperationsbeziehungen mit Fachkollegen der sozialistischen Länder Osteuropas.
Freilich darf man nicht übersehen, daß auch in den osteuropakundlichen Instituten und Einrichtungen der DDR eine zunehmend einseitig verengte und dogmatische Sicht auf die Entwicklung Osteuropas und die Beziehungen Deutschlands mit seinen östlichen Nachbarvölkern Platz griff, die im quasi gesetzmäßigen Sieg sozialistischer Revolutionen und des Sozialismus als Gesellschaftsordnung kulminierte. Insbesondere die Defizite an Demokratie wie die diktatorische Machtausübung samt ihren Folgewirkungen blieben dabei außerhalb der Betrachtung. Nach der Implosion des osteuropäischen Realsozialismus verlangt das eine kritische und sachliche Neubewertung mancher historischer Prozesse und Ereignisse, die eine selbstkritische Einschätzung der eigenen damaligen Positionen einschließt, aber auch die selbstbewußte Wertung der geleisteten Arbeit, zumal damals (und heute wieder) auch die ›westlichen‹ Fachwissenschaften das historische Geschehen in der sozialistischen Region Osteuropas bis 1990/1991 keineswegs frei von Vorurteilen, Fehlern und Irrtümern beurteilten.
Nachträgliche Gänge nach Canossa sind also ebenso überflüssig wie voreilige Anpassung an den heutigen Mainstream überheblicher Sichten auf osteuropäische Gesellschaften. Wohl aber möchte der vorliegende Band im Gang auf die 600-Jahrfeier der Leipziger Universität das Wirken der osteuropakundlichen Disziplinen im 20. Jahrhundert, vor allem in den Jahren der Weimarer Republik, der faschistischen Diktatur und der realsozialistischen DDR-Zeit beschreiben und neu bewerten, was Rückgriffe auf die vorherige Wissenschaftsentwicklung einschließt und Vorgriffe auf die gegenwärtig im Gang befindliche Neuprofilierung von Disziplinen der Osteuropakunde – auch wegen direkter Betroffenheit der ›abgewickelten Garnituren‹ von Wissenschaftlern – weitgehend ausschließt. ...«

Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen und Gesellschaft für Kultursoziologie, 2006. 707 S.

Kostenbeitrag 2 Bände: 30,00 €, Mitglieder 20,00 €

Bestellungen bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen unter: info@rosalux-sachsen.de, Tel: 0341-960 85 31

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