News | Politics of Memory / Antifascism - German / European History - GK Geschichte - Spanischer Bürgerkrieg Der Spanische Krieg 1936-1939

Ein längerer Hintergrundartikel von Werner Abel

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Werner Abel,

„Wenn in Spanien", so sagte am 14. Juni 1937 während einer Sitzung des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale in Moskau der deutsche Kommunist Wilhelm Florin, „die Volksfront von den Faschisten niedergeschlagen würde, dann würde die Kriegsgefahr merklich anwachsen, der Frieden in Europa sehr schnell gefährdet sein. Darüber müssen wir uns klar sein und das den sozialdemokratischen Arbeitern und Funktionären in Frankreich und England klarlegen". Die Mahnung, die von verschiedenen Einheitsfront-Angeboten unterlegt wurde, verhallte bei der Sozialistischen Internationale ungehört. Aber auch die politische Klasse der bürgerlichen Demokratien konnten oder wollten nicht verstehen, was die Kommunisten klarsichtig prognostiziert hatten: Der Krieg in Spanien ist das Vorspiel eines neuen Weltkriegs. Mehr noch: Nach dem Putsch der reaktionären Generäle am 18./19. Juli 1936 verweigerten sie der jungen, durch freie Wahlen entstandenen spanischen Demokratie ihre Solidarität.

England und Frankreich aber hätten auch tatsächlich die Mittel gehabt, Deutschland, Italien und Portugal zu zwingen, ihre Verpflichtungen, die sie in dem am 24. August 1936 von 27 europäischen Staaten unterzeichneten Nichteinmischungsvertrag selbst eingegangen waren, auch einzuhalten. Im Gegenteil: London und Paris akzeptierten, dass ausgerechnet Deutschland und Italien, die die Putschisten am intensivsten mit Soldaten und Waffen unterstützten, ausgerechnet die Belieferung der Republikaner auf dem Seeweg verhindern sollten. Der italienische Kommunist Luigi Longo, während dem Spanischen Krieg Generalkommissar und Inspekteur der Internationalen Brigaden, schrieb später: „Trotzdem die internationale Stellung der beiden kämpfenden Parteien restlos klar ist, werden die Rebellengeneräle, die Verräter ihrer Regierung und ihres Vaterlandes, von den faschistischen Regierungen anerkannt, beschützt und unterstützt, während die legitime spanische Regierung von den Regierungen, die sich demokratisch nennen, ihrer internationalen Rechte beraubt und unter Kontrolle gestellt, als ob sie und nicht die Rebellen der Störenfried der Ordnung und des Friedens unter den Völkern sei." Maxim Litwinow, zu dieser Zeit sowjetischer Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, erklärte im Völkerbund, dass die legale spanische Regierung von allen Staaten ohne Ausnahme und vom Völkerbund anerkannt und auf der Grundlage der spanischen Verfassung und des demokratischen Wahlrechts gebildet worden war und dass sich diejenigen, die die Putschisten mit Menschen und Waffen unterstützten ebenso der Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes schuldig machten wie die, die diese Unterstützung duldeten. Die Sowjetunion, die auch den Nichteinmischungsvertrag unterschrieben hatte, war ab September 1936 neben dem kleinen Mexiko mit seinen begrenzten Möglichkeiten das einzige Land, das die bedrohte Spanische Republik massiv mit Waffen und, soweit bisher bekannt ist, mit 2049 Spezialisten unterstützte. Damit nahmen auf das Ereignis, das in Spanien als Bürgerkrieg begonnen hatte, drei internationale Kräftekonstellationen Einfluss: Die faschistischen Mächte, die die Putschisten offen und ungeniert unterstützten und ohne die dieser Putsch nicht erfolgreich gewesen wäre; die sogen. westlichen Demokratien, die durch ihre Haltung objektiv den Putschisten nutzten, und die UdSSR und die internationalen Antifaschisten, die sofort der bedrohten Republik zu Hilfe eilten. Ohne die sowjetische Unterstützung, vor allem ohne die gelieferte Militärtechnik, ohne die gelieferten Flugzeuge und Panzer hätte die Republik dem Ansturm der Putschisten nicht widerstehen können. Dabei musste ein dichtes Blockadenetz durchbrochen werden, eine Blockade, der immer wieder sowjetische oder gecharterte Schiffe zum Opfer fiel. Da aber die republikanische Luftwaffe über nur wenige ausgebildete Piloten und Panzerfahrer verfügte, musste die UdSSR Piloten, Tankisten, Berater und Spezialisten schicken, aber auch Konstruktionsunterklagen, denn die Spanische Republik war durch ihre Isolierung gezwungen zu versuchen, in den wenigen industriellen Regionen eine Rüstungsindustrie aus dem Boden zu stampfen.

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Manuskript eines Beitrages von Werner Abel, der gekürzt in der UZ publiziert wurde (Online 12.4 / Druck 15.04.2016).