Publication Politische Weiterbildung (en) - GK Kritische Pädagogik Kritische Pädagogik

Fragen – Versuch von Antworten, Band 2. Manuskripte Neue Folge 9 von Horst Adam (Hrsg.).

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Manuskripte

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Horst Adam,

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April 2014

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Der vorliegende 2. Band des Arbeitskreises «Kritische Pädagogik» enthält die wesentlichen Ergebnisse der Tagungen aus den Jahren 2012 und 2013. Dabei wurde nicht einer chronologischen Vorgehensweise gefolgt, sondern einer inhaltlich-systematischen. Entsprechend wurden die Beiträge nach inhaltlichen Gesichtspunkten an- und zugeordnet.

Von einer fundamentalen Gesellschaftskritik und davon abgeleiteten Herausforderungen für die Kritische Pädagogik wurden wesentliche Prämissen für die Kritische Pädagogik verdeutlicht, kritische Bestandsaufnahmen vorgenommen, Probleme aufgeworfen, theoretische Zusammenhänge dargestellt und Vorschläge für die Durchsetzung emanzipatorischer, linker Bildungspolitik eingebracht.

Zum ersten inhaltlichen Schwerpunkt «Gesellschaftskritik und Herausforderungen für die Kritische Pädagogik» gab es die Tagungsthemen

  • «Bürgerlichkeitsbejahung» und «Kampf um die Mitte. Kritische Anmerkungen zur Renaissance liberalkonservativer Deutungsmuster» und
  • «Bildungsarbeit gegen Diskriminierung und Rassismus».

Der zweite Schwerpunkt betraf den Zusammenhang von Bildung und Sozialem. Hierzu gab es die Tagungsthemen

  • «Bildungsferne Schichten›? Über Armut als Bildungsrisiko und als Ergebnis von Bildungsausgrenzung» und
  • «Was ist heute kritische Soziale Arbeit?»

Der dritte Schwerpunkt befasste sich in Würdigung des herausragenden westdeutschen Erziehungswissenschaftlers der Nachkriegszeit, Hans-Jochen Gamm, mit dem Themenkomplex «Emanzipatorische Pädagogik in bewusstem Widerstand. Hans-Jochen Gamms Ansatz einer materialistischen Erziehungswissenschaft». Hierzu gab es Referate zu den Themen

  • «Materialistische Pädagogik. Hans-Jochen Gamms erziehungswissenschaftlicher Ansatz eines kritisch-humanistischen Materialismus»,
  • «Die Bedeutung der Utopie im erziehungswissenschaftlichen Denken Hans-Jochen Gamms»,
  • «Materialität der Gamm’schen Denkweise in der postindustriellen Gesellschaft»

Der vierte inhaltliche Schwerpunkt betraf die «Makarenko-Rezeption heute». Er befasste sich mit folgenden thematischen Aspekten:

  • Die kritische Aufarbeitung und Würdigung der pädagogischen Grundpositionen A. S. Makarenkos für die Kritische Pädagogik heute unter den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und einer neuen pädagogischen Praxis,
  • Probleme der Makarenko-Rezeption in der Sowjetunion, der DDR, der «alten BRD» und im vereinigten Deutschland.
  • Entwicklung des Verständnisses der Pädagogik Makarenkos als alternatives Erziehungssystem, das auf die Erziehung eines Menschen gerichtet ist, der – ganz im Sinne der Kritischen Pädagogik – emanzipiert und selbstbestimmt progressiv und alternativ zu regressiven sozialen Systemen handeln kann.

Der fünfte inhaltliche Schwerpunkt betrifft «Bedingungen und Probleme der Subjektwerdung Heranwachsender. Über das Lernen von Kompetenzen –  Probleme und Herausforderungen». Dabei ging es um

  • den Nachweis, dass in kritisch-psychologischer, damit marxistisch-subjektwissenschaftlicher Perspektive, Kompetenz systematisch auf die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft und die «Pathologie des Normalen» bezogen werden muss,
  • das Herausarbeiten, wie Entwicklungs- und Handlungswidersprüche vom Standpunkt des Kindes zu verstehen sind und wie solidarisches Handeln zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen in gemeinsamen Lern- und Veränderungsprozessen entwickelt werden kann.

Der sechste inhaltliche Schwerpunkt befasste sich mit dem Thema «Ganztagsbildung als wissenschaftliche und bildungspolitische Reformperspektive – zugleich ein exemplarischer Beitrag zum Profil der kritisch-konstruktiven Erziehungswissenschaft». Dabei ging es vor allem darum,

  • wie Problemsichten und Lösungsansätze verdeutlicht, wie der strukturellen Widerspruchsvereinseitigung (asymmetrische Addition) von Schulpädagogik und Schulsozialarbeit im pädagogischen Raum der Schule begegnet werden sollte,
  • wie Ganztagsbildung als qualitative Neuverteilung der Bildungsaufgaben in der privaten und öffentlichen Erziehung der Kinder und Jugendlichen mit offener institutioneller Zuordnung realisiert werden kann,
  • wie Schlüsselkonzepte für die bildungsbiografische Öffnung der Ganztagsbildung durch den Aufbau intergenerationeller kommunaler/regionaler Bildungslandschaften aussehen könnten.

Zu all den aufgeführten Problemkreisen gab es mit den Teilnehmern aus Ost und West, kritischen Pädagogen, Psychologen, Soziologen, Philosophen, Bildungspolitikern und praktisch tätigen Pädagogen, Aspiranten und Studenten, einen regen Erfahrungsaustausch und konstruktive Diskussionen zur Entwicklung emanzipatorischer, linker Bildungspolitik und kritischer Erziehungswissenschaft.

Die wesentlichen Ergebnisse, auch nachträglich zugesandte Diskussionsbeiträge, sind in diesem Band veröffentlicht.

Die große Resonanz auf die Tätigkeit unseres Arbeitskreises zeigte sich auch in zustimmenden, Interesse zeigenden Zuschriften und Stellungnahmen von Wissenschaftlern und Studenten von Universitäten und anderen wissenschaftlichen und Lehreinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich.

Wir sind bemüht, unserem selbst gestellten hohen Anspruch auch künftig gerecht zu werden. Vorschläge und Anregungen, auch zur Erweiterung der Problem- und Inhaltsfelder, nehmen wir gern entgegen.

Der Herausgeber
Doz. Dr sc. phil. Horst Adam
Leiter des Arbeitskreises «Kritische Pädagogik» der Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin, Dezember 2013