Publication Soziale Bewegungen / Organisierung - Wirtschafts- / Sozialpolitik Applaus ist nicht genug

Mythen, Probleme und Kämpfe rund um das Krankenhauswesen in Corona-Zeiten

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luxemburg argumente

Author

Nadja Rakowitz,

Published

August 2021

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Illustration: Marie Geißler

Mit der Corona-Pandemie ist die Gesundheitsversorgung ins Zentrum gesellschaftlicher Debatten gerückt wie lange nicht mehr. Wie unter einem Brennglas zeigten sich in der Pandemie die massiven strukturellen Probleme des deutschen Gesundheitswesens. Zwar sind die Krankenhauskapazitäten in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern sehr hoch, es fehlt aber an Pflegepersonal und einer bedarfsgerechten Finanzierung. Auch die Organisation und die für uns Patient*innen so wichtige Kooperation zwischen verschiedenen Teilen und Einrichtungen des Systems sind mangelhaft bzw. überhaupt nicht vorgesehen. Zudem traf der Corona-Ausbruch den armgesparten öffentlichen Gesundheitsdienst völlig unvorbereitet. Besonders drastische Defizite zeigten sich beim Schutz der Bewohner*innen von Pflegeheimen und Sammelunterkünften, von Gefängnisinsassen oder Menschen, die ohne Obdach auf der Straße leben (müssen).

Wir stehen also vor einem Berg von Problemen, die es zu lösen gilt, und sind gleichzeitig mit einer Debatte konfrontiert, die von Mythen und ideologischen Argumenten, von Halbwahrheiten und der Verdrehung von Fakten geprägt ist. Denn es geht hier um viel Geld, um mächtige Interessen, um mehr als zehn Prozent aller Beschäftigten im Land und um einen gesellschaftlichen Bereich, der immer noch nicht vollständig kapitalistischen Verhältnissen unterworfen ist.

Wir greifen in dieser Broschüre einige Kontroversen und Streitpunkte auf, die im Zuge der Corona-Pandemie noch eine größere Brisanz erhalten haben. Die meisten beziehen sich auf die Situation in den Krankenhäusern, auf die Art, wie diese finanziert und organisiert werden. Denn das hat drastische Auswirkungen auf die konkrete Versorgung und die dortigen Arbeitsbedingungen. Wir wollen dabei genauer hinschauen und fragen: Wer kritisiert was am gegenwärtigen System? Welche Diagnosen werden gestellt, welche Therapien bzw. Lösungen werden angeboten und welche Interessen stecken hinter diesen Vorschlägen? Zugleich bedarf es Überlegungen und Konzepte, wie wir die Gesundheitsversorgung solidarischer und gerechter gestalten können. Es ist höchste Zeit, sich mit Argumenten und Reformvorschlägen für die Debatten und Kämpfe rund um das Krankenhaus- und Gesundheitswesen zu wappnen, die sich in nächster Zeit noch zuspitzen werden. Diese Broschüre will Orientierung, Anregungen und Hilfestellung dafür bieten.