Publication Staat / Demokratie - Parteien / Wahlanalysen - Afrika Simbabwe: Wenn die Wahlen nun nicht gefälscht waren?

Online-Publikation zu den Wahlen in Simbabwe von Jos Martens, Büro Südliches Afrika.

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Online-Publikation

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Jos Martens,

Published

September 2013

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Seit die ersten Ergebnisse der Wahlen vom 31. Juli 2013 in Simbabwe veröffentlicht wurden, wird darüber debattiert, ob diese frei, fair und glaubhaft waren. Vor allem wird darüber gestritten, ob die Wählerlisten manipuliert wurden. Das Abstimmungsverhalten der Simbabwer an sich spielt dagegen kaum eine Rolle. Die Frage zum Beispiel, wieso – von den Fälschungen einmal abgesehen – sich so viele für den 89 Jahre alten Mugabe und die ZANU entschieden haben.

Einige Tage nach der Wahl sprach ich mit einer Frau, die im Osten Simbabwes mit Hingabe ein Stück Gemeindeland bearbeitet. Wie viele andere ist sie ZANU-Mitglied, unterstützt aber die MDC. Dass ZANU einen solchen Erdrutschsieg einfuhr, hat sie wie viele andere Menschen in ihrem Dorf überrascht: „So viele von uns haben gesagt, wir wollen Veränderung, wir wollen Veränderung“, erklärte sie und bezog sich dabei auf einen Wahlslogan der MDC. Auf die Frage, warum die Leute die MDC unterstützt haben, antwortete sie: „Die Menschen hassen Mugabe wirklich. Wir wissen alle, dass der MDC-Führer Tsvangirai (seit 2009 Ministerpräsident) ein Freund der Amerikaner ist, die uns helfen können. Mugabe hält es mit den Chinesen, und die sind sehr brutal. Sie haben die zuvor geschlossenen Fabriken nicht wiedereröffnet. Wir möchten auch die Briten gern zurückhaben, nicht als unsere Herren, sondern als Menschen, die hart arbeiten. Viele Leute, die ein Stück Land bekommen haben, bearbeiten es nicht. Was soll man da machen, wenn man selber nur eine Hacke hat? Die Briten könnten helfen. Vielleicht machen sie wieder Fabriken auf. Wir wollen, dass unsere Kinder Arbeit finden. Früher war das Leben auch hart, aber es war billiger. Ich habe mich nicht gefürchtet zu wählen, wie ich wollte. In der Wahlkabine bin ich allein, warum sollte ich mich fürchten?“

Natürlich ist eine Einzelperson nicht repräsentativ für die ganze Bevölkerung. Die besagte Frau lebt zum Beispiel in einem Dorf, wo es bei den Wahlen von 2008 nicht viel Gewalt gab. Regen fällt dort genug, die Bauern benutzen Kunstdünger und Saatgut vom Markt, wenn sie es bekommen. Viele erhalten auch Überweisungen von ihren Kindern, die im Ausland arbeiten, zumeist in Südafrika, aber auch in Großbritannien.

Trotzdem zeigt schon dieses kurze Gespräch, dass sich die Menschen bei ihrer Wahlentscheidung vor allem von einem leiten lassen: Sie wollen ein besseres Leben – ein höheres Einkommen, niedrigere Preise, Arbeit, Dienstleistungen und Sicherheit...

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