News | International / Transnational - Africa Mali in der Zwischenzeit - nach der Militärintervention, vor den Wahlen

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Carola Diallo,

Am 17. April 2013  fand eine gemeinsam vom Afrika-Referat der Rosa-Luxemburg-Stiftung und AfricAvenir initiierte Diskussionsveranstaltung zu Mali statt. Debattiert wurde über Mali in der Zwischenzeit - nach der Militärintervention, vor den Wahlen. Es sprachen Aminata Traoré, Menschenrechtsaktivistin, ehemalige Kulturministerin Malis und Koordinatorin von FORAM (Forum pour un autre Mali) und Many Camara, Mitbegründer des Faléa-Projekts im Südwesten Malis, in dem sich die Bevölkerung gegen die negativen Folgen des geplanten Uranabbaus wehrt. Many Camara ist außerdem Mitbegründer der Partei SADI und des Netzwerks Radio Kayira sowie Soziologe und Universitätsprofessor in Bamako.

Die Veranstaltung war mit etwa 80 Zuhörer_innen gut besucht. Überschattet wurde die Veranstaltung dadurch, dass dem als Redner geladenen Oumar Mariko aus Mali (Oppositionspolitiker der Partei SADI, Direktor des Netzwerks Radio Kayira und möglicher Präsidentschaftskandidat) die Einreise sowohl nach Frankreich als auch nach Deutschland verweigert worden war. Während Aminata Traoré immerhin ein Deutschland-Visum erhalten hatte, war die Bundesregierung - vermutlich unter französischem Druck - eingeknickt und hatte Dr. Oumar Mariko – unter offensichtlich fadenscheinigen Begründungen - selbst das deutsche Visum verweigert.

Aminata Traoré  skizzierte in ihrer Präsentation die politische Lage im Norden Malis anhand der unterschiedlichen Akteure. Sie kritisierte, dass in der offiziellen Berichterstattung wichtige politische und wirtschaftliche Hintergründe verschwiegen würden. Mali sei nicht arm, sondern im Gegenteil reich an Ressourcen, während der Großteil der Bevölkerung arm sei. Die Ressourcen stellten einen Fluch für Mali und seine Bevölkerung dar. Die Ursachen für die Armut seien im ökonomischen und politischen System zu suchen und in den neoliberalen Umstrukturierungen der vergangen Jahrzehnte mit dem Ergebnis von hoher Verschuldung, hoher Arbeitslosigkeit, verbreiteten prekären Lebensbedingungen sowie der Einführung von politischen Reformen ohne Beteiligung der Bevölkerung. Diese Probleme seien nicht in Mali gemacht und auch kein alleiniges Problem Malis.

Many Camara machte an geographischen Karten deutlich, wie reich Mali an Ressourcen (wie z.B. Uran, Gold und Bauxit) ist. Internationale Konzerne würden sich diese Ressourcen aneignen, ohne die lokale Bevölkerung zu beteiligen. Wichtig sei, die lokale Bevölkerung zu befähigen, ihre eigenen Interessen gegen Konzerne und politische Fremdbestimmung durchzusetzen. Wie sensibel das Thema der politischen Fremdbestimmung, insbesondere auch der alten Kolonialmacht Frankreich - sei, zeige sich auch in der Visumsverweigerung für die Referent_innen.

Beide Referent_innen forderten von den deutschen Aktivist_innen einen Beitrag zur Solidarität mit ihrer Bewegung gegen den Krieg und gegen die Einmischung neokolonialer Kräfte zu leisten.

Im Fachgespräch, das am 19. April 2013 ab 10.00 Uhr in der RLS mit den beiden Referent_innen stattfindet, sollen unter anderen folgende Fragen vertieft werden:

Wie kann die Solidarität konkret aussehen? Wie  stehen soziale Bewegungen und die Partei SADI zu den im Juli geplanten Wahlen? Wie bereiten sie sich auf die Wahlen vor? Wie können politische Alternativen umgesetzt werden, die eine demokratische Neufindung ermöglichen, zum Beispiel durch die Einberufung einer Versammlung aller wesentlichen Kräfte (nicht nur Parteien, sondern auch Verbände und Nichtregierungsorganisationen)?


Den französischen Text und die deutsche Übersetzung des Beitrags von Aminata Traoré zum runterladen:

FRANZÖSISCH: Le Naufrage et l'offense. "Le Mali est a rendre aux Maliens".

Aktuelle Publikationen zu Mali:

Claus-Dieter König

Mali: Vom "Hoffnungsträger" zum "Krisenstaat". Auf der Suche nach Lösungen jenseits von militärischem Interventionismus.

Afrique-Europe-Interact

Krieg in Mali. Wie Frankreich seine Vormachtstellung in Westafrika verteidigt.