Publication Erinnerungspolitik / Antifaschismus - Rassismus / Neonazismus Im Kern faschistisch

Annäherung an einen umstrittenen Begriff

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luxemburg beiträge

Author

Felix Korsch,

Published

September 2021

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Das Wort Faschismus teilt, seitdem es in der Welt ist, das Schicksal aller großen Richtungsbegriffe und ist stets umkämpft. Über die Bezeichnung des historischen Kerns – Mussolinis fascisti sowie bekennende Nachahmer*innen in etlichen Ländern – hinaus raten manche von der Verwendung des Faschismusbegriffs völlig ab, während andere seinen Gebrauch ins Uferlose ausdehnen. Kaum ein gesellschaftliches Phänomen aus Vergangenheit und Gegenwart wurde nicht mit dem F-Wort oder einer seiner Varianten verbunden, doch genauso oft und vehement wurden solche Verbindungen bestritten. Immer wieder bewahrheitet sich die alte Einsicht: Wer über  den Faschismus spricht, landet «inmitten gegenwärtiger Konflikte» (Alff 1973: 14). Das gilt vor allem für meinungsstarke öffentliche Debatten.

Zumeist leer geht jedoch aus, wer Halt in den Sozialwissenschaften und insbesondere in der deutschsprachigen Rechtsextremismusforschung sucht. Ausgerechnet dort gehört Faschismus nicht zum großen Cluster der relevanten und allgemein akzeptierten Begriffskonzepte, obwohl die Zahl der Literaturbeiträge zum Thema enorm hoch ist. Wer sie auswertet, wird bald feststellen, dass die etlichen Versuche, über den italienischen Fall hinaus Faschismus allgemein zu definieren, für politische Analysen nutzbar zu machen und gar in eine eigene Theorie einzubetten, schon vor Jahrzehnten weitgehend verebbten.

Inhalt

1 Die Rückkehr eines Wortes

2 Walter Laqueurs Euronationalismus-These

3 Grundpositionen der Fascist Studies

4 Variationen, Erweiterungen und Alternativen

5 Kritik: «Ultranationalismus» – Nationalismus der Faschist*innen?

6 Vertiefung: Gibt es Neofaschismus?

7 Signaturen des Neofaschismus

8 Schluss: Radikaler Nationalismus mit Massenzulauf