News | M. März: Linker Protest nach dem Deutschen Herbst, Bielefeld 2012

"...der Autor betrachtet vier markante "Protestphänomene" (S. 387) der Jahre 1978/79: die Gefangeneninitiativen nach dem Zerfall der "Komitees gegen Isolationshaft", den TUNIX-Kongress, das "3. Internationale Russell-Tribunal zur Situation der Menschenrechte in der BRD" sowie die Kampagnen zur Freilassung des im Sommer 1977 in der DDR inhaftierten Philosophen Rudolf Bahro."

Uwe Sonnenberg, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, und Mitglied des Gesprächskreises Geschichte der RLS rezensiert für H-Soz-u-Kult

März, Michael: Linker Protest nach dem Deutschen Herbst. Eine Geschichte des linken Spektrums im Schatten des 'starken Staates', 1977-1979 (= Histoire 32). Bielefeld: Transcript - Verlag für Kommunikation, Kultur und soziale Praxis 2012. ISBN 978-3-8376-2014-6; 416 S.; EUR 32,80.

Abschließend schreibt er in seiner Kritik: "Für sich besehen können die einzelnen Beobachtungen wenig überraschen. Dass sie zusammengenommen ein teils widersprüchliches und durchaus neues Bild linker Diskurse und Praktiken im Ausgang der 1970er-Jahre ergeben, hat mit Spezifika linker Geisteshaltung und Geschichte zu tun, ist aber auch der hier zugrundegelegten Breite des Spektrums geschuldet. So hat März aus nachvollziehbaren methodischen Gründen alle aufgenommen, die sich zeitgenössisch selbst als "links" verstanden, selbst wenn sie sich dieses Attribut gegenseitig wahrscheinlich abgesprochen hätten: von Sozialdemokraten und Sozialrevolutionären bis hin zu Mitgliedern der  K-Gruppen. Wo sollte die Grenze gezogen werden? Vor diesem fundamentalen Problem steht ebenso, wer versucht, das unübersichtliche und sich beständig wandelnde linke Protestlager der 1970er-Jahre mit kulturwissenschaftlichen Theorieapparaten im (links)alternativen Milieu anzusiedeln oder es in Bezug zu den neuen sozialen Bewegungen zu setzen, von denen sich manche bei genauerer Betrachtung gar nicht als so neu erweisen.
Im Sinne des oben skizzierten Desiderats einer Gesamtdarstellung des linken Spektrums der 1970er- und 1980er-Jahre wünschte man sich zukünftig noch weitere dieser dichten Beschreibungen über Hintergründe, Abläufe, Akteure und Rezeptionen ausgewählter Protestereignisse, wie Michael März sie überzeugend vorgelegt hat."

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Konrad Sziedat rezensiert das Buch am 15. März 2013 auf www.sehepunkte.de und schreibt es sei "ein äußerst detailreiches und anregendes Buch" (mehr).